Was Zypern und Italien gemeinsam haben...

Was Zypern und Italien gemeinsam haben...

In Italien führte die Regierung unter Giuliano Amato im Juli 1992 eine Steuer auf Bankguthaben ein - rückwirkend für zwei Tage. Sie betrug sechs Tausendstel, berichtet Professor Marco Giorgino vom Institut MIP Politecnico in Mailand. Die Zwangsabgabe in Zypern soll nun mindestens 6,75 Prozent betragen – also mehr als zehnmal so hoch sein.

Das Manöver der italienischen Regierung 1992 diente dazu, die öffentlichen Finanzen zu sanieren. "Italien war damals am Rande des Abgrunds", sagt Giorgino. "Es gab keine andere Lösung. Neue Steuern erheben, Staatsbesitz oder Immobilien verkaufen - das hätte alles viel zu lange gedauert." Die Abgabe auf bares, verfügbares Geld sei die Rettung gewesen.

Die Bevölkerung sei damals komplett überrascht worden - "einige natürlich negativ", sagt Giorgino. Aber es habe auch das Bewusstsein gegeben, dass die Abgabe nötig war. Der Staat habe keine Alternative gehabt. Heute, mehr als 20 Jahre danach, ist die Zwangsabgabe "nicht vergessen", sagt der Professor. Er verweist darauf, dass 2011, auf der Höhe der Eurokrise, viele Italiener auch wegen dieser Erinnerung ihr Geld ins Ausland schafften.

1936 war es die Regierung in Norwegen, die ohne Vorwarnung eine Steuer auf die Zinsen des Ersparten erhob. Allerdings waren die Umstände in Norwegen vor mehr als 70 Jahren andere. Die Regierung wollte die Gewinne aus Kapitalvermögen stärker besteuern und erhob - ohne Vorwarnung - eine Abgabe von 25 Prozent auf die Zinsen von Bankguthaben. Diese Abgabe mussten die Banken entrichten, die sie auf ihre Kunden abwälzten. Die Abgabe war sehr umstritten, die Bankeinlagen sanken stark, wie Geschichtsprofessor Einar Lie von der Universität Oslo sagt. Nach ein paar Monaten wurde die Abgabe wieder abgeschafft.

Zinsparadies Zypern

Ein zyprisches Konto hat über die vergangenen fünf Jahre mehr als 24 Prozent Plus eingebracht. Das ist fast das Doppelte dessen, was ein vergleichbares Konto in Deutschland oder Österreich Kunden bescherte.

Ein Investor, der 1000 Dollar im Jänner 2008 auf einem Sparkonto in Zypern anlegte und die Gelder dort ließ, verdiente mindestens 242 Dollar über fünf Jahre. Das belegen Daten der zyprischen Notenbank. Bei einem ähnlichen Konto in Deutschland lag das Plus nur etwa bei 130 Dollar, wie Berechnungen auf Grundlage von Bundesbank-Daten belegen.

“Banken in Ländern wie Zypern und Griechenland können höhere Zinsen zahlen, weil sie auch mehr an Krediten verdienen”, sagte Dirk Becker, Chef für Banken-Analysen bei Kepler Capital Markets, gegenüber Bloomberg News. “Hinzu kommt, dass zyprische Banken in der Vergangenheit eine ganze Menge in hochverzinste griechische Anleihen investiert haben.”

Die zypriotischen Banken werden vorerst bis einschließlich Mittwoch geschlossen bleiben. Dies teilte am Montag Zyperns Zentralbank mit. Damit soll verhindert werden, dass in großem Stil Geld abgezogen wird. Das Parlament soll am Dienstagabend zusammenkommen, um über die umstrittene Zwangsabgabe auf Bankeinlagen zu beraten. Die Bankautomaten funktionierten am Montagabend auf Zypern normal.

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