Wie China 400 Millionen Menschen in überteuerte, verstopfte Städte locken will...

Wie China 400 Millionen Menschen in überteuerte, verstopfte Städte locken will...

Sie will ihre Wirtschaftsleistung, bislang stark von den boomenden Exporten getrieben, langfristig über mehr privaten Konsum festigen. Das gigantische Investitionspaket dafür sieht zunächst vor, die Infrastruktur auszubauen, so Arbeitsplätze zu schaffen und letztlich den Lebensstandard in Städten zu heben.

Doch immer weniger Chinesen können sich dort die Preise für Wohnungen leisten. Und das angekündigte Tempo für das Projekt könnte verheerende Folgen haben, warnen Experten.

Satte 40 Billionen Yuan, knapp fünf Billionen Euro, will die Regierung in die Infrastruktur pumpen, um 400 Millionen Chinesen in die Städte zu ködern. Bis 2020, so hofft der scheidende Ministerpräsident Wen Jiabao, sollen dann 60 Prozent der Bevölkerung in Städten wohnen. Dort sollen sie mehr Geld verdienen und auch wieder ausgeben - und damit die Wirtschaft auf ein breiteres Fundament stellen.

Peking wolle seine Bevölkerung auf einen höheren Lebensstandard bringen und eine wohlhabende Gesellschaft schaffen, erklärt Michael Bräuninger, Forschungsdirektor beim WeltWirtschaftsInstitut in Hamburg. Viele Chinesen seien davon allerdings noch weit entfernt. "Da gibt es also noch Kapazitäten für Wachstum." Wohnanlagen, Schulen, Krankenhäuser und Straßen sollen gebaut werden. Zur Finanzierung sind Anleihen vorgesehen, die sich an private Investoren richten.

"Überhitzung, Überfüllung und Verstopfung"

So weit zumindest der Plan. Doch gerade das Tempo, das Peking vorgibt, macht Experten wie Bräuninger nachdenklich: Durch die Urbanisierung kämen immer mehr Autos in die Städte. "Überhitzung, Überfüllung und Verstopfung in den Städten sind die Gefahren." China kämpft schon jetzt mit massiven Umweltproblemen. Dies wurde erst jüngst wieder sichtbar, als Peking und andere Städte im Norden tagelang unter starkem Smog litten. Zudem müssen Landbesitzer enteignet werden, um überhaupt Platz für die Infrastruktur zu haben. Proteste und Gewalt sind immer wieder die Folge.

Kritisch sind für viele Chinesen auch die Immobilienpreise in Metropolen wie Shanghai. Häuser und Wohnungen verteuerten sich einer privaten Umfrage zufolge in den 100 größten Städten im Dezember zum siebten Mal in Folge. Die Regierung arbeitet - offenbar mit wenig Erfolg - seit über drei Jahren daran, den Immobilienmarkt abzukühlen. Unter anderem plant China eine Zinserhöhung für Immobilienkredite.

Doch gerade die lokalen Behörden seien auf den Boom am Wohnungsmarkt angewiesen, warnt Henry Liu, Chef-Rohstoffanalyst vom Investmenthaus Mirae Asset Securities. Sie bekämen dadurch Einnahmen, um Infrastruktur-Projekte zu finanzieren. Regulatorische Hürden könnten dementsprechend die Konjunktur drosseln.

Inflationsgefahr

Die Löhne dürften zudem nur moderat gesteigert werden, warnt Wirtschaftsforscher Bräuninger. "Wenn das zu schnell geht, kommt es zu inflationären Tendenzen. Das könnte das Vorhaben bremsen." China hat ohnehin mit vergleichsweise hohen Preissteigerungen zu kämpfen. Im Dezember hatten vor allem kostspieligere Lebensmittel die Teuerung auf den höchsten Stand seit sieben Monaten getrieben.

Es sind Risiken, die Peking schon lange kennt. Doch durch die Vorgabe, das Projekt so schnell wie möglich durchzupeitschen, könnten die bestehenden Missstände jetzt noch stärker zu Tage treten. "Je langsamer man das Projekt vorantreibt", mahnt Bräuninger, "desto besser kann man die Probleme abfedern." 400 Millionen Menschen finden eben nicht über Nacht ein neues Zuhause.

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