"Wir sind uns einig - wir sind uns immer einig"

 "Wir sind uns einig - wir sind uns immer einig"

Die Freundschaft zwischen Wolfgang Schäuble und IWF-Chefin Christine Lagarde hat offensichtlich nicht gravierend gelitten - doch so richtig harmonisch läuft es nicht zwischen den beiden Schlüsselfiguren der Schuldenkrise.

Und wie zur Illustration wackelt der Boden im Tokioter Konferenzzentrum just in dem Moment, als die beiden am Freitag gerade lebhaft diskutieren, der Punkt 'Wachstumsimpulse versus Sparpolitik' war aufgerufen. Ein dramatisches Erdbeben war das nicht, eher eine fühlbare Unruhe, ein tiefes Grollen - "so, als wenn eine U-Bahn unter dem Gebäude durchfährt", wie ein Konferenzteilnehmer schilderte.

Für einen kurzen Moment hatte man zu Beginn der Debatte den Eindruck, Schäubles Kritik vom Vortag an dem von Lagarde geführten Internationalen Währungsfonds (IWF) habe Spuren hinterlassen. Einen kurzen Augenblick saß die Chefin des Fonds, in elegantem Weiß gekleidet, wortlos neben einem aufgeräumten Schäuble, neigte sich dann ihrem Nachbarn auf der anderen Seite zu, plauderte mit dem. Doch am Ende, nach gut einer Stunde lebendiger Diskussion bei der BBC, schien alles wieder in Butter. Gut gelaunt saßen die beiden noch einige Minuten beieinander und scherzten.

Dabei machte ihre vorherige Debatte sehr deutlich, dass es Meinungsverschiedenheiten in wichtigen Punkten gibt: In der Frage einer Fristverlängerung für Griechenlands Etat-Sanierungsziele etwa und auch, was die Frage einer vorübergehenden Lockerung oder gar Aussetzung des Sparkurses in Krisenländern angeht, um den akuten Wachstums- und Arbeitsmarktproblemen zu Leibe zu rücken. Dass Schäuble dennoch zwischendurch auf die Frage, wie er zu den Einlassungen Lagardes stehe, antwortete, "wir sind uns einig - wir sind uns immer einig", war wohl eher ein launiger Scherz.

Am Problemfall Griechenland wurde der Widerspruch besonders deutlich. Lagarde stellte die Fortschritte, die das Land bereits erreicht hat, heraus und endete bei der Bewertung: "Etwas mehr Zeit ist notwendig."

Überhaupt - argumentierte sie, man müsse sich, wenn es um den richtigen finanz- und wirtschaftspolitischen Kurs gehe, die Situation in jedem einzelnen Krisenland gesondert anschauen und dann entscheiden. Wenn etwa die Entwicklung in die richtige Richtung gehe, es aber Wachstumsprobleme oder Druck der Märkte gebe, müsse man etwas an der Zeitschiene tun. "Dann müssen sie das Tempo anpassen", sagte die Französin. Dass sich Krisenländer schmerzhaften Anpassungen unterziehen und sparen müssten, sei unstrittig. "Damit bleibt der Faktor Geschwindigkeit", nannte sie die Variable in dieser Kalkulation.

Schäuble dagegen hält etwa "vorschnelle" Festlegungen im Falle Griechenlands für falsch, sogar für gefährlich - auch wenn er das so nicht sagte - weil das neue Unsicherheiten an den Märkten und bei Beteiligten auslösen könnte. Griechenland, so zudem sein Dogma, ist ein Einzelfall und nicht vergleichbar mit irgendeinem anderen Problemfall in Europa. "Wir sollten warten, wie der abschließende Bericht der Troika ausfällt", merkte er an. "Bis uns dieser Bericht nicht vorliegt, dürfen wir nicht spekulieren", mahnte er seine Sitznachbarin.

Und was das Sparen anbetrifft, da bleibe er kompromisslos: "Nachhaltige Finanzen sind eine Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum." Wenn man akzeptiere, dass die zu hohen Staatsschulden die wesentliche Krisenursache seien, müsse man den Weg des Abbaus der Staatsschulden unbeirrt fortsetzen, auch wenn es Gegenwind gebe. "Da darf man nicht die Richtung ändern", warnte er. Aber - und hier traf sich Schäuble wieder mit Lagarde - es gehe ja auch gar nicht um Sparen als das allein-seeligmachende Mittel, sondern auch um Strukturreformen zur Stärkung der Wettbewerbskräfte.

Am Ende steht, so formulierte Lagarde die entscheidende Frage bei der Bekämpfung der Krise: "Wer zahlt die Rechnung, wer kommt für die Kosten auf." Und deshalb geben es mittel- und langfristig zur Konsolidierung keine Alternative, wolle man die Rechnung nicht einfach an die künftigen Generationen weiterreichen. Schäuble unterschreibt das. Wenn es also an diesem Freitag in Tokio ein Problem zwischen Lagarde und Schäuble gibt - abseits von Griechenland und Rufen des IWF nach mehr deutschen Wachstumsimpulsen - dann in der Frage, ob man kurzfristig unter der Last von Protesten und Spannungen ein paar Umwege gehen kann oder vielleicht sogar gehen sollte. Lagarde ist dazu bereit, Schäuble sperrt sich eher. Aber in der Grundrichtung scheint es, marschieren beide gemeinsam.

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