"Wirtschaft in Europa verliert ein Jahrzehnt"

"Wirtschaft in Europa verliert ein Jahrzehnt"

Die negative Entwicklung in Europa habe 2008 begonnen und spalte sich mittlerweile von anderen entwickelten Regionen wie den USA ab.

Der CEE-Raum hänge sehr stark von der Eurozone ab, wo es fast einheitliche Prognosen etwa der EU-Kommission gebe, dass es mittelfristig wieder zu einem Aufschwung kommen soll. Das sehen die WIIW-Experten skeptischer: "Es gibt wenig wirklich explizite Analysen, warum automatisch dann diese Aufwärtsbewegung 2014/15 folgen soll", formulierte Landesmann diplomatisch.

Dass die Aussichten in Osteuropa alles andere als rosig sind, brachte WIIW-Experte Vasily Astrov mehrmals bei der Vorstellung der dreijährigen WIIW-Prognose zum Ausdruck: "Es gibt nichts Positives zu melden." Die Exporte schwächeln, der Arbeitsmarkt ist angespannt, die Inlandsnachfrage stagniere bzw. gehe zurück, die Banken vergeben weniger Kredite, die Unternehmen investieren nur zögerlich, so die Aussagen des WIIW-Experten.

Dennoch soll die Region ab 2014 wieder etwas stärker wachsen: So soll die Wirtschaftsleistung der zehn neuen Mitgliedstaaten laut WIIW 2014 um durchschnittlich 2,3 Prozent zulegen, ein Jahr später um 3 Prozent - wobei die Hoffnungen auf Wachstumsimpulse aus der Eurozone ruhen. Heuer soll es in der gesamten Region zu einer mäßigen Erholung kommen.

Bereits 2012 litt die Region von den Befürchtungen eines neuerlichen stärkeren Wirtschaftseinbruchs in der Eurozone ("Double Dip") gekennzeichnet. Die Entwicklung der CEE-Region stehe "in scharfem Kontrast zu jener in anderen Emerging Markets in Asien und Lateinamerika", was die Abhängigkeit vom krisengeschüttelten Euroraum unterstreiche, so die WIIW-Experten.

Als die erfolgreichsten Exporteure der Region gelten Polen, Tschechien und Ungarn, die sehr stark auf die Eurozone und vor allem auf Deutschland fokussieren, wo das Wachstum noch relativ robust war, berichtete Astrov. In diesen Staaten legten die Exporte stärker zu als etwa jene von der Balkanländer, die sich eher nach Südeuropa wie Italien orientierten, das sich in einer Rezession befindet.

Arbeitsmarkt ohne Entspannung

An den angespannten Arbeitsmärkten der CEE-Staaten zeichnet sich weiterhin keine Entspannung ab - dazu wären mehrjährige Wachstumsraten von zumindest 3 Prozent notwendig, so Astrov. "Davon sind die meisten Länder weit entfernt." In einzelnen Staaten wie Kroatien habe sich der Druck aufgrund von Kündigungswellen vor allem im öffentlichen Dienst weiter verschärft."Serbien hat in den letzten vier bis fünf Jahren über 20 Prozent der Beschäftigten verloren", so Astrov. Das habe natürlich auch zur Stagnation bzw. zum Rückgang der Inlandsnachfrage in den CEE-Ländern beigetragen. Von dieser Entwicklung hätten sich insbesondere die GUS-Länder abgekoppelt, in Russland und Kasachstan würden die Konsumkredite steigen, betonte Astrov.

Dagegen würden die europäischen Banken, die den CEE-Bankensektor dominieren, im Großen und Ganzen ihre Bilanzen kürzen. Davon seien insbesondere Rumänien, Slowenien und Ungarn betroffen, während die Kreditvergabe in den als weniger risikoreich geltenden Länder Polen, Tschechien und Slowakei stabil blieben, berichete Astrov.

Zu dieser negativen Entwicklung komme auch, dass die Unternehmen weniger investieren und auf dem Geld sitzen würden, berichtete der WIIW-Ökonom. Der Zugang zu Krediten spiele bei den Investitionen nur eine geringere Rolle, während Überkapazitäten und Unsicherheiten für die zögerliche Investitionen verantwortlich seien, ergab eine WIIW-Untersuchung. Die Investitionsdynamik werde vor allem durch öffentliche Investitionen bestimmt - wie etwa in Rumänien, das im Vorjahr in den Straßenbau investierte. Die Bauaktivität gehe aber in der gesamten Region schon seit Jahren zurück, in Slowenien und Bulgarien um rund 15 Prozent jährlich.

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