"Wenn es nicht zum Aufstand kommt, ist klar, dass viele mit Schwarzarbeit verdienen"

"Wenn es nicht zum Aufstand kommt, ist klar, dass viele mit Schwarzarbeit verdienen"

Welches Gewicht die Schattenwirtschaft in Spanien hat, wird vor allem deutlich, überträgt man den Prozentsatz der Schwarzarbeit am BIP auf die spanischen Beschäftigungszahlen. Laut Schätzungen der La Caixa, die auf einer Studie des österreichischen Wirtschaftsforschers Friedrich Schneider von der Universität Linz beruhen, entspricht dieser nämlich einer Million Vollzeit-Beschäftigten.

Nach nicht einmal zehn Minuten ist das Leck behoben. Installateur Javier kriecht unter der Spüle hervor, packt die Kneifzange ein und verlangt 60 Euro. Auf die Frage nach einer Quittung verzieht er jedoch das Gesicht, weist daraufhin, die Rechnung würde dann deutlich höher ausfallen, weil er in diesem Falle die Mehrwertsteuer draufschlage müsse.

Solche Szenen kommen in Spanien beim Besuch von Handwerkern nicht selten vor. Gerade im Zuge der Wirtschaftskrise, der anhaltenden Rezession und der zurückhaltenden Einstellungspolitik kleiner und mittlerer Unternehmen scheint sich generell die traditionell stark verbreitete Schwarzarbeit in Spanien noch auszuweiten. Die spanische Sparkasse La Caixa geht nach jüngsten Studien davon aus, dass die Schwarzarbeit in Spanien mittlerweile 18,6 Prozent des gesamten spanischen Bruttoinlandproduktes (BIP) ausmacht. In Deutschland liegt diese Quote geschätzt gerade einmal bei 13 Prozent, in Frankreich bei 10 Prozent und in Österreich bei 9 Prozent.

Welches Gewicht die Schattenwirtschaft in Spanien hat, wird vor allem deutlich, überträgt man den Prozentsatz der Schwarzarbeit am BIP auf die spanischen Beschäftigungszahlen. Laut Schätzungen der La Caixa, die auf einer Studie des österreichischen Wirtschaftsforschers Friedrich Schneider von der Universität Linz beruhen, entspricht dieser nämlich einer Million Vollzeit-Beschäftigten.

Kein Wunder

Wirtschaftsprofessor Oriol Amat verwundern solche Zahlen nicht. „Wenn es bei sechs Millionen Arbeitslosen nicht zu einem sozialen Aufstand kommt, liegt es auf der Hand, dass viele mit Schwarzarbeiten verdienen“, erklärt der Experte von der Pompeu Fabra Universität. Er glaubt sogar, dass es weit mehr als eine Million Spanier sind, die am Fiskus vorbei ein Einkommen oder Zusatzeinkommen haben.

Die Schattenwirtschaft blühte vor allem während des Immobilienbooms, als Spanien berühmt wurde als das Land in Europa, in dem die meisten 500-Euro-Scheine im Umlauf waren. Damals arbeiteten nicht nur ein guter Teil der Bauarbeiter und Handwerker schwarz, auch bei den Immobilientransaktionen ging dem Fiskus viel Geld verloren.

40 Prozent der Arbeitslosen verdienen am Fiskus vorbei

Der Linzer Uni-Professor Friedrich Schneider, international führender Forscher auf dem Gebiet der Schattenwirtschaftsforschung, schätzt, dass sich in Spanien sogar rund 40 Prozent der arbeitslos Gemeldeten mit Jobs durchschlagen, von denen der Fiskus nichts weiß. Dabei weist er allerdings auch auf die positiven Aspekte für die Wirtschaftsentwicklung hin. Schwarzarbeit sei besser als gar keine Arbeit - für die Bürger wie für den Staat, versichert Schneider gegenüber der APA. Denn die heimlich verdienten Euros stützen direkt die Konjunktur, und damit auch die Staatskassen. Die Menschen geben laut seiner Schätzungen rund 80 Prozent ihrer Verdienste wieder aus, wodurch das Schwarzgeld also in den offiziellen Wirtschaftskreislauf zurückfließe. Durch die beim Einkaufen bezahlten Mehrwertsteuern würde auch der Staat zumindest einen Teil der entgangenen Steuereinnahmen wiederbekommen.

Die spanische Regierung möchte sich damit allerdings nicht zufrieden geben. Laut Berechnungen des Arbeitsministeriums könnten die leeren Staatskassen mit jährlich 60 bis 80 Milliarden Euro an zusätzlichen Steuergeldern gefüllt werden, würde keine Schattenwirtschaft existieren. Diese Steuergelder würden dringend benötigt, um die Löcher im spanischen Haushalt zu stopfen. Denn durch die stetig steigende Arbeitslosigkeit brechen die Steuereinnahmen ein.

Regierung fährt schwere Geschütze auf

So erklärte die spanische Regierung von Ministerpräsidenten Mariano Rajoy bereits im vergangenen Jahr der Schattenwirtschaft auch verstärkt den Kampf. Firmen müssen sich seitdem vorsehen bei der Anstellung von Schwarzarbeitern, die womöglich auch noch Arbeitslosenhilfe beziehen. Im Rahmen einer groß angelegten Offensive gegen Schwarzarbeit bekommen Dienstleistungsbetriebe mittlerweile häufig unangemeldeten Besuch von Prüfern. Per Gesetz wurden Bargeldzahlen auf 2.500 Euro begrenzt und die Strafen für Steuerdelikte wurden Anfang dieses Jahres erhöht.

Stolz verkündete Spaniens Arbeitsministerin Fátima Báñez im Sommer, ihr Ministerium habe allein im ersten Quartal 60.000 Personen das zu Unrecht bezogene Arbeitslosengeld gestrichen. Das seien 15 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum gewesen. Seitdem das Programm zur Bekämpfung der Schattenwirtschaft im April 2012 verabschiedet wurde, seien insgesamt schon mehr als 130.000 falsche Empfänger aufgeflogen. Die Einsparungen für die Sozialkasse hätten sich auf gut 3 Milliarden Euro belaufen.

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