"Wenn es in Griechenland so weitergeht, dann kommt es zur Explosion"

"Wenn es in Griechenland so weitergeht, dann kommt es zur Explosion"

Herr Markaris, welche Erfahrungen machen die griechischen Schriftsteller und Verleger in dieser dramatischen Finanzkrise in Griechenland?

Petros Markaris : Es gibt einige positive Aspekte. Die Leute kämpfen, so auch die Verlage. Sie strengen sich an, damit sie im Geschäft bleiben. Der Buchhandel ist aber zusammengebrochen. Er hat mehr als 50 Prozent seines Umsatzes verloren. Trotzdem können sich einige Buchhandlungen und Verlage halten.

Und wie sieht es in der Literaturszene aus?

Markaris : Ich glaube, das Schlimmste für die Literatur und für die jungen Autoren ist, dass die Verlage bis vor Ausbruch der Krise einen Teil ihrer Gewinne von den Verkäufen erfolgreicher Autoren für die Förderung der Jungen investiert haben. Nun, das gibt es nicht mehr. Heute können sie es sich nicht mehr leisten. Ihre Einnahmen sind drastisch gefallen. Und die Folgen gehen zulasten der jungen Autoren.

Wie würden Sie die Qualität der Arbeit der heutigen jungen Autoren bewerten - im Licht der schweren Finanzkrise?

Markaris : Da gibt es ein Problem: Dass sich die jungen Autoren auch heute, nach drei Jahren Finanzkrise, zu wenig mit den Problemen und dem Alltag der Griechen befassen und auseinandersetzen. Ich finde das negativ.

Viele Buchhändler und Verleger sagen, sie hätten zahlreiche Angebote von Finanzexperten, aber keine guten Vorschläge von den Schriftstellern. Und dass die Werke junger Autoren wie die Arbeit von Debütanten wirken. Wie sehen Sie das?

Markaris : Es stimmt. Ich glaube, am problematischsten ist, dass die jungen Autoren den Schritt in die Realität scheuen. Sie haben Angst, sich mit den Problemen der Griechen auseinanderzusetzen.

In Ihrem letzten Kriminalroman "Abrechnung" machen Sie eine Prophezeiung: Griechenland ist aus dem Euroraum ausgetreten und hat wieder die alte Währung, die Drachme, eingeführt. Wie realistisch ist das? Werden wir das in Griechenland erleben?

Markaris : Im Roman mache ich eine Arbeitshypothese. Ich sage, was würde sein, wenn am 1. Jänner 2014 der Süden Europas zu seinen Nationalwährungen zurückkehren würde. Und ich versuche auf dieser Grundlage den Roman aufzubauen. Ob das so kommt, naja, ich will ja keine Prophezeiung machen, ich verabscheue das. Was ich aber heute sehe, das gefällt mir nicht. Nicht nur aus der Sicht der ökonomischen Maßnahmen. Es gefällt mir nicht, weil die Leute in Griechenland, Spanien und Italien so sehr leiden, dass sie ab einem gewissen Punkt das Ganze nicht mehr mittragen werden. Einer der gröbsten Fehler ist, dass man die Zahlen sieht und die Menschen verloren hat. Aber die Reaktion wird eine Reaktion der Menschen sein, nicht der Zahlen.

Und wie könnte das enden? Mit einer sozialen Explosion?

Markaris : Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Wenn es so weitergeht, dann kommt es zu Explosion. Und je später sie kommt, desto schlimmer wird sie sein.

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