Zeitungssterben...

Zeitungssterben...

Die Zeiten für Journalisten waren schon besser - auch in Deutschland: Die traditionsreiche "Frankfurter Rundschau" ist pleite, das Fortbestehen der "Financial Times Deutschland" ungewiss.

Gründe gibt es viele: Stetig sinkende Auflagen, radikal schwindende Anzeigenerlöse, massig kostenlose Lektüre im Internet und nun schlussendlich auch die Konkurrenz der begrenzt qualitätsvollen Gratis-Zeitungen. Die Entwicklungen sind nicht neu, doch hat sich jüngst etwas Entscheidendes verändert: Verleger sind nicht mehr gewillt, wie in der Vergangenheit die Verluste ihrer Print-Flaggschiffe auszugleichen. "Das Zeitungssterben gibt es seit Jahren, doch war es bislang nicht so spektakulär", sagt Experte Horst Röper vom Medienforschungsinstitut Formatt. Bislang seien Regionalblätter eingestellt oder zusammengelegt worden, jetzt habe die Entwicklung eine neue Qualität erreicht. Bei der "FTD" könnte es nun schnell gehen - der Verlag Gruner+Jahr entscheidet bereits am Mittwoch über die Zukunft des lachsrosa Blattes.

Die Zeit wird knapp

Um den Trend zu stoppen, müssen Zeitungshäuser schnell neue Einnahmequellen erschließen. Noch verdienten viele Verlage Geld und könnten die Neuausrichtung ihres Geschäftsmodells stemmen, schreibt Alexander Mogg von der Unternehmensberatung Roland Berger in einer Studie. "Noch, denn in drei bis fünf Jahren dürfte die Chance vertan sein." Vollkommen hoffnungslos ist die Lage nicht - wenn Verleger und Redakteure mutiger werden. Manche Wochen- und Sonntagszeitungen setzen auf lange Lesestücke und allerlei Zusatzgeschäfte und verdienen damit gutes Geld. Vorbild könnte die "Zeit" sein, die nach einer existenziellen Krise vor zehn Jahren genau dieses Konzept umgesetzt habe, sagt Medienfachmann Henning Röper von Solon Consulting. "Die 'Zeit' hat es geschafft, ihrer Zielgruppe immer wieder Neues anzubieten." Das seien nicht nur Bücher von Zeit-Autoren, sondern auch etwa die Lieblingsweine der Redakteure oder Reiseangebote. Der Erfolg: 2011 fuhr die Wochenzeitung einen Rekordgewinn ein.

Wo bleiben die Paywalls?

Große Hoffnungen setzt die verunsicherte Branche darauf, für Artikel im Internet Geld zu verlangen. "Das ist ein sinnvoller Schritt, aber kein einfacher", unterstreicht Berater Röper. Nicht funktionieren werde, etwas bis gestern noch Freierhältliches nun zu verkaufen und dabei nichts zu ändern. Die Verlage, die das gut und richtig machten, könnten nach drei Jahren bis fünf Prozent der Online-Nutzer in zahlende Abonnenten verwandeln. "Das hört sich nicht viel an, aber man muss dabei bedenken, dass das bekannte Seiten mit enormen Reichweiten sind."

Ganz vorne dabei ist hier der Springer -Verlag. Nach der "Welt", für die bald im Internet bezahlt werden muss, soll nächstes Jahr auch für den Online-Auftritt der "Bild" ein Obolus fällig werden. Bei beiden Publikationen wird Springer unterschiedliche Modelle erproben, um aus den an kostenlose Inhalte gewöhnten Internetnutzern zahlende Kunden zu machen. Vorbild für die "Welt" ist das Online-Angebot der "New York Times", bei der zunächst einige Artikel kostenlos sind und erst später gezahlt werden muss. Einen Schub für die digitalen Angebote erhofft sich Springer auch von der Fußball-Bundesligasaison 2013/14, deren Höhepunkte der Konzern digital anbieten wird. Ziel ist es, bis 2020 die Hälfte des Umsatzes im Digitalgeschäft zu erzielen. "Ich bin optimistisch, dass wir dieses Ziel vielleicht auch früher erreichen", sagte Konzernchef Mathias Döpfner in einem Reuters-Interview im Oktober.

Sinkende Auflagen

Angesichts der Auflagenentwicklung bleibt Döpfner und anderen Zeitungschef auch kaum eine andere Wahl. Zwischen 1991 und 2011 ging die tägliche Zeitungsauflage in Deutschland gemäß der IVW-Auflagenforscher um 30 Prozent auf 18,8 Millionen zurück. Die Entwicklung ist kaum zu stoppen. "Bis 2020 wird die erste Generation von 'Digital Natives' erwachsen, die quasi von Geburt an online war", warnt Mogg. Der Auflagenrückgang dürfte sich dadurch weiter beschleunigen. Jüngst knickte auch der Anzeigenmarkt noch stärker ein. In den ersten zehn Monaten 2012 gingen die Reklameeinnahmen der Zeitungen um sechs Prozent auf 4,1 Milliarden Euro zurück. Im Gesamtjahr 2011 betrug das Minus nur 2,1 Prozent.

Fatal ist der Werbeeinbruch für die "FTD". Der Aufsichtsrat des Verlags Gruner+Jahr (G+J) berät am Mittwoch über die Zukunft des Blattes und der anderen Wirtschaftstitel "Impulse" und "Börse Online". Ein Konzerninsider sagte, G+J erwarte 2012 bei den Wirtschaftstiteln einen Verlust von 15 Millionen Euro, davon entfielen allein zwei Drittel auf die FTD. Große Hoffnungen auf eine Wende zum Besseren haben die Beschäftigten nicht mehr. "Hier herrscht eine Stimmung wie im Sterbehospiz", sagt ein FTD-Mitarbeiter.

Erdacht wurde die "FTD" zur Hochzeit des Internet- und Börsenbooms Anfang des Jahrtausends von Gruner+Jahr und dem britischen Pearson-Verlag. "Die damals üppigen Gewinne des 'Handelsblatts' haben die beiden zu der Neugründung animiert", sagt Medienwissenschaftler Röper. Das Konzept sei aber nicht aufgegangen, da der deutsche Markt zu klein sei für zwei täglich erscheinende Finanzblätter. Seit der Gründung der "FTD" ist bei den G+J-Wirtschaftsmedien ein Verlust von insgesamt rund 300 Millionen Euro angefallen.

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