"Wer Romney wählt, wählt Goldman Sachs"

"Wer Romney wählt, wählt Goldman Sachs"

Nach der letzten TV-Debatte im US-Präsidentschaftswahlkampf steht Herausforderer Mitt Romney nach Ansicht des deutsche Soziologen und USA-Experten Harald Wenzel unter Druck. Er sei für viele Wähler zu nahe an den Auslösern der Krise und könne „keine Vision vermitteln“, erklärte er der APA.

„Romneys Schwäche ist, dass er die Menschen nicht davon überzeugen kann, dass er sie aus ihrer wirtschaftlichen Unsicherheit herausführen kann“, sagte Wenzel, der am renommierten John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien sitzt. Für viele sei eine Wahl Romneys gar so, „als würde man sich (die Investmentbank) Goldman-Sachs holen", so unverhohlen werde Romney durch seine Karriere in der Privatwirtschaft mit den negativen Seiten des Kapitalismus assoziiert.

Auf der anderen Seite stehe mit Obama ein Präsident, der den Bonus des unverbrauchten Erneuerers verspielt habe. „Obama hat zwar den Vorteil des Amtsinhabers, aber keine lupenreine Bilanz der letzten vier Jahre vorzuweisen“, so der Wissenschafter. Für viele Amerikaner seien die wirtschaftlichen Erschütterungen der Krise noch deutlich spürbar, vielerorts regiere Unsicherheit. Diese Situation, so Wenzel, könne aber auch Romney nicht nützen. „Der Republikaner schafft es nicht, eine Vision zu vermitteln“, so das Urteil des Berliner Soziologen.

Zwar ortete Wenzel einen leichten Aufschwung des Herausforderers Romney in den Umfragen. Allerdings sei das Bild nicht eindeutig, denn auch Präsident Obama habe in den beiden letzten Debatten punkten können. In der ersten Debatte sei der Präsident "durchaus gewollt" passiv aufgetreten, um seine Anhänger nicht in Sicherheit zu wiegen, und seinen damaligen Vorsprung in den Umfragen nicht weiter zu erhöhen. Ein knappes Rennen diene beiden Lagern bei der Mobilisierung.

Frauen sind der Schlüssel

Besonders bedeutsam ist für Wenzel das Bemühen der Kandidaten um Wechselwähler. „54 Prozent der amerikanischen Wählerschaft sind Frauen und zwei Drittel der Wechselwähler sind Frauen“, rechnete er vor. Besonders Obama habe es verstanden, Frauenthemen geschickt zu platzieren. Für Wenzel setzte er „sehr klug auf die richtigen Botschaften, wie etwa Bildung.“ Romney hingegen falle durch unglückliche Aussagen auf. So meinte der Kandidat, er hätte ganze „Akten voller Frauen“ („binders of women“) erhalten - ein in den sozialen Medien von Präsidenten-Anhängern genüsslich breit getretener Sager. Zum anderen machte ihm eine geschönte Erfolgsbilanz in Sachen Bildung zu schaffen. Es dauerte nicht lange bis seine Behauptung, er habe die Schüler aus Massachusetts an die nationale Spitze geführt, widerlegt wurde.

Obwohl das Internet und soziale Netzwerke zusehends an Einfluss gewinnen, blieben die traditionellen TV-Debatten weiterhin äußerst relevant für den Wahlkampf. „Im Gegensatz zu den neuen Medien erlauben sie es, einen direkten Eindruck eines Kandidaten zu gewinnen und die Interaktion der Kandidaten zu beobachten“, erklärt Wenzel.

Neu im Wahlkampf 2012 ist nach Ansicht Wenzels die Bedeutung satirischer Polit-Formate im Fernsehen. Er nannte die linksliberal angehauchten Sendungen Daily Show und Colbert-Report. Immer weniger junge Menschen, so ein neuer Bericht des Pew Research Centers, verfolgen politische Nachrichten im TV; immer mehr geben an, gar keine Nachrichten zu konsumieren. Da wäre es wichtig, Politik neu zu vermitteln. „Es gibt diesen ‚comic frame‘ und Leute wie Jon Stewart (Moderator der Daily Show, Anm.) sind mittlerweile sehr einflussreich“, erklärte Wenzel. „ Auch wenn Oprah Winfrey politische Themen aufgreift, ermöglicht sie es denen, die keine Nachrichten sehen, sich Urteilskompetenz zu bilden.“

Für die verbleibenden Tage bis zur Präsidentschaftswahl rechnete Wenzel mit „einer unglaublichen Zahl an Spots des Romney-Lagers, vor allem in den Swing States wird es Dauerfeuer geben.“ Die Aufgabe des Herausforderers werde jedoch keine leichte sein. „Die Menschen wollen eine kohärente und konsistente Persönlichkeit.“ Das werde auch von den Medien penibel beobachtet. Für Romney werde dies aufgrund seiner aggressiven Ansagen während des Vorwahlkampfes ein heikler „Balanceakt“. Schon bisher, so Wenzel, sei Romney dieses Kunststück nicht immer gelungen.

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