Weshalb die Euro-Krise die Fußball-WM gefährdet

Weshalb die Euro-Krise die Fußball-WM gefährdet

Aufwändige Infrastrukturprojekte für umstrittene WM in dem Emirat am Persischen Golf könnten wegen der Finanzkrise verzögert werden.

Eine Fußball-Weltmeisterschaft in Katar – alleine der Gedanke klingt so abwegig wie ein Vorstoß der österreichischen Nationalmannschaft in ein WM-Viertelfinale. Schließlich hat es in Katar im Sommer bis zu 50 Grad und als Fußballnation ist das Land bisher auch nicht übermäßig aufgefallen. Und doch wird 2022 die WM in dem Emirat am Persischen Golf (1,7 Millionen Einwohner) stattfinden – in klimatisierten Stadien, die zumindest laut den vorliegenden Plänen der Architekten hart an der Grenze zum Größenwahn balancieren. Die meisten der zwölf Spielstätten müssen neu errichtet werden, ebenso entsprechende Anfahrtswege und sonstige Infrastruktur für den weltweit größten Sportevent.

Sturer Blatter

Die Kritik an dem Austragungsort war aber nicht nur deshalb heftig, auch das undurchsichtige Abstimmungsverfahren sorgte für Unmut. Sepp Blatter, Chef des bekanntermaßen ebenso undurchsichtigen Weltfußballverbands FIFA, wischte indes alle Bedenken beiseite. Denn als Hintergrund für Katar steht nämlich weniger das Bemühen des Verbands, auch andere Weltregionen für diese Sportart zu begeistern, sondern es sind vor allem handfeste wirtschaftliche Überlegungen.

Eurozone in der Krise

Doch ausgerechnet die Wirtschaft in Europa könnte nun das gesamte Projekt gefährden: Die Banken von Katar tun sich derzeit schwer, Geld für die notwendigen Infrastruktur-Maßnahmen aufzustellen. Insgesamt 130 Milliarden US-Dollar werden nämlich benötigt, etwa für Autobahnen, Häfen und natürlich für die Stadien selbst. Alleine der Bau einer Bahnlinie soll 35 Milliarden kosten. Doch die Eurokrise sorgt für Zurückhaltung ausländischer Banken in Katar. Sollte sich die Krise ausweiten, könnten die entsprechenden Projekte mangels Finanzierung zumindest aufgeschoben werden. Die Einlagen bei den Banken in Katar sind im Juni um 0,4 Prozent gefallen, jene von Unternehmen gar um zwölf Prozent. Das Verhältnis Kredite zu Einlagen ist auf 118 Prozent gestiegen – ein geradezu erschütternder Wert für die Golfregion; im Vorjahr hatte die Ratio noch 93 Prozent betragen.

Schwache Zahlen

Die Wirtschaft von Katar wird heuer „nur“ um 6,2 Prozent wachsen, die niedrigste Rate seit 2003 und nach dem Wachstum des Vorjahres von 19 Prozent ein Indiz dafür, dass Katar vom Ziel, das nächste Dubai zu werden, noch weit entfernt ist.

Die zuständigen Behörden in Katar sprechen die Lage indes ohne Scheu an: Die derzeitige schwierige Lage an den Finanzmärkten wirke sich auf die geplanten Infrastruktur-Maßnahmen aus, denn in- und ausländische Banken würden nun mit der Finanzierung zögern, heißt es beispielsweise seitens der Entwicklungsagentur von Katar. In Bankenkreise heißt es aber, der Staat selbst könnte jederzeit eingreifen und könnte für den notwendigen Mittelzufluss sorgen. Das wegen seiner Erdöl und Gasvorkommen reiche Land (BIP pro Kopf: knapp 70.000 Dollar) hat noch ausreichend Reserven, wie schon 2008 sichtbar wurde - damals gab es kräftige Finanzspritzen für die Banken des Landes.

Dennoch: Trübt sich die Lage international weiter ein, wird auch Katar darunter leiden (ebenso wie unter einem sinkenden Ölpreis). Dann werden es die Banken nämlich schwerer haben, an Mittel heranzukommen. Darauf müsste man sich nun einstellen, heißt es seitens Bankenexperten des Landes. Immerhin: Ausreichend Zeit bleibt Katar noch.

Hier übrigens noch das offizielle Video zur WM 2022, wie sie laut Katar aussehen sollte:

Quellen: Bloomberg, Recherchen

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