Wer Sicherheit sucht, muss nach Finnland, Schweden und Norwegen

Wer Sicherheit sucht, muss nach Finnland, Schweden und Norwegen

Nach der Ausblicksenkung von Deutschland, den Niederlanden und von Luxemburg von "stabil" auf "negativ" durch Moody’s bleibt Finnland das letzte Land der Eurozone mit der stabilen Spitzennote "AAA".

“Finnland stellt mit seinem stabilen Ausblick die einzige stabile Ausnahme unter den mit ’Aaa’ eingestuften Ländern der Eurozone dar”, hieß es in der Mitteilung von Moody’s, die am Montagabend (Ortszeit) in New York unterbreitet wurde. Das Maß der Unsicherheit durch die Staatsschuldenkrise und die denkbaren Folgen für Mitgliedsländer sei derzeit nicht mehr vereinbar mit stabilen Ratingausblicken für diese drei genannten Länder.

Finnland kann sich zu Gute halten, das eigene Staatsdefizit seit 1996 innerhalb der vertraglich vereinbarten Grenzen gehalten zu haben, und zwar ungeachtet einer schweren Rezession mit einer BIP-Kontraktion von 8,5 Prozent im Jahre 2009 nach Ausbruch der weltweiten Finanzkrise. Das Land hat Steuern angehoben und zugleich Staatsausgaben gesenkt, hält das Defizit gering und hat überdies als einziges Land für die Gewährung vereinbarter Finanzhilfen an Spanien und Griechenland auf Sicherheiten bestanden, um den eigenen Steuerzahler besser vor möglichen Ausfällen zu sichern.

Die Versuche von Finnland zur Absicherung der eigenen Finanzlage unterschieden das Land von den anderen, mit “AAA” eingestuften Ländern, hieß es von Moody’s. Überdies wurde der “relativ stabile” heimische Bankensektor gelobt. Auch sei das Land wegen seiner Handelsbeziehungen weniger an der Krise beteiligt.

Nur ein Drittel der finnischen Exporte geht in die Eurozone, womit Finnland innerhalb der Währungsunion gemeinsam mit Estland auf dem niedrigsten Niveau liegt. Deutschland verkauft mehr als 40 Prozent seiner Produkte in Länder der Eurozone, wie aus Daten der EU-Kommission hervor geht.

Finnen zeigen sich "befriedigt"

Das finnische Finanzministerium veröffentlichte unterdessen auf der eigenen Webseite eine Erklärung, laut der das Vertrauen von Moody’s in die Finanzpolitik der Regierung in Helsinki “mit Befriedigung” zur Kenntnis genommen werde.

Die Ausblicke der ebenfalls mit “AAA” eingeschätzten Euroländer Frankreich und Österreich waren bereits im Februar auf “negativ” gesenkt worden. Moody’s-Konkurrent Standard & Poor’s stuft Deutschland, Finnland, die Niederlande und Luxemburg mit “AAA” ein, wobei Deutschland in dieser Gruppe als einziges Land einen stabilen Ausblick trägt.

Auch Schweden und Norwegen bei Anlegern beliebt

Die Kosten für Kreditausfallabsicherungen auf schwedische Staatsanleihen sinken. Investoren honorieren die fiskalische Disziplin und die eigene Währung des Landes, das der Europäischen Währungsunion fern geblieben ist.

Nach Schätzungen der Europäischen Kommission wird Schweden im kommenden Jahr einen Haushaltsüberschuss vorlegen, während für die 27 Mitglieder der Europäischen Union mit einem Defizit von 3,3 Prozent gerechnet wird. Nur noch die USA und Norwegen schneiden bei den Kreditausfallswaps besser ab als Schweden.

Im Juli haben sich CDS für fünfjährige Schweden-Bonds um 12 Prozent verbessert auf 52,6 Basispunkte. Zum Vergleich: Bei entsprechenden US-Treasuries - Papiere, die in turbulenten Zeiten häufig als sicherer Hafen gesucht sind - kosten die CDS 49,2 Basispunkte. Noch im Januar lag der Abstand bei 32 Basispunkten. Norwegische Swaps notieren bei 33 Basispunkten. Dank seines Ölreichtums hat das Land keine Nettoschulden.

