"Was Europa derzeit durchmacht, riecht nach Depression"

"Was Europa derzeit durchmacht, riecht nach Depression"

Europa steckt inmitten einer Bankenkrise, die sich in eine umfassende Wirtschaftskrise ausweiten könnte, wenn nicht schnell gehandelt wird. Diese Ansicht vertritt Carl Weinberg, der Gründer und Chef-Volkswirt von High Frequency Economics in New York.

“Europa befindet sich seit zweieinhalb Jahre in einer Lage, die alle Kennzeichen der ‘Großen Depression’ trägt”, sagte Weinberg im Interview mit Bloomberg Television. “Die Geldpolitik steckt mit ihrer Reaktion fest. Die Banken sind unterkapitalisiert, und niemand rührt einen Finger, um ihnen zu helfen.”

Europas Entscheidungsträger treffen sich diese Woche, um über den Plan der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Ankauf von Staatsanleihen zu beraten. Um davor noch schnell ein paar Weichen zu stellen, reiste EU-Präsident Herman Van Rompuy am Dienstag nach Berlin zu einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Italiens Ministerpräsident Mario Monti empfing Frankreichs Präsident Francois Hollande in Rom.

EZB-Chef Mario Draghi hatte am Montag erklärt, dass sich die Notenbank vorstellen könnte, dreijährige Staatsanleihen aufzukaufen, um Euro-Länder zu unterstützen, die sich schwer am Markt finanzieren könnten.

Mythos

“Die EZB schafft diesen Mythos, wonach sie den Bondsmarkt unterstützen und dadurch das Bankensystem retten kann”, sagte Weinberg. “Letztendlich wird sich herausstellen, dass Banken rekapitalisiert werden müssen, wenn sie unterkapitalisiert sind, anstatt zu versuchen, den Markt so zu manipulieren, dass die Banken kein Kapitaladäquanz-Problem mehr haben.”

Zusammenfassend erklärte Weinberg: “Was Europa derzeit durchmacht ist viel eher mit einer Depression vergleichbar als mit Konjunkturzyklen, wie wir sie schon gesehen haben. Sie müssen drei Dinge tun: Sie müssen die Banken reparieren, die Banken reparieren und die Banken reparieren.”

Libor-Folgen

Allerdings hat die EZB bezüglich der Banken ganz anderes im Sinn: Mario Draghi will die Banken nach dem Skandal um Zinsmanipulationen an die Kandare nehmen. "Ich bin davon heute mehr überzeugt als je zuvor, dass wir eine scharfe Regulierung brauchen", sagte EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen am Dienstag auf einer Konferenz in Frankfurt. In den großen Finanzinstituten häufe sich das Fehlverhalten Einzelner. Das zeige, dass interne Kontrollen oder die externe Aufsicht nicht funktioniert hätten. "Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten sollten, werden die Auswirkungen der Libor-Manipulationen auf die Regulierung bei weitem noch nicht absehbar sein", warnte Asmussen mit Blick auf den Skandal um den weltweiten Referenz-Zinssatz Libor.

Österreich beteiligt sich an Allianz gegen Terrormiliz IS

Politik

Österreich beteiligt sich an Allianz gegen Terrormiliz IS

EU buttert 26 Milliarden in Verkehrs-Infrastruktur

International

EU buttert 26 Milliarden in Verkehrs-Infrastruktur

der polnische Finanzminister Mateusz Szczurek will 700 Milliarden für Investitionen in Europa. Alle 28 EU-Mitgliedsstaaten sollen einzahlen
 

International

Polen will 700-Milliarden-Investitionsfonds für Europa