"Wer Italien regieren will, muss erst die Rechnung mit dem großen Norden machen"

"Wer Italien regieren will, muss erst die Rechnung mit dem großen Norden machen"

Wenige Tage vor der Wahl sind in Italien alle Augen auf die wirtschaftsstärkste und zugleich bevölkerungsreichste Region Lombardei gerichtet. Hier dürften sich die Mehrheitsverhältnisse im italienischen Senat entscheiden, weshalb die Region mitunter als "Ohio Italiens" - wegen der Wichtigkeit dieses Staates bei US-Präsidentenwahlen - bezeichnet wird.

Im Falle eines Wahlsiegs wäre die Lombardei nach dem Piemont und Venetien bereits die dritte norditalienische Region, in der die rechtsföderalistische Lega den Regionalpräsidenten stellt. Der populäre Parteichef Roberto Maroni tritt persönlich für das Mitte-Rechts-Lager gegen den Mitte-Links-Kandidaten Umberto Ambrosoli an. In den Umfragen liegen die beiden Kandidaten Kopf an Kopf. Einige Spitzenpolitiker des Zentrumsblocks von Premier Mario Monti haben daher bereits dazu aufgerufen, nicht für ihren eigenen Kandidaten, den Mailänder Ex-Bürgermeister Gabriele Albertini, sondern für den linken Ambrosoli zu stimmen, um einen Wahlsieg des Ex-Ministers und Lega-Chefs zu verhindern.

Die Lombardei ist eine traditionelle Hochburg des Mitte-Rechts-Lagers. Aber nach einer Serie von Korruptionsskandalen, die im vergangenen Oktober im Rücktritt von Regionalpräsident Roberto Formigoni gipfelte, ist der Vorsprung des Mitte-Rechts-Blocks laut den letzten Umfragen auf weniger als einen Prozentpunkt geschrumpft. Besonders hoch ist das Lager der Unentschlossenen, das vor allem aus enttäuschten Wählern von Ex-Premier Silvio Berlusconi besteht.

Maroni hatte im vergangenen Juni die Parteiführung der Lega übernommen, nachdem der Gründer der Bewegung, Umberto Bossi, im Zuge eines Skandals um veruntreute Parteigelder ebenfalls das Handtuch werfen musste. Für den Fall eines Wahlsieges verspricht er, 75 Prozent der eingetriebenen Steuergelder in der Region zu halten und die Gründung einer Großregion des Nordens in die Wege zu leiten.

"MAkroregion des Nordens"

Dahinter steht die Vision einer "Makroregion des Nordens", erklärt der Lega-nahe Politologe Stefano Bruno Galli, der selbst eine Bürgerliste zur Unterstützung Maronis anführt, gegenüber der APA. "Wer Italien regieren will, muss erst die Rechnung mit dem großen Norden machen", so der Lega-Ideologe, schließlich würden hier mehr als 50 Prozent des gesamtitalienischen BIP produziert. Die künftige Regierung in Rom könne die Stimme einer derart wirtschaftlich starken Makroregion mit fast 20 Millionen Bevölkerung nicht überhören. Konkret sollen die drei großen Regionen Lombardei, Venetien und Piemont ihre Politik angleichen und mehr Kompetenzen übernehmen. Im Gegenzug sollen drei Viertel der Steuergelder in der Region bleiben, so Galli. Bisher sind es 35 Prozent.

Der Philosoph und langjährige Bürgermeister von Venedig Massimo Cacciari warnte vor diesem Hintergrund jüngst vor einer drohenden Unregierbarkeit Italiens im Falle eines Wahlsieges Maronis in der Lombardei. Sollte die Lega die drei großen Nord-Regionen Italiens regieren, würden sich diese zwangsläufig gegen die Regierung in Rom stellen, so Cacciari in einem Interview mit der Tageszeitung "La Repubblica".

Tatsächlich war hinter dem Pakt der rechtspopulistischen Partei mit Berlusconis Popolo delle libertá (Pdl) rein strategisches Kalkül. Ex-Premier Silvio Berlusconi benötigte die regional stark verankerte Lega, um sich bei den Parlamentswahlen in den norditalienischen Provinzen durchzusetzen. Im Gegenzug wird die Kandidatur Maronis als Regionalpräsident unterstützt, so der Deal. Die Lega Nord hat auf nationaler Ebene begrenzte Perspektiven, deshalb konzentriert sie sich darauf, ihre Macht im Norden auszubauen. Der Kampf um die Lombardei sei die "Mutter aller Schlachten", twitterte Maroni.

Auch für die gesamtitalienische Parlamentswahl kommt der Lombardei entscheidende Bedeutung zu. In der bevölkerungsreichsten Region sind 49 der insgesamt 315 Senatssitze zu vergeben. Wegen des erwarteten knappen Wahlausgangs könnten die Parlamentswahl in der Lombardei entschieden werden und das Rennen ist noch völlig offen. "Es wird um jede Stimme gehen"m erklärte der renommierte Umfragenexperte Renato Mannheimer.

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