"Wir können davon ausgehen, dass es zu einem Mondlandschafts-Szenario käme"

"Wir können davon ausgehen, dass es zu einem Mondlandschafts-Szenario käme"

In Griechenland werden kaum noch Kredite vergeben und das Land befindet sich das fünfte Jahr infolge in einer Rezession.

Die Geschäfte können kaum schlechter laufen für die Technologieberatung von Pavlos Tziorkas. Eine Möglichkeit sieht er jedoch, wie sich die Lage noch drastisch verschlimmern könnte: durch einen Austritt aus der Europäischen Währungsunion.

“Wenn wir aus dem Euro austreten, hätte das ein instabiles Umfeld für Griechenland zur Folge”, sagt Tziorkas. Das Büro seiner Firma, Intelli Solutions, liegt im Zentrum Athens, wo Demonstrationen und Auseinandersetzungen mit der Polizei seit Beginn der Schuldenkrise vor zwei Jahren zum täglichen Bild gehören. Intelli überlegt, die Zentrale ins Ausland zu verlagern, sollte das Land tatsächlich den Euro aufgeben.

Ähnlich skeptisch sehen auch Experten die Zukunft des Landes ohne den Euro. Ein Griechenland ohne die Gemeinschaftswährung müsste sich mit kaputten Banken, kollabierenden Unternehmen, hochschnellenden Importpreisen, einer riesigen Staatsverschuldung, Nahrungsmittelrationierungen und gewalttätigen Demonstrationen auseinander setzen, erwarten Volkswirte, Analysten und Professoren.

Selbst die gewöhnliche Belohnung einer Währungs-Entwertung
- günstigere Exporte - würde dem Land kaum helfen. Die Industrie ist für lediglich zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verantwortlich. “Wir können davon ausgehen, dass es zu einem Mondlandschafts-Szenario käme - alles Bewegliche würde das Land verlassen”, sagt Michael Spence, Wirtschafts-Nobelpreisträger und Professor an der New Yorker Stern School of Business. Kurzfristig würde das Land im Chaos versinken, warnt er.

Nervosität vor der Neuwahl

Am 17. Juni steht die zweite Parlamentswahl in Griechenland innerhalb von zwei Monaten an. Dabei hat die Syriza-Partei - sie lehnt die Haushaltskürzungen ab, die an das internationale Hilfspaket geknüpft sind - Chancen auf einen der ersten beiden Ränge. Sollte sich die künftige griechische Regierung jedoch nicht an die Vereinbarungen halten, könnten die Rettungskredite aus dem Euroraum und vom Internationalen Währungsfonds (IWF) gestoppt werden. Konsequenz: Das Land stünde ohne Mittel da und hätte kaum eine andere Möglichkeit als eine eigene Währung einzuführen.

Eine Wiedergeburt der Drachme würde zwar die Exporte und den Tourismus ankurbeln, eine Erholung Griechenlands nach dem Vorbild Argentiniens vor einem Jahrzehnt dürfte jedoch ausbleiben. Denn selbst nach der größten Umschuldung eines Landes, die eine Fortsetzung der EU- und IWF-Hilfe bis 2014 sichern sollte, wäre Griechenland wohl kaum dazu in der Lage, künftige Zahlungen ohne auswärtige Hilfe leisten zu können.

Sicher sind sich Banker, Volkswirte und Analysten auf jeden Fall, dass der Euro-Austritt größere finanzielle Verwerfungen zur Folge hätte: “Es gäbe einen Sturm auf die Bankkonten”, sagt Guillermo Nielsen, der frühere Finanzminister Argentiniens. Er hatte das Amt im Jahr 2002 übernommen - wenige Monate nachdem Argentinien die Zahlungsunfähigkeit auf Anleihen im Volumen von
95 Mrd. Dollar erklärte. “Das Resultat wäre ein noch größeres Einkommens-Ungleichgewicht zwischen denen, die Zugang zu Barmitteln haben und denen, die das nicht haben. Griechenland würde ein Drittweltland werden.”

Banken-Exodus

Griechenlands Banken würden in einem solchen Fall den Zugang zu EZB-Mitteln verlieren, wodurch die wirtschaftliche Aktivität zum Erliegen käme, warnen Analysten von Credit Suisse Group AG. Nachdem in den vergangenen zweieinhalb Jahren bereits 75 Mrd. Euro von griechischen Bankkonten abgezogen wurden, benötigen die Institute 50 Mrd. Euro an Kapital.

Unabhängig von den fehlenden Barmitteln müsste die Regierung entscheiden, welche in Euro denominierten Verbindlichkeiten gegenüber ausländischen Gläubigern vom Staat und den Banken weiter in der Gemeinschaftswährung bedient werden sollen. Die verbleibenden würden in die neue Währung umgeschrieben werden - was wohl jahrelange rechtliche Auseinandersetzungen mit sich bringen dürfte.

Wirtschaftlich gesehen droht dem Land eine Rezession, die den Wirtschaftsrückgang um 13 Prozent in den vergangenen drei Jahren in den Schatten stellen würde. Das BIP des Landes würde ohne Euro zehn Prozentpunkte niedriger ausfallen als mit, schätzt beispielsweise David Mackie, Chef-Volkswirt für Europa bei JPMorgan Chase & Co. in London. Das wäre vergleichbar mit den Zuständen in den USA während der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre. Die griechische Notenbank rechnet sogar damit, dass sich die Rezession durch einen Euro-Austritt um etwa 22 Prozent in einem Jahr verstärken würde, bei stabilen Preisen.

Nach Ansicht von Tziorkas von Intelli muss Griechenland die Sparmaßnahmen durchziehen, um die Hilfsgelder weiter zu erhalten
- und dadurch letztendlich auf ein Erstarken der griechischen Wirtschaft hinzuarbeiten. Ob die Zukunft des Landes bei Euro oder der Drachme liegen wird, kann auch er nicht sagen: “Wir leben in einer Situation, in der die Zukunft nicht vorhergesehen werden kann”, sagt er. “Das einzige was man haben kann, ist ein Plan B.”

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