"Wenn die Europäer Waffen liefern, wird der Hinterhof Europas terroristisch"

"Wenn die Europäer Waffen liefern, wird der Hinterhof Europas terroristisch"

"Wenn die Europäer Waffen liefern, wird der Hinterhof Europas terroristisch, und Europa wird den Preis dafür zahlen", sagte Assad der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Der Bürgerkrieg in Syrien ist eines der wichtigsten Themen auf dem G8-Treffen in Nordirland, das am Montag begann. Während Länder wie die USA, Großbritannien oder Frankreich die Rebellen mit Waffen versorgen wollen, ist Russland strikt gegen einen derartigen Schritt und unterstützt seinen langjährigen Verbündeten Assad weiter.

Assad sagte der "FAZ" in dem in Damaskus geführten Interview, eine Folge von Lieferungen an die Rebellen wäre der Export des Terrorismus nach Europa. "Terroristen werden kampferfahren und mit extremistischer Ideologie ausgerüstet zurückkehren." Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte in der vergangenen Woche gewarnt, dass es immer mehr Islamisten aus Deutschland nach Syrien ziehe, um aufseiten von Dschihadisten zu kämpfen. Von dort kämen sie radikalisiert und möglicherweise auch "mit einem Kampfauftrag" zurück.

Assad verglich die Diskussion über den Konflikt in seinem Land mit der Debatte über Afghanistan. "Manche unterscheiden zwischen 'guten' und 'schlechten' Kämpfern, so wie sie vor ein paar Jahren zwischen 'guten' und 'schlechten' Taliban sowie einer 'guten' und 'schlechten' Al-Kaida unterschieden haben", sagte der Machthaber, der seit über zwei Jahren versucht, einen Aufstand gegen seine Herrschaft niederzuschlagen. Nach der Einnahme der Stadt Kussair kämpft seine Armee um die Millionenmetropole Aleppo. Sie steht in weiten Teilen unter Kontrolle der Opposition.

Saudi-Arabien rüstet Rebellen auf

Der Konflikt droht immer weiter zu eskalieren. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters bekamen Rebellen von Saudi-Arabien erstmals tragbare Luftabwehrraketen. Nach eigenem Bekunden erhielten die Kämpfer zudem Panzerabwehrraketen. Assad wird dagegen von Russland mit Waffen versorgt.

Kurz vor dem G8-Treffen in Lough Erne wandte sich der russische Präsident Wladimir Putin strikt gegen Waffenlieferungen an Rebellen. Man könne nicht Kannibalen unterstützten, kritisierte er und bezog sich dabei offenbar auf ein im Internet veröffentlichtes Video von Rebellen, das für Entsetzen gesorgt hatte. Russland ist auch gegen die Einrichtung einer Flugverbotszone über Syrien und vermutet, dass die USA einen derartigen Schritt bereits vorbereiten.

Das erste direkte Aufeinandertreffen Putins mit Barack Obama seit einem Jahr war für Montagabend (19.30 Uhr MESZ) geplant. Die Chancen auf eine Annäherung galten als gering. Russland hat im UN-Sicherheitsrat bereits drei Resolutionen gegen die Führung in Damaskus verhindert.

Die USA sehen es als erwiesen an, dass Assads Militär Chemiewaffen gegen Rebellen eingesetzt hat und wollen sie deswegen mit Waffen unterstützen. Assad wies in dem "FAZ"-Interview die Vorwürfe zurück. Hätten Frankreich, Großbritannien und die USA einen einzigen Beweis, hätten sie diesen der Weltöffentlichkeit vorgelegt, sagte er. Es sei unlogisch, "Chemiewaffen einzusetzen, um eine Zahl von Menschen zu töten, die durch Einsatz konventioneller Waffen erreicht werden kann".

Deutschland liefert nicht

Deutschland will unterdessen dem Kurs Frankreichs und Großbritanniens nicht folgen. "Wir beteiligen uns auf gar keinem Fall an Waffenlieferungen, die tödliche Auswirkungen haben", sagte Kanzlerin Angela Merkel in einem RTL-Interview. Es gebe in Syrien schon sehr viele Waffen. Merkel räumte zudem große Differenzen auch in der EU ein und forderte, Russland bei der Suche nach einer Friedenslösung einzubeziehen. Es sei wichtig, mit der Führung in Moskau im Gespräch zu bleiben.

Die USA und Russland hoffen, auf einer Konferenz in Genf eine Lösung zu finden. Assad sagte, dies wäre eine wichtige Station, um den Dialog in Syrien voranzutreiben. Die Konferenz könne aber nur erfolgreich sein, wenn auf ihr beschlossen würde, keine Terroristen und Waffen mehr nach Syrien einzuschleusen.

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