Weshalb Frau Fekter so gut gelaunt ist

Weshalb Frau Fekter so gut gelaunt ist

Österreichische Finanzministerin gibt sich beim Treffen in Nikosia betont zuversichtlich - sonst herrscht eher verhaltene Stimmung unter den Politikern.

"Europa hat sich stabilisiert." Österreichs Finanzministerin Maria Fekter schlägt gleich zum Auftakt des Treffens mit ihren Ressortkollegen aus der EU einen positiven Ton an. Allein: Sie bleibt die einzige. Dabei lädt Zypern an diesen Tagen Mitte September zu Zuversicht und Gelassenheit geradezu ein.

Die Luft ist lau, das Wasser tiefblau, die Herren in Schwarz und die Damen in elegantem Business-Outfit scheint diese Stimmung dennoch kaum zu erreichen: EZB-Chef Mario Draghi behält sein Jacket selbst zum Essen am Pool an, auch der Luxemburger Notenbanker Yves Mersch lässt nichts Informelles erkennen, und selbst die Herren Finanzminister aus den bereits herbstlichen Regionen der Euro-Zone lockern in den angenehmen Temperaturen nicht einmal die Krawatte, während sie nach zweimonatiger Pause in lockerer Runde erstmals wieder aufeinandertreffen. Trotz der Schützenhilfe von Europäischer Zentralbank und Bundesverfassungsgericht, trotz der spürbaren Entspannung an den Märkten und eines Euro wieder über der Marke von 1,30 Euro je Dollar - sie bleiben auf der Hut.

Nur nicht zu früh freuen

Zwar fallen am Rande der als informell angekündigten Beratungen in Nikosia Sätze wie: "Die Lage hat sich definitiv verbessert." Sie fallen aber nicht ohne Einschränkung: "Man kann sich nie sicher sein, dass es keine schlechten Nachrichten gibt, aber es sieht besser aus", sagt ein Mitglied der Delegation von Finanzminister Wolfgang Schäuble. Das klingt unter den Franzosen nicht anders: Manche seien entspannt, manche nicht, sagt Finanzminister Pierre Moscovici und verweist auf die Konflikte um Griechenland, mehr Hilfen für Spanien oder die geplante zentrale Bankenaufsicht.

Wieder mehr Normalität

"Die Leute bleiben sehr vorsichtig", fasst ein hochrangiger EU-Vertreter zusammen. "Wir haben einen weiten Weg hinter uns." Vielen sitzt noch die Panik in den Knochen, die vor einem Jahr herrschte, als das Treffen in Warschau stattfand: "Panik, Unsicherheit, ob die Euro-Zone zusammenbleibt, ob die großen Entscheidungen getroffen werden", beschreibt ein Diplomat aus einem Euro-Land die damalige Lage. "Jetzt gibt es hier wieder mehr Normalität, wir haben das Gefühl, wir können das schaffen." Davon profitieren Staaten wie Griechenland, mit denen den Partnern in den schlimmsten Krisenzeiten die Geduld auszugehen schien: "Es gibt nun die Bereitschaft, ihnen einen Vertrauensbonus zu geben", sagt ein EU-Diplomat.

Nicht zuviel Lockerheit

Andererseits, so berichten Teilnehmer, geht keiner hinter den verschlossenen Türen in die Offensive. In der ersten Runde der EU-Finanzminister am Freitagnachmittag habe es praktisch keine Wortmeldung gegeben. Die Ressortchefs folgten demnach stumm den Präsentationen von Währungs- und Bankenexperten, die sie eingeladen hatten. "Ich dachte schon, die würden uns zu Wortmeldungen aufrufen wie in der Schule", sagt ein Beteiligter.

Trotz der vielen gemeinsam durchstandenen Krisennächte führt nicht einmal die lauschige Stimmung am Pool die Damen und Herren zusammen: Man begrüßt sich am Vorabend der Beratungen höflich und ohne jeden Überschwang. Franzosen, Iren oder Griechen bleiben unter sich und unterhalten sich in gedämpftem Ton. Nur Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker erlaubt sich einen Spaß, als er mit IWF-Chefin Christine Lagarde auf die großzügige Terrasse kommt: Er zieht den derzeit wohl mächtigsten Mann Europas, EZB-Chef Draghi, an den Ohren. Aber dann setzt er sich mit Lagarde an einen anderen Tisch und wenig später sind die beiden in ein ernstes Gespräch verstrickt.

Der Vergleich mit dem Orkan

"Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob wir im Auge des Orkans sind, wo es bekanntlich ruhig ist, oder ob wir den Orkan hinter uns haben", sagt ein Delegationsmitglied aus einem der Nordländer. Die Herren und Damen bleiben gewappnet: "Die Krise hat die Zeiten geändert", sagt ein Deutscher. "Früher hat man sich informell gekleidet während der informellen Treffen, aber jetzt scheint das keinem mehr passend. Also sitzt du im dunklen Anzug und mit Krawatte beim Dinner am Pool."

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