Wäre Griechenland ohne Euro besser dran?

Wäre Griechenland ohne Euro besser dran?

Den Euro in der Tasche, aber Schluss mit schmerzhaften Reformen? Umfragen zufolge ist das die Hoffnung vieler Griechen.

Bei dem Wunsch wird es wohl bleiben, denn die anderen Euro-Staaten haben unmissverständlich klargemacht, dass sie bei einer Abkehr vom Reformkurs den Geldhahn zudrehen werden. Nach der gescheiterten Regierungsbildung stehen erneut Parlamentswahlen an. Die Bürger müssen sich letztlich entscheiden, ob sie den Euro behalten oder die Reformen aufgeben wollen - und zur Drachme zurückkehren. Welcher Weg wäre der bessere? Die Frage ist heftig umstritten.

In der Drachme liegt die Zukunft

"Die Griechen gehören nicht in den Euro, das Land ist dem Druck einer Währungsunion mit Wirtschaftsriesen wie Deutschland nicht gewachsen." Vertreter dieser These verweisen vor allem auf die fehlende Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft, die zu teuer produziere und zu viele Agrar-, aber kaum Industrieprodukte im Angebot habe. Dem Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, zufolge haben die billigen Kredite, die der Euro dem Land gebracht hat, die Preise und Löhne zudem künstlich erhöht. Von dem Niveau müsse das Land herunter - mit der Drachme.

Sinn räumt ein, dass eine Rückkehr zur alten Währung mit erheblichen Turbulenzen verbunden wäre. Diese würden aber nur ein bis zwei Jahre dauern: "Nach einem kurzen Gewitter scheint die Sonne wieder", sagte er "Spiegel Online". Denn die Drachme würde zum Euro sofort massiv abwerten. Der Vorteil: Griechische Produkte würden sich massiv verbilligen, die Touristen kämen zurück und es flösse neues Kapital ins Land. Reiche Griechen würden wegen gesunkener Immobilienpreise und Löhnen ihre Milliarden zurückholen und wieder in Arbeitsplätze im eigenen Land investieren. Sinn zufolge müssten griechische Güter um 30 Prozent billiger werden, um etwa zur Türkei aufzuschließen.

Sonst droht das Chaos ...

Für andere Ökonomen sind diese Thesen dagegen blanker Unsinn. Abgesehen davon, dass eine Währungsumstellung, die vermutlich mit einem Staatsbankrott einhergehen würde, das Land in politisches und ökonomisches Chaos treiben könnte, verweisen sie auf die Erfolgsaussichten eines Reformkurses in der Euro-Zone. So rechnet der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Volker Schmieding vor, dass der Wert der griechischen Warenexporte 2011 um 37 Prozent gestiegen sei (ohne Ölprodukte: plus 9,5 Prozent). Zudem seien die Löhne in der Privatwirtschaft um 15 Prozent gesunken. "Griechenland kann sehr wohl im Euro seine Kosten senken und an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen", sagt Schmieding.

Außerdem seien die Lohnkosten ohnehin nicht das eigentliche Problem der Griechen, sondern die überbordende Bürokratie, die übermäßige Regulierungsdichte und der verkrustete Arbeitsmarkt. Würde das Land aus dem Euro aussteigen, wären die Chancen gering, dass weitere Strukturreformen beschlossen würden.

Hinzu kommt: Der griechische Staat kommt mit dem Geld, das er etwa durch Steuern einnimmt, nicht aus, um seine Ausgaben (ohne Zinsen) zu bezahlen. An diesem Primärdefizit ändert sich auch durch einen Staatsbankrott und eine Währungsreform nichts. Das Problem ist nur durch weitere Strukturreformen zu lösen.

Auch das Argument, eine Schwachwährung würde griechische Produkte im Ausland verbilligen, sehen die Euro-Befürworter entkräftet. Denn im Gegenzug würden sich die Importe massiv verteuern. Die dadurch ausgelöste Inflation könnte den Preisvorteil sofort zu einem großen Teil wieder zunichtemachen.

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