Verhandlung ohne Biss: Mladic vergisst Zähne, verweigert dann die Aussage

Verhandlung ohne Biss: Mladic vergisst Zähne, verweigert dann die Aussage

Die Zeugenaussage des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic vor dem UNO-Tribunal für Ex-Jugoslawien verzögert sich. Der ehemalige Kriegsherr hat seine dritten Zähne im Gefängnis vergessen. Ex-Präsident Karadzic hat seinen einstiges Weggefährten als Entlastungszeugen vorgeladen. Mladic wollte aber auch mit Zähnen nicht aussagen.

"Ich bitte die Sicherheitsbeamten, meine Zähne zu holen, damit ich besser reden kann", sagte der 71-jährige Mladic am Dienstag vor dem Gericht in Den Haag. Mladic hatte sich unter starkem Protest bereit erklärt, gegen den früheren Serben-Führer Radovan Karadzic auszusagen. Beide stehen unter anderem wegen des Völkermordes von Srebrenica vor dem Tribunal.

Als die Zähne dann endlich saßen, antworte er aber auf keine Fragen des angeklagten Karadic: "Ich kann und will wegen meines gesundheitlichen Zustandes nicht aussagen", wiederholte Mladic auf jede Frage Karadzics. Er halte sich an sein Recht, aus gesundheitlichen Gründen und aufgrund seiner Rechte, als Angeklagter nicht die eigene Sache zu gefährden, nicht auszusagen, verlas Mladic immer einen Text, den offenbar seine Verteidiger vorbereitet hatten.

Entschuldige Radovan, das war nicht gegen dich gerichtet", meinte Mladic beim Verlassen des Gerichtssaals nach der kurzen Verhandlung. Das Gericht hatte es abgelehnt, dass Mladic einen weiteren, von ihm vorbereiteten siebenseitigen Text verliest. Mladic hatte darauf beharrt.

Lautstarker Protest gegen Vorladung
Zuvor ging es im Gerichtssaal aber bereits rund: "Ich erkenne dieses Gericht nicht an und kann vor ihm nicht aussagen", erklärte Mladic. Das UNO-Tribunal sei ein NATO-Gericht, ein Teufelsgericht setzte Mladic schreiend fort. Mladic Anwalt Branko Lukic meinte, ihn zu einer Aussage zu verpflichten, wäre ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Der Anwalt beantragte eine erneute ärztliche Untersuchung seines Mandanten. Er habe Angst vor niemanden, erklärte Mladic, der nach anfänglicher Weigerung in seine Vereidigung einwilligte. Danach kam die zahnlose Verzögerungstaktik zum Einsatz.

Anklagen wegen Völkermordes
Karadzic und Mladic müssen sich in getrennten Prozessen wegen dem Völkermordes an rund 8.000 bosnischen Muslimen in Srebrenica, wegen des dreijährigen Beschusses von Sarajevo und anderen Delikten verantworten. Karadzic wurde 2008 in Belgrad festgenommen. Er war unter falscher Identität als Heilpraktiker tätig. Mladic wurde im Mai 2011 in der serbischen Region Vojvodina gefasst. Er hatte sich bei einem Verwandten versteckt.

Karadzic will laut eigenen Ankündigungen Mladic vor allem zu den Kriegsverbrechen in Srebrenica und Sarajevo befragen. Konkret soll es um die Frage gehen, ob Karadzic als Präsident der bosnischen Serben von Mladic je über Massakerpläne informiert wurde.

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