"Wir können nicht zurück oder wir füttern die nächste Blase"

"Wir können nicht zurück oder wir füttern die nächste Blase"

Die Ausleihungen der EZB an Portugals Banken summierten sich im Februar auf 49,51 Mrd. Euro, wie die Zentralbank des Landes am 12. März mitteilte. Das war ein Rückgang um 0,4 Prozent gegenüber Januar und das niedrigste Volumen seit einem Jahr. Doch der Anteil der EZB-Kredite in den portugiesischen Bankbilanzen ist größer als in Irland, das bislang die schlimmste Bankenkrise innerhalb der Euro-Region erlebte.

“Wir zahlen die Rechnung für ein Wachstum, das auf exzessiver Verschuldung beruhte”, sagt Carlos Peixoto, Analyst bei Banco BPI SA in Porto. “Wir können nicht zurück oder wir füttern die nächste Blase”, fügte er an.

Portugal ist bestrebt dem Weg Irlands, das ebenfalls ein Rettungspaket benötigte, zurück an den Kapitalmarkt zu folgen. Die Regierung kämpft gegen eine sich verschärfende Rezession und steigende Arbeitslosigkeit. Die Rendite der zehnjährigen portugiesischen Staatsanleihen ist dieses Jahr um einen Prozentpunkt gesunken und lag am Mittwoch bei 6,08 Prozent. Zum Vergleich: Irland brachte in der vergangenen Woche einen zehnjährigen Bond mit einer Rendite von 4,15 Prozent am Markt unter.

Die EZB-Ausleihungen an die portugiesischen Banken lagen im Januar bei 49,7 Mrd. Euro. Das entspricht einem Anteil von neun Prozent an der gesamten Bilanzsumme. In Spanien liegt der Anteil bei 9,9 Prozent, in Irland bei 6,1 Prozent.

EZB-Tropf alternativlos

“Ich gehe nicht davon aus, dass die Inanspruchnahme von EZB-Finanzierungen bei den portugiesischen Banken kurzfristig deutlich sinken wird”, sagt Andre Rodrigues, Analyst bei Caixa Banco de Investimento in Lissabon. “Sie könnte im März und April sogar leicht zunehmen”.

Das Land und die Banken sind durch die sich abschwächende Konjunktur beeinträchtigt. Ministerpräsident Pedro Passos Coelho kämpft gegen Arbeitslosigkeit und sinkende Exporte in die Eurozone, gleichzeitig muss er die Steuern erhöhen, um die Bedingungen im Zusammenhang mit dem Rettungspaket erfüllen.

Die Volkswirtschaft wird dieses Jahr Prognosen zufolge um 2,3 Prozent schrumpfen, bevor sie 2014 wieder um 0,6 Prozent wachsen wird. Die Arbeitslosenquote dürfte dieses Jahr auf 18,2 Prozent und kommendes Jahr auf 18,5 Prozent steigen.

Portugals Banken müssen die Ausleihungen verringern und die Einlagen stärken. Die Bedingungen des Rettungspakets sehen vor, dass das Verhältnis von Ausleihungen zu Einlagen auf 120 Prozent sinkt. Bei den fünf größten Banken des Landes lag die durchschnittliche Kennzahl Ende 2012 zusammen bei rund 123 Prozent. Bei Banco Espirito Santo SA, Portugals größter börsennotierter Bank, lag das Verhältnis bei 137 Prozent.

“Eine Verringerung des Fremdkapitals hat stattgefunden und wir erwarten noch mehr - aber moderater als 2012”, sagte Cristina Torrella, Leitende Direktorin bei Fitch Ratings, am 11. März. “Zudem haben wir gesehen, dass die Banken weiter Einlagen gewinnen. Aber angesichts der Rezession wird es schwierig sein, das gleiche Tempo wie 2012 beizubehalten”, fügte sie an.

Rückkehr an den Kapitalmarkt

Portugal hatte im Januar erstmals seit fast zwei Jahren wieder den Kapitalmarkt angezapft und eine fünfjährige Anleihe im Volumen von 2,5 Mrd. Euro aufgelegt. Das Land will “in wenigen Monaten” wieder vollen Zugang zum Kapitalmarkt haben, wie der Chef der Schuldenverwaltung Joao Moreira Rato am 15. Februar sagte.

Investoren verlangen für zehnjährige Portugal- Staatsanleihen einen Renditeaufschlag von rund 475 Basispunkten gegenüber deutschen Bundesanleihen gleichlanger Laufzeit. Die durchschnittliche Risikoprämie für die letzten sechs Monate lag bei 578 Basispunkten, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht.

Espirito Santo hat im Oktober die erste vorrangige portugiesische Bankanleihe seit mehr als zweieinhalb Jahren an den Markt gebracht. Die Rendite lag bei sechs Prozent. Die staatliche Caixa Geral de Depositos SA emittierte im Januar fünfjährige besicherte Covered Bonds im Volumen von 750 Mio. Euro mit einer Rendite von 3,75 Prozent. Zum Vergleich: Die dreijährigen LTRO-Kredite der EZB kosten ein Prozent Zinsen.

Dass einige portugiesische Banken wieder an die Märkte zurückkehren konnten, “ist eine gute Nachricht, aber die Kosten sind ein Problem”, sagt Antonio Ramirez, Analyst bei Keefe Bruyette & Woods Ltd. in London. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass die Kosten soweit sinken, dass es gerechtfertigt wäre, wenn die Banken ihre EZB-Kredite komplett zurückzahlen würden, ergänzt er.

Espirito Santo und Banco Comercial teilten im Februar mit, sie hätten jeweils 1,0 Mrd. Euro an EZB-Krediten zurückgezahlt. Banco BPI SA nahm keine Rückzahlungen vor. Laut Vorstandschef Fernando Ulrich hielt die Bank es nicht für notwendig, vorzeitig Rückzahlungen zu tätigen.

“Es gibt keinen Anreiz, die Kredite vorzeitig zurückzuzahlen”, sagt Rodrigues. “Es ist eine billige Finanzierung.”

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