Wer oder was tötete Boris Beresowski?

Wer oder was tötete Boris Beresowski?

In seinem Haus bei London wurde der russische Oligarch Boris Beresowski gestern tot aufgefunden, die Todesursache ist derzeit noch unklar. Der ehemalige Freund von Wladimir Putin wurde zu dessen erbittertem Feind, ein Prozess gegen Roman Abramowitsch setzte ihm zu.

Der russische Oligarch und Putin-Gegner Boris Beresowski ist tot. Er wurde nach Angaben der Polizei am Samstag leblos in seinem Haus nahe London aufgefunden, wo er seit dem Jahr 2000 im Exil lebte. Die Todesursache sei derzeit noch unklar, erklärten die Behörden. Eine Untersuchung dazu laufe. Vertraute sagten, Beresowski könne Selbstmord begangen haben oder einem Herzinfarkt erlegen sein. 2012 hatte er einen Prozess um milliardenschweren Schadenersatz gegen den russischen Geschäftsmann Roman Abramowitsch verloren, was ihm sichtlich zusetzte. Beresowskis Anwalt sagte der Agentur Interfax zufolge, sein Mandant sei zuletzt völlig überschuldet und in einem schrecklichen Zustand gewesen.

Putins Freund, Putins Feind

Beresowski war in der Zeit des Zusammenbruchs der Sowjetunion als Geschäftsmann aufgestiegen, als Korruption, Gesetzlosigkeit und unerbittliches Vorgehen gegen Rivalen die russische Geschäftswelt prägte. Unter dem früheren russischen Präsidenten Boris Jelzin galt Beresowski als äußerst einflussreicher Strippenzieher. Später dann wurde er zu einem der wichtigsten Förderer von Wladimir Putin für Jelzins Nachfolge. Die beiden gerieten dann aber in Streit miteinander.

Beresowski, der in Russland an zahlreichen Firmen beteiligt war, floh ins Exil nach Großbritannien. Von der entwickelte er sich zu einem der schärfsten Kritiker Putins. Er nannte den Präsidenten einen korrupten Banditen, der die in der Post-Sowjet-Ära erlangten Freiheiten wieder zurückdrehe. Der Ex-Milliardär unterstützte aus dem Exil russische Oppositionelle und ehemalige Spione wie den 2006 in London ermordeten Alexander Litwinenko.

"Bezahlte Gehilfen der Unternehmer"

Die Beziehungen zwischen Großbritannien und Russland waren auch wegen Beresowski angespannt. Putin bezeichnete den Geflohenen stets als Kriminellen, dem wegen Korruption und Steuervergehen der Prozess gemacht werden müsse. In Russland selbst war Beresowski für viele Landsleute der Inbegriff eines Oligarchen aus den 1990er Jahren: dreist, arrogant und ein gefährliches Alpha-Tier, dass die Regeln selbst bestimmte. "Man kann alles kaufen und jede Sache auf Erden hat ihren Preis", sagte er einmal. Und: "Politiker sind bezahlte Gehilfen der Unternehmer."

2012 verlor Beresowski in London einen Aufsehen erregenden Prozess gegen seinen früheren Partner, den Milliardär und Besitzer des britischen Fussballklubs FC Chelsea, Abramowitsch. Beresowski warf diesem vor, ihn bei dem russischen Ölkonzern Sibneft betrogen zu haben und forderte sechs Milliarden Dollar. Die Richterin nannte Beresowski damals einen "von Natur aus unseriösen Zeugen".

Hohe Kosten

Einige Vertraute Beresowskis sagten, er habe mit den finanziellen Folgen aus dem Urteil zu kämpfen gehabt, was zu Kosten von mehr als 100 Millionen Dollar führen könne. Zudem musste Beresowski hohe Kosten für seine Scheidung von seiner Frau Galina im Jahr 2011 tragen. In Medienberichten war von mehr als 100 Millionen Dollar die Rede. Um zu Geld zu kommen, soll Beresowski ein von Andy Warhol stammendes Lenin-Porträt versteigert haben.

In Russland wurde am Samstag eher eine natürliche Todesursache ins Spiel gebracht. "Meine Quellen sagen, es war ein Herzfehler", sagte etwa Alexej Wenediktow vom russischen Sender "Echo Moskwy". Nach dem verlorenen Gerichtsprozess sei Beresowski in tiefe Depressionen verfallen und deshalb auch in Behandlung gewesen.

Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete, Beresowskis Moskauer Anwalt Alexander Dobrowinski habe dem Sender Rossiya 24 erklärt, ihm sei gesagt worden, sein Mandant habe Selbstmord begangen. Beresowski sei zuletzt in einem schrecklichen Zustand gewesen, "nichts als Schulden, er war praktisch pleite", wurde Dobrowinski zitiert.

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