USA sind sicher: Assad hat Schuld am Giftgas-Massaker in Syrien

USA sind sicher: Assad hat Schuld am Giftgas-Massaker in Syrien

Barack Obama will Syriens Staatschef Bashar al-Assad mit einem "begrenzten" Militärschlag bestrafen, vorher aber die Zustimmung des Kongresses einholen. Einen Teil der Geheimdienstinformationen, mit denen die Abgeordneten in den kommenden Tagen überzeugt werden sollen, machte das Weiße Haus nun öffentlich. Zudem sollen die USA nun Beweise für den Einsatz des Nervenkampfstoffes Sarin haben.

Die USA haben offenbar Beweise, dass im Bürgerkriegsland Syrien der Nervenkampfstoff Sarin eingesetzt wurde. Die USA hätten entsprechende Proben erhalten und diese positiv auf das Giftgas getestet, erklärte US-Außenminister John Kerry am Sonntag in einem Interview mit dem Nachrichtensender NBC: "Haar- und Blutproben sind positiv auf Spuren des Nervengases Sarin getestet worden." Die Proben seien nach dem Anschlag am 21. August im Osten der Hauptstadt Damaskus gesammelt worden, die USA hätten die Informationen in den vergangenen 24 Stunden erhalten, so Kerry.

Franzosen wollen Beweise veröffentlichen

Die französische Regierung will indes als geheim eingestufte Dokumente zum syrischen Chemiewaffen-Arsenal demnächst offenlegen. Das verlautete am Sonntag aus Regierungskreisen in Paris. Die Zeitung "Journal du Dimanche" hatte zuvor unter Berufung auf aktuelle französische Geheimdiensterkenntnisse berichtet, dass die syrischen Regierungstruppen über "mehrere hundert Tonnen Senfgas" und "Saringas" verfügten. Insgesamt habe Damaskus mehr als 1.000 Tonnen Chemiewaffen in seinen Lagern. Laut französischen Regierungskreisen sind diese Angaben aus einer Geheimdienst-Mitteilung "zutreffend".

Mehr als 1400 Todesopfer

Die syrischen Streitkräfte sollen in den frühen Morgenstunden des 21. Augusts mit Giftgas bestückte Raketen auf Vororte der Hauptstadt Damaskus abgefeuert haben. Nach US-Erkenntnissen wurden dabei mindestens 1429 Menschen getötet, darunter mindestens 426 Kinder. Etwa 3600 Menschen seien mit auf Nervengas hindeutenden Symptomen in drei Krankenhäuser eingeliefert worden.

Keine Zweifel an Assads Schuld

Die US-Geheimdienste gehen mit "hoher Gewissheit" davon aus, dass die syrische Armee hinter der Attacke steht. Eine Schuld der Rebellen sei "höchst unwahrscheinlich". Die Kämpfer der Oppositionsbewegung hätten nicht die militärischen Fähigkeiten, größere Raketenangriffe mit chemischen Kampfstoffen auszuführen. Außerdem seien sie nicht in der Lage, die Vielzahl an Belegen für eine Giftgasattacke zu fälschen. Die USA lasten den Angriff Assad an, der als "endgültiger Entscheider" über das Chemiewaffenprogramm seiner Armee wache.

Beweise für Giftgasangriff

Die US-Geheimdienste werteten für den Bericht "mehrere nachrichtendienstliche Informationsflüsse" aus. Satellitenbilder bestätigten demnach, dass die Raketen mit dem Nervengas aus einem Gebiet abgefeuert wurden, das von der syrischen Armee kontrolliert wird. Agenten, elektronische Aufklärung und andere Quellen lieferten Hinweise, dass Assads Armee den Einsatz von Chemiewaffen vorbereitet habe.

In den Tagen vor der Attacke seien Einheiten an einem Ort im Einsatz gewesen, an dem die syrischen Streitkräfte chemische Kampfstoffe mischten. Am 21. August hätten sich dann Regierungstruppen in der Nähe von Damaskus für einen bevorstehenden Chemiewaffenangriff gewappnet, unter anderem mit Gasmasken.

Die US-Geheimdienste werteten außerdem rund 100 Videos aus, die nach der Attacke aufgenommen worden sein sollen. Die Aufnahmen zeigen den Angaben zufolge Opfer mit Symptomen eines Nervengasangriffs wie Bewusstlosigkeit, Schaum vor dem Mund und Atembeschwerden. Die Leichen hätten keine sichtbaren äußeren Verletzungen aufgewiesen. Syrische Krankenhäuser und internationale Mediziner bestätigten demnach die Symptome.

