"Wir rechnen derzeit nicht mit dem finanziellen Selbstmord der USA"

"Wir rechnen derzeit nicht mit dem finanziellen Selbstmord der USA"

"Die USA sind ein wichtiger Handelspartner für Europa und ein Stabilitätsanker für die Weltwirtschaft", sagt Außenhandelsexperte Ilja Nothnagel vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Sollten sich die zerstrittenen politischen Lager in Washington nicht bis Mitte Oktober auf eine Anhebung der Schuldenobergrenze einigen, wären die Folgen weltweit deutlich spürbar – an den Finanzmärkten und in den Unternehmen.

Das US-Geschäft der deutschen Exporteure sorgte laut DIHK 2012 für ein Drittel des gesamten Wachstums der Ausfuhren. Die Lieferungen in die USA machen rund acht Prozent der Exporte aus.

Da sich Republikaner und Demokraten im US-Kongress bislang nicht auf einen Übergangshaushalt einigen konnten, wurden Hunderttausende Staatsbedienstete in unbezahlten Zwangsurlaub geschickt. Als noch wichtiger gilt die Debatte über die Schuldenobergrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar. Schaffen die Politiker hier keinen Deal, droht der Reierung der weltgrößten Volkswirtschaft nach Worten von US-Finanzminister Jack Lew ab dem 17. Oktober die Zahlungsunfähigkeit, sprich sie kann ihre Ausgabeverpflichtungen nicht mehr nachkommen und die Schulden nicht mehr bedienen.

Die entscheidende Frage ist dann: Wie werden die Finanzmärkte reagieren? "Wenn dann eine Anleihe platzt, kann es Verwerfungen geben", sagt USA-Fachmann Rudolf Besch von der DekaBank. Der größte anzunehmende Unfall wäre für den Konjunkturexperten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Joachim Scheide: "Wenn die Märkte sagen: Wir steigen aus US-Anleihen aus." Denn in diesem Falle würden die Zinsen in den USA steigen und die US-Notenbank Fed müsste gegenhalten und neue Milliarden in den Markt pumpen. "Das könnte die nächste Krise auslösen", warnt Scheide. Er sieht dieses Szenario aber in weiter Ferne und setzt auf eine baldige Einigung. Denn es stehe zu viel auf dem Spiel. "Die Amerikaner werden nicht so unvernünftig sein und es darauf ankommen lassen. Man wird sich wohl zusammenraufen."

Investitionsstopp steht bevor

Zuletzt hatte auch Fed-Chef Ben Bernanke gewarnt, der Haushaltsstreit stelle ein Risiko für die US-Wirtschaft dar. DIHK-Experte Nothnagel befürchtet vor allem Verunsicherung bei Konsumenten und Unternehmen. Dies bekämen auch deutsche Firmen in den USA oder Exporteure zu spüren. "Sie überleben dreimal, ob sie ihre Investitionen jetzt tätigen oder etwas später."

Richtig ernst wird es nach Worten von DekaBank-Experte Besch Anfang 2014. Dann stünden wieder automatische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen an, sollte es bis dahin keine Einigung geben. "Das ist eine andere Hausnummer. Das würde das Wachstum spürbar bremsen." Für das Gesamtjahr 2014 rechnet Besch mit einem Abschlag von 0,5 bis 0,6 Prozentpunkten auf das erwartete Wirtschaftswachstum der USA von knapp drei Prozent, falls sich die Politiker nicht einigen. Das dürfte dann auch Auswirkungen auf die Handelspartner haben. "Wenn beide Lager auf stur schalten, könnte es zudem sein, dass die eine oder andere Ratingagentur den Ausblick auf negativ setzt."

Wegen eines ähnlichen Streits über die Schuldenobergrenze hatte Standard & Poor's der USA 2011 die Top-Bonitätsnote "AAA" entzogen. Für dieses Mal gibt sich Besch aber zuversichtlich: "Wir rechnen derzeit nicht mit dem finanziellen Selbstmord der USA."

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