Zong Qinghou, der reichste Chinese

Zong Qinghou, der reichste Chinese

Zong Qinghou verdiente damals etwa 8 Dollar im Monat, weniger als ein Drittel des Durchschnittseinkommens zu der Zeit, sagt er. Finanziell ging es ihm so schlecht, dass er einmal in einem Tunnel unter den Straßen von Peking schlafen musste, weil er sich ein Hotel nicht leisten konnte.

Der heute 67-Jährige verkauft nach wie vor - Softdrinks - und viele andere Dinge und hat es damit zum reichsten Menschen in Festland-China gebracht. Sein Nettovermögen am 5. Oktober betrug 20,1 Mrd. Dollar, wie aus dem Bloomberg Billionaires Index hervorgeht. Weltweit nimmt er damit Rang 30 ein und in Asien ist der die Nummer vier, nach den beiden Immobilienentwicklern Li Ka-shing und Lee Shau-kee aus Hongkong und dem Industriellen Mukesh Ambani aus Indien.

In Supermärkten werden Säfte, Erfrischungsgetränke und Mineralwasser verkauft, die von Zongs Hangzhou Wahaha Group Co. hergestellt werden. Chinesische Eltern kaufen sein Baby- Milchpulver und seine Kinderbekleidung.

Selbst in einem Land, in dem der Wohlstand geradezu explodiert, stellt die Geschichte Zongs eine Ausnahme dar. Seine Entwicklung vom Habenichts zum Millionär ist bemerkenswert, nicht nur wegen ihres Verlaufs, sondern auch weil er so erfolgreich ist in Chinas scheinbar unmöglicher Verschmelzung von Kapitalismus und Kommunismus.

Bescheiden gebildet

Zong verfügt über keine höhere Schulbildung. Er lebte von 1964 bis 1978 in einer landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft, während der Kulturrevolution von Mao Zedong. Er las Bücher über die kommunistische Revolution, Unternehmensführung und lernte, wie man sich abrackern und Dinge erdulden kann. Nachdem Deng Xiaoping an die Macht kam, der Chinas Weg hin zu einer Marktwirtschaft einleitete, kaufte Zong 1987 zusammen mit zwei pensionierten Lehrern und mithilfe eines Kredits über 22.000 Dollar von Verwandten einen Lebensmittelladen.

Mittlerweile ist Zong der Chairman von Wahaha, jedoch ein bescheidener und autokratischer Manager geblieben. Bereits in seinem ersten Laden hatte er darauf bestanden, dass jede Ausgabe - und sei sie nur für den Kauf eines Besens - von ihm genehmigt wird.

Häufig übernachtet er in seinem Büro in der grauen Zentrale von Wahaha in Hangzhou, der Hauptstadt der Provinz Zhejiang. Zum Mittagessen geht er in die Kantine und isst zusammen mit den anderen Mitarbeitern.

“Wer arm ist, muss immer über Wege nachdenken, wie es ihm besser gehen kann”, sagt Zong und raucht eine Davidoff- Zigarette nach der anderen vor der Tür des News Plaza Hotels in Peking. “Diese Erfahrung hilft mir, durchzuhalten.”

Qinghou prozt nicht

Menschen, die an dem Fünf-Sterne-Hotel in der Nähe des Platzes des Himmlischen Friedens vorbei gehen, schenken dem reichsten Menschen des Landes kaum Beachtung. Er stellt seinen Reichtum auch nicht zur Schau. Er trägt eine dunkle Jacke, eine einfache Hose und schwarze Schuhe, die alle in China hergestellt wurden. Er hat sich die neuen Schuhe nur gekauft, weil er von jemandem darauf aufmerksam gemacht wurde, dass seine alten schon etwas abgetragen aussahen.

Er hat keine Bodyguards, seine einzige Eskorte ist ein Manager der Geschäftsstelle von Wahaha in Peking. Der Name Wahaha bedeutet in Mandarin “das lachende Baby”.

“Ich brauche keine teure Kleidung”, sagt er. Die einzige Ausnahme ist seine Uhr, eine Vacheron Constantin für 48.000 Dollar, an der sein Status abzusehen ist. Er hat sie in der Schweiz gekauft, um seine alte Rolex zu ersetzen. “Einige Leute sagen, dass Rolex etwas für Neureiche ist”, sagt er lächelnd.

Wang Jianlin, der 58-jährige Chairman des Immobilienentwicklers Dalian Wanda Group, ist zweitreichster Festland-Chinese mit einem Vermögen von 9,1 Mrd. Dollar. Auf Rang drei kommt Robin Li, der Chairman und Chief Executive Officer von Baidu Inc., dem Betreiber der größten Suchmaschine in China, mit 8,4 Mrd. Dollar.

Während sich China hin zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt entwickelte, kam es Zong niemals in den Sinn, dass er eines Tages der reichste Mensch des Landes sein könnte.

“Ich habe mir nur geschworen, dass ich eines Tages eine ordentliche Fabrik haben würde”, sagt er. “Mein Wohlstand hat sich langsam angesammelt, ein Yuan nach dem anderen.”

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