Wieder Proteste wegen Mohammed-Video und Karikaturen

Wieder Proteste wegen Mohammed-Video und Karikaturen

Demonstrationen im Iran und in der Türkei gegen Karikaturen eines französischen Magazins und gegen ein YouTube-Video. Was steckt hinter dem Mordaufruf eines pakistanischen Regierungsmitglieds?

Im Iran und in der Türkei hat es am Sonntag erneut Proteste gegen die Verunglimpfung des Propheten Mohamed gegeben. Vor der französischen Botschaft in Teheran versammelten sich rund 300 Demonstranten, wie Augenzeugen der Nachrichtenagentur AFP sagten. Sie wandten sich mit den Rufen "Tod den USA", "Tod Israel" und "Tod Frankreich" demnach gegen die Mohamed-Karikaturen im französischen Satiremagazin "Charlie Hebdo" und gegen den in den USA produzierten Film "Die Unschuld der Muslime". Die Polizei hielt die Demonstranten demnach auf Distanz zur Botschaft.

In Istanbul versammelten sich rund 500 Menschen auf dem zentralen Taksim-Platz und verbrannten dort westliche Flaggen. Auch hier rief die Menge "Tod den USA" und "Tod Frankreich". Die Polizei war mit einem Großaufgebot präsent, die Demonstration verlief aber friedlich. Die Beamten hatten die französische diplomatische Vertretung in Istanbul abgeschirmt, zudem befindet sich rund um den Taksim-Platz auch eine Reihe weiterer westlicher Vertretungen.

Die Proteste in der muslimischen Welt gegen den Anti-Islam-Film aus den USA dauern mittlerweile seit fast zwei Wochen an. Teils waren sie von schwerer Gewalt mit zahlreichen Toten begleitet. Indes hat heute auch der Mordaufruf eines pakistanischen Regierungsmitglieds gegen den Macher des islamfeindlichen Mohammed-Films für Fassungslosigkeit gesorgt. 100.000 Dollar (76.994 Euro) Kopfgeld versprach Eisenbahnminister Ghulam Ahmad Bilour von der Awami National-Partei (ANP) demjenigen, der den Verantwortlichen tötet. Mehr noch: Laut Medienberichten bat er sogar die Taliban und das Terrornetzwerk Al-Kaida um Unterstützung. Es gebe keinen anderen Weg, um "Gotteslästerern" Furcht einzuflößen, donnerte Bilour.

Die Regierung in Islamabad und die Spitze der ANP reagierten schnell. Kaum waren Drohung und Kopfgeld-Angebot in der Welt, distanzierten sie sich vehement davon. Premierminister Raja Pervez Ashraf sagte am Sonntag, sein Kabinett habe mit der ganzen Sache nichts zu tun. "Das ist eine persönliche Äußerung, die nicht der Parteilinie entspricht", erklärte ANP-Sprecher Zahid Khan und ergänzte: "Um die religiösen Gefühle der Menschen zu schützen, fordern wir Gesetze, die eine Bestrafung aller Extremisten garantieren - ganz unabhängig von deren Religionszugehörigkeit."

Trotzdem stellt sich die Frage, warum Bilour so schweres Geschütz aufgefahren hat. Seine Partei gilt eigentlich als säkular und moderat. In der nordwestlichen Provinz Khyber-Pakhtunkhwa führt sie die Regierung. Auf nationaler Ebene koaliert sie mit der Pakistanischen Volkspartei (PPP) von Premier Ashraf. Sie unterstützt auch den Kampf gegen radikal-islamische Extremisten.

In den Medien wurde am Sonntag daher eifrig über Bilours Motive spekuliert. Will er sich für Schäden an seinem Privateigentum rächen? Bei den blutigen anti-westlichen Unruhen am Freitag waren in der Provinzhauptstadt Peshawar auch mehrere Gebäude in Flammen aufgegangen, die seiner Familie gehört haben sollen. Stichhaltige Beweise gab es dafür zunächst aber nicht.

"Dem Mordaufruf liegt politisches Kalkül zugrunde", glaubt dagegen Rasool Bux Raees von der Universität Lahore. "Politikern ist oft jedes Mittel recht, um sich beim Volk beliebt zu machen." Sie missbrauchten den Islam und die religiösen Gefühle ihrer Anhänger.

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