"Warum beitreten? Der Euro ist vollkommen unattraktiv"

"Warum beitreten? Der Euro ist vollkommen unattraktiv"

Kurz vor der im Oktober anstehenden litauischen Parlamentswahl ist von einer Einführung des Euro kaum die Rede. Die Politiker wissen um die skeptische Einstellung der Wähler zur Gemeinschaftswährung. Doch dass ist nicht nur in Litauen so.

Laut einer Eurobarometer-Umfrage waren im April 51 Prozent der Litauer gegen die Euro-Einführung. Im Mai 2008 waren es 47 Prozent gewesen. Der baltische Staat werde die Nationalwährung Litas aufgeben “wenn die Eurozone bereit ist”, sagte Ministerpräsident Andrius Kubilius am 28. August. Damit stellte er die bisherige Zielvorgabe in Frage. Eigentlich wollte Litauen bis 2014 der Eurozone beitreten.

Im Nachbarland Lettland hält die Regierung am Ziel fest, den Euro 2014 einzuführen, doch die Zustimmung in der Bevölkerung ist auf ein Rekordtief gesunken. 59 Prozent der Letten waren im August gegen die Euro-Einführung, nur 13 Prozent dafür. Dies geht aus einer Umfrage von SKDS unter 1003 Befragten mit einer Fehlermarge von drei Prozentpunkten hervor. So niedrig lag der Anteil der Befürworter noch nie.

Lettland und Litauen gehören nach Rekordeinschnitten im Haushalt in den Jahren 2009 und 2010 zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Europäischen Union. Ihr Appetit auf den Euro geht angesichts der seit drei Jahren anhaltenden Schuldenkrise in der Eurozone jedoch zurück.

"Teure Rettungspakete, wenn man einen Beitrag leisten muss"

“Die Attraktivität der Eurozone ist durch die Eurokrise klar in Mitleidenschaft gezogen worden”, sagte Christian Schulz, Leitender Ökonom bei der Berenberg Bank in London. “Diese Rettungspakete sehen teuer aus, wenn man einen Beitrag dazu leisten muss”, setzte er hinzu.

Die lettische Wirtschaftsentwicklung lässt mit einem Plus von fünf Prozent im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr die des Nachbarn Estland, der den Euro 2011 einführte, hinter sich. Das litauische Bruttoinlandsprodukt wuchs, genau wie das estnische, um 2,2 Prozent.

“Es ist klar, dass noch mehr Leute fragen werden ’Warum beitreten?’, wenn alles, was sie aus der Eurozone hören, Krise, Krise und noch mehr Krise ist”, sagte der lettische Ministerpräsident Valdis Dombrovskis am 14. September auf einer Konferenz in Riga.

Die baltische Skepsis spiegelt die Befürchtungen wider, die in der Region im Hinblick auf den Euro herrschen. Bulgarien hat seine Pläne, den Lew abzuschaffen, auf unbestimmte Zeit vertagt, wie Ministerpräsident Boyko Borisov dem Wall Street Journal in einem am 4. September veröffentlichten Interview mitteilte. Das Nachbarland Rumänien wird den Euroeinführungs-Zeitplan für 2015 nach den für Dezember angekündigten Wahlen überdenken.

Ungarn: Nicht vor 2018

Polen, das vor drei Jahren seine Pläne, der Eurozone 2013 beizutreten, auf Eis gelegt hat, hält den Euro für “vollkommen unattraktiv”, wie Ministerpräsident Donald Tusk im Juli formulierte. Ungarn wird die Gemeinschaftswährung nicht vor 2018 einführen, sagte Regierungschef Viktor Orban im März. Der tschechische Ministerpräsident Petr Necas besteht vor einem etwaigen Beitritt auf einer Volksbefragung. Vor 2020 soll sein Land auf keinen Fall den Euro übernehmen.

Polen, die größte EU-Volkswirtschaft Osteuropas, hat von dem flexiblen Kurs des Zloty profitiert, der die polnischen Exporte attraktiver gemacht hat. Das BIP-Wachstum könnte dieses Jahr 2,5 Prozent betragen - das BIP der Eurozone wird nach einer Prognose der Europäischen Zentralbank um 0,4 Prozent schrumpfen.

Hinzu kommt, dass Länder, die die gemeinsame Währung nicht eingeführt haben, sich nicht an der Rettung von schuldengebeutelten Nationen wie Griechenland und Portugal beteiligen müssen. Die Euroländer Slowakei, Slowenien und Estland könnten gezwungen sein, 5,8 Mrd. Euro, drei Mrd. Euro und 1,3 Mrd. Euro zum Europäischen Stabilitätsmechanismus beizutragen, sollten die dort bereitstehenden Mittel vollständig abgerufen werden. Das geht aus dem ESM-Vertrag hervor.

Euro-Einführung "weiterhin sinnvoll"

Im Fall Estlands hat die Euro-Einführung nach Auffassung von Zentralbank und Regierung allerdings auch dazu beigetragen, das Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr auf 7,6 Prozent hochzutreiben. Gestiegene Bruttoanlageinvestitionen und niedrigere Kreditkosten ermöglichten die höchste Wachstumsrate in der EU. Die Refinanzierungskosten der Banken sind in Estland um bis zu 100 Basispunkte, oder einen Prozentpunkt, günstiger als in Lettland und Litauen, wie Riho Unt, Leiter der SEB AB- Filiale in Tallinn, im Mai sagte.

Obwohl es politisch problematisch sei, sei die Euro-Einführung von einem wirtschaftlichen Standpunkt aus “weiterhin sinnvoll”, da die baltischen Nationen bei einer neuen Krise ein Recht auf Rettungspakete hätten, argumentiert Schulz.

Der Euro bleibe Litauens “strategisches Ziel”, sagte Kubilius, dessen Partei bei einer Wahlumfrage von Sypter Tyrimai für den Internetnachrichtenanbieter Delfi im Juli mit einen Anteil von 7,7 Prozent als viertstärkste politische Kraft im Land gehandelt wurde. “Ich würde zum Zeitpunkt unseres Beitritts gern eine klarere und stabilere Situation in der Eurozone sehen”, fügte er am 28. August hinzu. Kubilius’ schärfster Rivale, der Sozialdemokrat Algirdas Butkevicius, dessen Partei in der Umfrage 17,9 Prozent erhielt, nennt eine Euro-Einführung 2014 unrealistisch. Er empfiehlt, ein oder zwei Jahre länger zu warten.

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