Die USA fingen nach eigenen Angaben eine nicht näher bezeichnete "Kommunikation" ab, in der ein ranghoher syrischer Vertreter den Einsatz von Chemiewaffen bestätigte. Der Vertreter habe sich besorgt gezeigt, dass UNO-Inspektoren Beweise für die Attacke finden könnten. Den US-Geheimdiensten liegen demnach außerdem Informationen vor, dass die Chemiewaffeneinheiten am Nachmittag des 21. August angewiesen wurden, den Einsatz einzustellen.

Weitere Chemiewaffeneinsätze

Die US-Geheimdienste gehen davon aus, dass die syrischen Streitkräfte über verschiedene chemische Kampfstoffe verfügen, darunter Saringas, Senfgas und das Nervengas VX. Die Wahrscheinlichkeit sei sehr hoch, dass Assads Truppen im Laufe der vergangenen zwölf Monate bereits "mehrfach" Chemiewaffen eingesetzt hätten. Die früheren Giftgasattacken hätten aber nicht das Ausmaß des Angriffs am 21. August gehabt. Mit dem Einsatz chemischer Kampfstoffe hätten die Regierungstruppen in besonders umkämpften Gebieten die Oberhand gewinnen wollen.

Assad: Können Angriff die Stirn bieten

Syriens Präsident Bashar al-Assad hat sich am Sonntag kämpferisch gezeigt. Syrien sei in der Lage, sich gegen einen Angriff aus dem Ausland zu wehren, zitierte das staatliche Fernsehen Assad. Der drohende Militärschlag der USA ändere nichts an den Prinzipien des Landes. Auch der Kampf gegen "Terroristen", die von einigen Ländern der Region sowie der USA unterstützt würden, würde nicht gestoppt.

Die syrische Opposition beschuldigte das Regime von Präsident Baschar al-Assad unterdessen, Zivilisten als menschliche Schutzschilde gegen einen US-Militärschlag zu missbrauchen. Soldaten sowie Raketen und Luftabwehrwaffen seien dazu in Schulen, Studentenwohnheime und Verwaltungsgebäude in den Städten verlegt worden, teilte das Oppositionsbündnis am Sonntag in Istanbul mit. Zudem seien Gefangene auf Militärstützpunkte gebracht worden. Die Regierung hoffe so, die USA vor Luftangriffen auf solche Ziele aus Angst vor zivilen Opfern abzuhalten.

Die Angaben zur Lage in Syrien können kaum überprüft werden, da die Arbeit ausländischer Medien eingeschränkt ist. Einwohnern zufolge haben sich jedoch zuletzt Tausende Soldaten und Kämpfer Assad-treuer Milizen in Wohngebiete in Damaskus begeben, um einem US-Angriff zu entkommen.

Russland ist absolut nicht überzeugt

Die russische Regierung ist weiterhin nicht überzeugt von den Vorwürfen westlicher Staaten zum Einsatz von Chemiewaffen in Syrien. "Was uns zuvor und kürzlich von unseren amerikanischen Partnern, sowie den Briten und Franzosen gezeigt wurde, überzeugt uns absolut nicht", sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Montag bei einem Universitätsvortrag in Moskau. Es blieben weiterhin "viele Zweifel" an den Berichten und Videos im Internet zu den mutmaßlichen Chemiewaffenangriffen bei der syrischen Hauptstadt Damaskus.

Außerdem könne, so die russische Regierung, ein möglicher Militärschlag gegen das syrische Regime die neue Friedenskonferenz in Genf gefährde. Die Chance auf das seit Monaten geplante Treffen rücke in diesem Falle in weite Ferne und sei möglicherweise für immer vorbei, sagte Lawrow am Montag der Agentur Interfax zufolge in Moskau.

Es gebe zwar weiterhin die Möglichkeit einer politischen Lösung. "Aber je länger wir dies hinauszögern, je länger die Opposition nicht zur Teilnahme an der Konferenz überredet werden kann, desto mehr Opfer in der Zivilbevölkerung werden wir sehen", betonte Lawrow. "Wir sind weiter davon überzeugt, dass es keine Alternative zu einer politischen Regulierung gibt."

Lawrow warf den "Befürwortern einer militärischen Lösung" vor, kein Interesse an den Ergebnissen der UNO-Inspektion zum möglichen Giftgaseinsatz in Syrien zu haben. Die Anschuldigungen gegen die Führung von Präsident Bashar al-Assad seien "durch nichts gerechtfertigt", sagte der Minister.

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