"Wir alle sind Chávez!"

"Wir alle sind Chávez!"

Binnen kürzester Zeit wird das Krankenhaus in Caracas, in dem Venezuelas Präsident Hugo Chávez den Kampf gegen den Krebs verloren hat, zum Wallfahrtsort für seine trauernden Anhänger.

Hunderte Menschen versammeln sich am Dienstag nach der Nachricht vom Tod des Staatschefs vor der Klinik, weinen gemeinsam, rufen in Sprechchören: "Wir alle sind Chávez!" Auf Schildern und Bannern kündigen die "Chávistas" an: "Chávez und die Revolution, der Kampf geht weiter!"

"Wir glauben, dass der Vater unseres Vaterlandes und vieler Nationen nur körperlich von uns gegangen ist", sagt Francis Izquierdo, ein 40-jähriger Angestellter der Stadtverwaltung. Ihm stehen Tränen in den Augen. "Der Comandante bleibt in unseren Herzen, und wir müssen mit dem Bau des Vaterlandes weitermachen." Der "tiefste Wunsch" von Chávez sei schließlich gewesen, dass das Volk die Revolution fortführe.

Sieben Tage Staatstrauer hat die venezolanische Regierung angeordnet, um dem Mann die letzte Ehre zu erweisen, der den lateinamerikanischen Staat seit seinem Amtsantritt 1999 mit dem "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" grundlegend verändern wollte. Chávez hinterließ dabei ein gespaltenes Land: Vor allem bei der ärmeren Bevölkerung kam seine Umverteilungspolitik an, Kritiker warfen dem linkspopulistischen Staatschef autokratische Züge vor.

Der Heilsbringer ist tot

Für seine Anhänger war Chávez mehr als ein Politiker, er galt ihnen als Heilsbringer. "Mein Herz ist gebrochen, so als ob mein Vater oder mein Sohn gestorben wären", sagt Ariani Rodríguez in der Menge vor dem Krankenhaus. "Seine Gedanken und seine Führungskraft bleiben bei uns." Die Lehrerin hat ein Schild in der Hand, darauf steht: "Ich bin Chávez".

Massen von Rot gekleideten "Chávistas" laufen am Dienstagabend durch Caracas, singen die Nationalhymne und tragen wie bei einer Prozession Bilder des verstorbenen Präsidenten vor sich her. Auch in anderen Städten des Landes versammeln sich die Anhänger von Chávez, der mit einem Teil seiner Landsleute eine fast mystische Verbindung geschaffen zu haben scheint.

"Er hätte nicht sterben dürfen. Er war der beste Präsident, den Venezuela je hatte", klagt Frank Aponte. Der 45-jährige Maurer wird auf den Straßen der Hauptstadt von seinem Kummer überwältigt. "Ich werde dahin gehen, wo sie ihn aufbahren, auch wenn ich zwei Tage in der Schlange warten muss", sagt er mit tränenerstickter Stimme. Chávez soll ab Mittwoch in einer Militärakademie in Caracas für die Trauernden aufgebahrt werden, am Freitag ist dann eine großes Staatsbegräbnis geplant.

Immer wieder musste sich der Präsident in den vergangenen Jahren wegen Krebs behandeln lassen, nach seiner dritten Wiederwahl im Oktober setzte ihn die Krankheit dann endgültig außer Gefecht. Seit Dezember bekamen die Venezolaner ihren Staatschef nur noch auf Fotos vom Krankenlager zu sehen. Trotz der Proteste der Opposition wurde die Anfang Januar vorgesehene Vereidigung auf unbestimmte Zeit verschoben, de facto lag die Macht in den Händen von Vizepräsident Nicolás Maduro. Den hatte Chávez vor seiner Krebsbehandlung in Kuba als seinen Wunsch-Nachfolger ausgerufen.

Rund 50 Studenten veranstalteten in den vergangenen Tagen in Caracas einen Anti-Chávez-Protest: Zusammengekettet harrten sie auf der Straße aus und verlangten, mehr über das Schicksal des Präsidenten zu erfahren. Als Chávez' Tod verkündet wird, müssen sie vor wütenden Anhängern fliehen.

"Es gab eine Menge von ihnen, und wir rannten sofort um unser Leben", sagt Machado, einer der Studenten. Die Gruppe habe ihre Protestschilder schnell verbrannt. Nun hofft der Chávez-Gegner, dass die Regierung sich "an die Verfassung hält" und Neuwahlen anordnet. Außenminister Elías Jaua hat umgehend erklärt, dass der Urnengang binnen 30 Tagen stattfinden soll.

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