Wachstumslok Deutschland "gegen" den Rest – die Euro-Kluft wird größer

Wachstumslok Deutschland "gegen" den Rest – die Euro-Kluft wird größer

Während in Krisenstaaten wie Italien wegen der Rezession so viele Menschen ohne Job dastehen wie noch nie, nimmt die Konjunktur in Deutschland wieder Fahrt auf. Ein Lichtblick ist die sinkende Inflation. Sie gibt der Europäischen Zentralbank (EZB) Zeit, ihre lockere Geldpolitik fortzusetzen oder ihren Leitzins sogar weiter Richtung null zu drücken.

Im Jänner verloren 201.000 Beschäftigte in der Währungsunion ihren Job, teilte die Statistikbehörde Eurostat am Freitag mit. Die Arbeitslosenquote stieg dadurch um 0,1 Punkte auf den Rekordwert von 11,9 Prozent. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit 11,8 Prozent gerechnet. Innerhalb der Euro-Zone ist das Gefälle aber enorm: Österreich und Deutschland weisen mit jeweils rund fünf Prozent die niedrigste Arbeitslosigkeit aus, Griechenland und Spanien mit etwa 27 Prozent die höchste. Besonders schlechte Aussichten auf einen Job haben junge Leute: In Italien erreichte die Jugendarbeitslosigkeit mit 38,7 Prozent einen Rekordwert.

Rückenwind aus Asien

"An dieser wirtschaftlichen Spaltung zwischen den hoch verschuldeten südlichen Staaten und den Kernstaaten wird sich 2013 nicht viel ändern", befürchtet Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. Während Europas größte Volkswirtschaft Deutschland wieder auf Wachstumskurs ist, dürften Italien und Spanien frühestens in der zweiten Jahreshälfte die Rezession beenden.

Darauf deutet der Einkaufsmanagerindex für die Industrie hin. In Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland, Österreich und den Niederlanden schrumpften ihre Geschäfte im Februar erneut. Wachstum meldete neben Irland nur die deutsche Industrie, die damit ihre einjährige Durststrecke beendete. "Rückenwind erhielt sie vor allem durch die Konjunkturbelebung auf den asiatischen Märkten", sagte Markit-Ökonom Tim Moore. Dadurch stiegen die Exportaufträge so stark wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Aber auch die Binnennachfrage gewinnt an Fahrt: Die deutschen Einzelhändler meldeten zum Jahresauftakt das größte Umsatzplus seit mehr als sechs Jahren.

Industrie streicht 13. Monat in Folge Jobs

Die Wachstumslok Deutschland allein kann die Euro-Zone aber nicht aus der Krise ziehen. Der Einkaufsmanager für die Industrie der gesamten Währungsunion verharrte im Februar bei 47,9 Punkten. Damit signalisierte das Barometer bereits den 19. Monat in Folge schrumpfende, weil es unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten blieb. "Der Industriesektor dürfte die Euro-Konjunktur im ersten Quartal 2013 erneut belastet und dafür gesorgt haben, dass die Wirtschaftsleistung das vierte Quartal in Folge schrumpft", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Die Unternehmen strichen bereits den 13. Monat in Folge Stellen. Die EU-Kommission rechnet für dieses Jahr mit einem Anstieg der durchschnittlichen Arbeitslosenquote auf 12,2 Prozent. Erst 2014 soll sie wieder sinken, wenn auch nur minimal auf 12,1 Prozent. Grund dafür ist die schwere Wirtschaftskrise in der Währungsunion. Das Bruttoinlandsprodukt wird nach Prognose der Kommission in diesem Jahr mit einem Rückgang von 0,3 Prozent zum zweiten Mal in Folge sinken. Besonders düster sieht es in Griechenland, Spanien und Italien aus.

Wird die EZB nochmal aktiv?

Wegen dieser Flaute hat die EZB ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,75 Prozent gesenkt, was Konsum und Investitionen stimulieren soll. Die sinkende Inflation lässt ihr die Möglichkeit, die Zins ähnlich wie in den USA, Japan oder Großbritannien nahe null zu drücken. Die Teuerungsrate in der Euro-Zone fiel im Februar auf 1,8 Prozent. Damit herrscht weitgehend Preisstabilität, die die EZB bei Werten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet sieht. "Das gibt ihr definitiv noch Spielraum für Zinssenkungen", sagte Greg Fuzesi. Bei starkem Preisauftrieb birgt eine allzu lockere Geldpolitik die Gefahr, die Inflation zusätzlich anzuheizen.

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