Weshalb spart Griechenland nicht beim Militär?

Weshalb spart Griechenland nicht beim Militär?

Die harten Sparvorgaben seiner Gläubiger zwingen Griechenland in die Knie. Doch für Waffengeschäfte war stets genug Geld da – und auch jetzt wird beim Militär nur zögerlich gespart.

Pensionisten, Beamte, überhaupt der vielzitierte "kleine Mann": Die Griechen stöhnen nicht ganz zu Unrecht unter den harten Sparmaßnahmen. Da drängt sich die Frage auf: Könnte und sollte Griechenland nicht mehr beim Militär sparen?

Noch 2008 war Griechenland der größte Importeur von Kriegsgerät in Europa. Laut einem Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI hat Griechenland zwischen 2007 und 2011 jeweils rund drei Prozent seines BIP für das Militär verwendet – ein außerordentlich hoher Wert im Vergleich zu den ein bis eineinhalb Prozent, die andere EU-Staaten für die Landesverteidigung ausgeben. Alleine 2010 wurden mehr als sieben Milliarden Euro für Armee-Spielzeug ausgegeben. Das Beachtliche dabei: Zu den Hauptprofiteuren der griechischen Waffenlust zählten europäische Länder, vor allem Deutschland und Frankreich. Noch im Vorjahr gingen 15 Prozent aller deutschen Waffenausfuhren in das Krisenland; Griechenland war damit Hauptabnehmer deutscher Qualitätsprodukte für den Krieg. Ein Umstand, der heute von jenen deutschen Politikern, die schärfste Sparmaßnahmen in Griechenland fordern, nicht erwähnt wird.

Historische Gründe

Das Militär genießt in Griechenland traditionell einen guten Ruf, eine Karriere beim Heer ist für viele junge griechische Männer auch höchst erstrebenswert. Der historische Konflikt mit der Türkei ist ein Grund, weshalb das Militär weiterhin beachtliche Budgetmittel erhielt und erhält; selbst wenn die beiden Staaten längst befreundet sind, wird jede Diskussion um Zurechtstutzen der Landesverteidigung auch mit diesem Argument abgewürgt – zu tief sitzt die Unsicherheit in der Bevölkerung, zumal der älteren. Zu Griechenlands Armee gibt es noch einen anderen Faktor: Bei älteren Griechen besteht noch immer die Angst, es könnte irgendwann nochmals zu einem Militärputsch kommen, wie er 1967 geschah. Danach stand das Land sieben Jahre lang unter Kontrolle der Militärjunta. Doch der politische Einfluss ist heute nicht mehr groß, die Gefahr eines Putsches äußerst gering. Die Armeeführung wird auch deshalb alle paar Jahre ausgetauscht.

Sparen, ja. Aber Verkaufen?

Nun wird aber sogar beim Militär gespart; seit 2009 ist das Verteidigungsbudget jedes Jahr um rund 20 Prozent zurückgegangen. Die Truppe soll um ein Drittel verkleinert werden, Soldaten mussten zum Teil empfindliche Gehaltseinbußen hinnehmen. Das alleine wird aber nicht reichen. Könnte Griechenland nicht Teile seiner gewaltigen Armeeausrüstung einfach verkaufen? Die Streitkräfte verfügen derzeit über rund 5000 Panzer und Panzerfahrzeuge und 700 Flugzeuge, darunter die Modelle F-4Phantom und Vought A-7 Corsair .

Der Verkauf von gebrauchtem Militärgerät ist üblich, allerdings nicht ganz einfach. Es gibt für EU-Länder zudem Vorgaben, in welche Staaten sie exportieren dürfen. So einfach ist es also nicht, zumal die Preise für gebrauchtes Material nicht wirklich steigen, denn in Asien ist die Kauflust für neue Armeegüter ungebremst auch, auch arabische Staaten wie Saudi-Arabien kaufen weiter wie wild.

Wichtiger als die Frage nach dem Verkauf von Armeematerial ist ohnedies jene nach der europaweiten Verantwortung bezüglich der griechischen Verteidigungsausgaben. In der Vergangenheit hatte es stets geheißen, man könne sich nicht in solche Belange einmischen – sehr wohl aber konnte man sich jetzt in den Sparkurs einmischen. Sollte die Gewährung neuer Kredite nicht an strenge Vorgaben bezüglich der Militärausgaben verbunden sein? Oder hoffen die Gläubigerstaaten – allen voran Deutschland – erst recht wieder auf neue Aufträge aus Griechenland. Denn angeblich sind viele der Rüstungsvorhaben nur auf Eis gelegt, nicht abgesagt. Griechenland soll sich für Eurofighter ebenso interessieren wie für neue Panzer des Modells Leopard, die vom bayrischen Unternehmen Krauss-Maffei Wegmann hergestellt werden.

Es bleibt also abzuwarten, inwieweit die Gläubiger auch das Thema Verteidungsbudget ansprechen und ob sie für die nächsten Jahre auch in dieser Hinsicht ähnlich "panzerhart" sind wie bei anderen Maßnahmen.

Quellen u.a. APA, Reuters, Greenpeace, SIPRI

Linkverweis: In einem aufwändig recherchierten Artikel ist Standard-Redakteur Florian Gossy im Sommer dieses Jahres der Frage nachgegangen, wie viel die Griechen für ihr Militär ausgeben und welche Rolle deutsche Lieferanten dabei spielten. Hier die Story aus dem Juni.

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