"Wir wünschen uns ein europäischeres Deutschland, und kein deutscheres Europa"

"Wir wünschen uns ein europäischeres Deutschland, und kein deutscheres Europa"

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel werde in Italien "keineswegs" nur als Reizfigur wahrgenommen.

"Wir kritisieren nur die übertrieben strenge Sparpolitik, weil wir denken, dass sie den Fortschritt hemmt. Wir wünschen uns ein europäischeres Deutschland, und kein 'deutscheres' Europa.", sagte Berlusconi im Interview mit der "Bild"-Zeitung.

"Man spürt derzeit eine gewisse deutsche Vormachtstellung in Europa. Und gerade deshalb wünschen wir uns von Berlin eine weitblickende, solidarische und offene Europapolitik." Als Beispiel nannte er seinen Vorschlag, Tony Blair zum EU-Ratspräsidenten zu machen. "Mit ihm hätten die USA endlich gewusst, wen sie anrufen sollen, wenn es um die Position Europas geht. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy haben sich jedoch anders entschieden. Mit der offensichtlichen Absicht, die europäische Politik in den eigenen Händen zu behalten."

Kritik übte er auch in Sachen Geldpolitik. "Mit dem Euro wurde die Wirtschaftsbilanz Deutschlands verbessert, die Italiens verschlechtert." Eine Rückkehr zu den Landeswährungen erscheint ihm trotzdem unwahrscheinlich. "Sie würde - was ja wohl niemand will - den Fehlschlag des historischen Projekts eines geeinten Europas bedeuten."

Forza Italia

Berlusconi bestätigte indirekt, dass er bei den Parlamentswahlen im kommenden Frühjahr in Italien zum sechsten Mal als Premier kandidieren werde. "Ich werde oft und sehr hartnäckig darum gebeten. Ich kann nur so viel sagen, dass ich meine Partei nie im Stich lassen würde", erklärte der Medienzar.

Er plane die Rückkehr zum alten Parteinamen "Forza Italia", mit dem er 1993 erfolgreich in die italienische Politik eingestiegen war, kündigte Berlusconi gegenüber der "Bild"-Zeitung an.

Berlusconi klagte, dass ein Ministerpräsident in Italien über zu wenig Macht verfüge. "Er kann gemäß Verfassung nicht einmal einen Minister austauschen. Macht hatte ich vor 1994, als ich nur Fernsehen gemacht habe. Leider ist Italien bis heute kaum regierbar: Der Regierungschef kann kein Dekret erlassen, das sofort wirksam wird. Vom Gesetzentwurf zur Abstimmung vergehen bei uns im Schnitt 500 bis 600 Tage. Wir haben überholte institutionelle Regeln", klagte Berlusconi.

Auf die Frage, ob sein Nachfolger Mario Monti bessere Arbeit als er leiste, antwortete der TV-Tycoon, der Italien bis zum vergangenen November geführt hatte: "Seine Stärke besteht darin, dass er die breiteste Unterstützung hat, die ein Premier je hatte. Das ist der Hauptgrund, der mich zum Rückzug bewogen hat: Ich wollte Reformen ermöglichen, auch verfassungsmäßiger Art". Eine Verantwortung für die Krise will Berlusconi nicht übernehmen. "Ich war der erste westliche führende Politiker, der die Gefahr der Finanzkrise erkannt und Reformen eingeleitet hat", meinte er. "Wenn wir unseren Staatshaushalt wieder im Griff haben, ist das zum Großteil meiner Regierung zu verdanken."

Berlusconi erklärte, er verspüre keine Bitternis in seiner politischen Bilanz. "Ich habe Italien mit meinem Einstieg in die Politik vor 18 Jahren vor dem Kommunismus gerettet. Das ist die historische Wahrheit und darauf bin ich stolz. Und: Ich war der einzige europäische Leader, der sowohl zu Russland als auch zu den Vereinigten Staaten von Amerika ausgezeichnete Beziehungen hatte, und ich habe diese Freundschaft immer in den Dienst des Friedens und der Sicherheit auf der Welt gestellt", so Berlusconi.

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