Schweden ist eines von nur 12 Ländern, das von allen drei großen Ratingagenturen mit “AAA” erstklassig benotet wird. Der Regierung unter Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt ist es gelungen, die Staatsverschuldung abzubauen - trotz der Turbulenzen in der Eurozone und trotz zunehmender Schulden in den USA. Finanzminister Anders Borg sagte am 4. Juli im Hinblick auf den Haushaltsentwurf für 2013, die fiskalische Stärke erlaube es dem Land, Investitionen zu tätigen, die die Grundlage für höheres Wachstum legen.

“Sie haben starke Fundamentaldaten”, sagt Robert Bergqvist, Chefökonom bei der Bank SEB AB in Stockholm. “Die Staatsfinanzen sehen gut aus.”

Schwedische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren rentierten am Dienstag bei 1,215 Prozent, 21 Basispunkte niedriger als US-Treasuries mit 1,428 Prozent. Die Rendite deutscher Bundesanleihen lag bei 1,223 Prozent.

“Schweden und Norwegen zählen zu den sichersten Staatsschuldnern in der Welt”, sagt Par Magnusson, Chef-Analyst Zinsen Skandinavien bei der Royal Bank of Scotland Group Plc in Stockholm. Die Entwicklung der schwedischen CDS weise auf eine stärkere Differenzierung hin: gute Schuldner würden mehr belohnt und schlechte mehr bestraft, führte er aus.

Schwedische Staatspapiere mit Fälligkeit in mehr als zehn Jahren haben den Investoren in diesem Monat 7,5 Prozent Ertrag eingebracht, verglichen mit 3,5 Prozent bei US-Treasuries und 5,5 Prozent Ertrag bei deutschen Bundesanleihen. Das zeigen die Bloomberg/EFFA Sovereign Indexes.

Im vergangenen Jahr wiesen Schweden-Bonds die beste Entwicklung unter den wichtigsten von Bloomberg beobachteten Indizes auf. Das Interesse der Investoren an einem sicheren Hafen sorgte für einen Ertrag bei den Papieren von 31 Prozent in Landeswährung.

Krone wertet auf

Die überdurchschnittliche Entwicklung der Anleihen sowie höhere kurzfristige Zinsen kamen auch der schwedischen Krone zugute. Am Montag dieser Woche erreichte sie mit 8,4176 Kronen den höchsten Wert gegenüber dem Euro seit dem Jahr 2000. Die Zentralbank hat ihren Leitzins in diesem Monat unverändert bei 1,5 Prozent belassen, während der Benchmarksatz der Europäischen Zentralbank auf 0,75 Prozent gesenkt wurde. In den USA liegt der Leitzins der Federal Reserve seit Dezember 2008 bei nahe null.

Die schwedische Staatsverschuldung wird dieses Jahr nach Schätzungen der Europäischen Kommission bei 36 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt liegen. Für die Europäische Union wird dagegen ein Durchschnitt von 86 Prozent vom BIP erwartet.

Die schwedische Volkswirtschaft, die zu 50 Prozent vom Export abhängig ist, liefert 70 Prozent ihrer Ausfuhren nach Europa. Für dieses Jahr erwartet die Riksbank ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent und im kommenden Jahr von 1,7 Prozent. Dagegen rechnet die Europäische Kommission für die Eurozone mit einer Kontraktion um 0,3 Prozent.

“Wir gehen davon aus, dass die Riksbank die Zinsen senken wird. Und wenn auch die andren Zentralbanken sich in die Richtung einer monetären Expansion bewegen, erhöht das natürlich den Druck auf die Riksbank weiter zu machen”, sagt Bergqvist. Nehme man die Stärke der Krone hinzu, führe dies zu weiterem Abwärtsdruck auf die Anleiherenditen.

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