"Wir sind auf eine Weissgeld-Strategie geeicht und wollen kein Schwarzgeld aus Zypern"

"Wir sind auf eine Weissgeld-Strategie geeicht und wollen kein Schwarzgeld aus Zypern"

Laut der Rating-Agentur Moody's sollen sich allein rund 31 Mrd. Dollar (23,9 Mrd. Euro) aus Russland auf zypriotischen Banken befinden. Vorerst sind diese und weitere Einlagen aber eingefroren. Investoren dürften aber alternative Anlagemöglichkeiten für ihre Vermögenswerte suchen. Mit einem massiven Zugang bei Schweizer Banken ist aber nicht zu rechnen.

"Wir sind auf eine Weissgeld-Strategie geeicht und wollen kein Schwarzgeld", erklärte Janwillem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär, am Montag auf Anfrage. Der Bankenplatz Schweiz habe genug Baustellen aus der Vergangenheit zu bewältigen und könne es sich nicht leisten, im Zusammenhang mit Geldern aus Zypern in Verruf zu geraten.

Zypern habe Probleme bekommen, weil die Banken zum Teil Geldwaschanlagen und Steuerhinterziehungsanstalten gewesen seien, stellte Acket fest. Jetzt würden die zypriotischen Banken von der Eurozone diszipliniert. Die Regierung habe ursprünglich die Kapitalflucht verhindern und auch die Kleinsparer zur Kassen bitten wollen. Die nun beschlossene Belastung der Einlagen über 100.000 Euro entspreche den Plänen über eine automatische paneuropäische Einlagensicherung.

Neugelder aus Zypern würden darum von seriösen Schweizer Banken sehr streng geprüft. Sie müssten den Schweizer Standards für sauberes Geld entsprechen, sagte Acket.

Auch Klaus Wellershoff, ehemaliger UBS-Chefökonom und heutiger CEO der Unternehmensberatung Wellershoff & Partners, geht davon aus, dass nur ein Teil dieser Gelder in der Schweiz aufgrund der geltenden Gesetzgebung akzeptiert würden.

Erst in ein paar Monaten werde man anhand der Statistik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) wissen, wie viele Gelder aus Zypern in die Schweiz geflossen seien, erklärte Rebeca Garcia, Sprecherin der Schweizerischen Bankiervereinigung, auf Anfrage.

Die Schweizer Banken müssten von Gesetzes wegen die vorgeschriebenen Abklärungspflichten bei diesen Geldern erfüllen, wie bei jedem anderen Kunden, so Garcia.

Wellershoff und Acket rechnen nur mit geringen Auswirkungen der aktuellen Krise in Zypern auf die Schweiz. Für die Schweizer Wirtschaft sei Zypern unbedeutend, erklärte Acket. In der Tat beliefen sich die Schweizer Exporte nach Zypern 2011 auf knapp 71 Mio. Franken (58 Mio. Euro). Die Importe lagen bei 8,5 Mio. Franken.

Nachhaltige zypriotische Wirtschaftssektoren, mit denen sich bisher noch nicht das große Geld verdienen ließ, sind laut Acket der Tourismus und die Landwirtschaft. Insbesondere der Tourismus könnte weiter entwickelt werden. Zypern werde versuchen mit attraktiven Bedingungen vermehrt Touristen anzulocken, glaubte Acket.

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