"Wenn Frankreich zu kippen beginnt..."

"Wenn Frankreich zu kippen beginnt..."

Vor dem Sondertreffen der Euro-Finanzminister hat das Centrum für Europäische Politik davor gewarnt, angesichts der Probleme in Griechenland den Reformstau in anderen EU-Staaten aus dem Blick zu verlieren.

In einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" verwies Institutsleiter Professor Lüder Gerken auf Frankreich: Präsident François Hollande "negiert den Ernst der Lage oder fürchtet gewalttätigen Widerstand im Volk", sagte Gerken. Die Euro-Finanzminister kommen am Montag in Brüssel zusammen, um eine Lösung für die Schuldenprobleme Griechenlands zu finden .

Erhöhe Frankreich seine Wettbewerbsfähigkeit nicht, drohe die Gefahr, dass die Europäische Zentralbank auf Kosten der deutschen Steuerzahler "auch für Frankreich die Geldpresse anwerfen wird, wenn das Land zu kippen beginnt", sagte der Wirtschaftswissenschaftler. Die EZB müsse jedoch ihre Hilfe einer Regierung verweigern, "die es nicht schafft, ihre Hausaufgaben zu machen".

Die Erosion der französischen Wettbewerbsfähigkeit sei vor allem auf überhöhte Lohnstückkosten zurückzuführen, sagte Gerken. "Von 2000 bis 2011 stiegen sie um 25,4 Prozent, in Deutschland nur um 5,9 Prozent", sagte der Freiburger Wirtschaftsprofessor. "Französische Produkte sind dadurch zu teuer geworden - sowohl auf den Exportmärkten als auch zuhause, weil auch die Franzosen vermehrt preiswertere Importwaren kaufen." Da Frankreich für Einfuhren seit Jahren mehr ausgebe, als es über Exporte einnehme, müsse es immer größere Kredite im Ausland aufnehmen.

Inflationsalarm

Auch punkto Inflation warnt Gerken: "Die Zentralbank kauft Staatsanleihen, indem sie Geld druckt. Dadurch steigt die Geldmenge weiter an. Die ist bereits stark aufgebläht. Das birgt ein gewaltiges Inflationspotenzial. Die Inflation ist nur noch nicht ausgebrochen, weil in fast allen Euro-Ländern Rezession herrscht."

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