Warum Frankreich in Ungnade fällt...

Warum Frankreich in Ungnade fällt...

Noch vertrauen die Investoren zwar der "Grande Nation" Frankreich und kaufen weiter fleißig Staatsanleihen des Landes. Allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die anhaltenden Negativschlagzeilen den Anlegern irgendwann deutlich auf die Stimmung schlagen.

"In Frankreich schlummern einige Probleme, die das Land durchaus ins Visier der Märkte rücken können", sagt Egbert Sauer, Rentenfondsmanager bei Lupus Alpha.

Er rechnet damit, dass die Bond-Renditen langfristig deutlich anziehen dürften. Bislang werfen zehnjährige französische Anleihen rund 2,3 Prozent ab und liegen damit nur leicht über den Renditen der Bundesanleihen, die gern als ultimativer sicherer Hafen angesteuert werden. Sollte sich die Situation in Italien und Spanien nicht bessern und Südeuropa weiterhin unter genauer Beobachtung stehen, könnte sich das Blatt für Frankreich aber wenden, prophezeit Sauer.

Anleger stellen sich (noch) blind und taub

Dass französische Anleihen trotz der schlechten Konjunkturdaten derzeit noch gefragt sind, führt Maxence Mormède von Allianz Global Investors (AGI) vor allem auf die hohe Liquidität der Papiere zurück. Die Titel sind ähnlich wie deutsche in sehr großen Summen handelbar und werden daher gern von institutionellen Anlegern gekauft. Die Warnsignale würden unter Anlegern vielfach nicht gerne wahrgenommen, erklärt der Leiter des Rentenmanagement.

Spätestens eine weitere Herabstufung der Bonität Frankreichs dürfte die Investoren aber aufschrecken, meint Torsten Gellert vom Brokerhaus FXCM. Die Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's haben dem Land im vergangenen Jahr bereits die Bestnote entzogen und den Ausblick auf negativ gesetzt. "Rutscht Frankreich im laufenden Quartal in die Rezession, wovon ich ausgehe, ist eine weitere Herabstufung wahrscheinlich", prognostiziert der Experte.

Die jüngsten Konjunkturdaten aus dem Euro-Raum machen jedenfalls wenig Hoffnung auf eine Trendwende. Die Wirtschaftsleistung in Frankreich sank nach einem Miniwachstum im Sommer im vierten Quartal 2012 um 0,3 Prozent. Experten erwarten, dass sich die Talfahrt fortsetzt. Die Regierung hat bereits eingeräumt, dass sie wegen der Wachstumsschwäche wohl ihr Defizitziel verfehlen wird. Eigentlich sollte die Neuverschuldung in diesem Jahr nicht über die Grenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukt steigen.

Frankreich nicht wettbewerbsfähig

Die Staatsausgaben in Frankreich gehören mit 57 Prozent der Wirtschaftsleistung zu den höchsten in den Industrieländern. Zugleich ist das Verarbeitende Gewerbe auf dem absteigenden Ast, weil die Wettbewerbsfähigkeit des Landes sinkt. Hinzu kommt, dass es in Frankreich - anders als in Spanien oder Italien - keine Reformstimmung gebe, sagt Mormède von AGI. Die bisherigen Maßnahmen - zum Beispiel im Arbeitsmarktbereich - seien noch lange nicht ausreichend.

Ähnlich sieht das die Landesbank Berlin: Die Reformpläne umfassten zwar unter anderem flexiblere Arbeitszeitmodelle - wichtige Hemmnisse wie ein hoher Anteil befristeter Arbeitsverträge würde aber weitestgehend außen vor gelassen, heißt es in einem Kommentar. "Vermutlich wird Frankreich erst dann verstärkt seine Probleme angehen, wenn der Druck von Seiten der Finanzmärkte steigt," meint Sauer von Lupus Alpha.

Dann würde aber auch in Sachen Euro-Krise ein ganz neues Kapitel aufgeschlagen: Sollte Frankreich irgendwann Hilfe von seinen EU-Partnern benötigen, dürfte das für Deutschland laut Sauer richtig teuer werden. "Denn das Konzept ist ja, dass der Rettungsschirm EMS von Frankreich finanziell mitgetragen wird und nicht, dass der Staat irgendwann selbst darunter schlüpft."

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