US-Wahltagebuch: Zahlenspiele

US-Wahltagebuch: Zahlenspiele

Wer 270 Wahlmännerstimmen erreicht, zieht ins Weiße Haus ein. Präsident Obama ist dem Ziel näher, doch hoch dotierte Bundesstaaten neigen sich in Richtung Mitt Romney.

Sechs Tage vor der Wahl steht der Osten der USA vor den Trümmern des Hurrikans Sandy. Mindestens 50 Menschenleben forderte der Tropensturm in den USA, weite Teile der Küste New Jerseys sind verwüstet.

Während Präsident Obama in ungewohnter Eintracht mit Gouverneur Chris Christie die betroffenen Gebiete besucht, geht für die Wahlkampfteams das Zahlenspiel weiter.

Mitt Romney versucht sich zwar am Wahlkampf in Florida und Ohio. Doch während einer nationalen Katastrophe die Werbetrommel für sich selbst zu rühren, ist ein schwieriges Unterfangen. Dass Romney die FEMA auflösen will, hilft bei der positiven Verbreitung seiner Botschaft auch nicht gerade - vor allem nicht in Florida, über das regelmäßig Hurrikans hereinziehen.

Rot, blau, rosa, hellblau

Laut Einschätzung der New York Times sind Obama 185 Wahlmänner sicher, Romney kann auf 180 zählen. Die Washington Post sieht den Präsidenten mit 186 fixen Wahlmännern, Romney mit 170. Unterschiedlicher Ansicht sind die Zeitungen über Missouri, das für die Times eindeutig „rot“ ist, für die Post zu rot tendiert. Zu den „sicheren“ Staaten zählen unter anderem Kalifornien und Massachusetts, wo Obamas Führung zweistellig ist. Romney ist unter anderem in Texas zweistellig vorne.

Für den Einzug ins Weiße Haus sind 270 Wahlmännerstimmen notwendig. Zusammen mit den Bundesstaaten, die demokratisch tendieren, hält der Präsident bei 243 Wahlmännern, Romney kommt auf 206. Auf Obamas Seite sind Nevada (6), Minnesota (10), New Mexico (5), Michigan (16) und Pennsylvania (20) sowie einer von zwei Wahlbezirken des Bundesstaates Maine (1). Laut Einschätzung der Post ist das Rennen in Nevada weit offen, dafür gehen nach Ansicht der Washingtoner beide Wahlmänner aus Maine an Obama.

Steilerer Weg für Romney

Bundesstaaten, die zum Romney tendieren, sind North Carolina (15) und Arizona (11). Geht man davon aus, dass die beiden als sicher gelten, fehlen Romney noch 64 Wahlmännerstimmen. Damit bleibt dem ehemaligen Gouverneur von Massachusetts nicht viel Spielraum in den Swing States. Siege in Florida (29), Ohio (18) und Virginia (13) würden ihm 60 Wahlmänner einbringen, gemeinsam mit einem weiteren „kleinen“ Bundesstaat, wie etwa New Hampshire (4), wäre sein Weg ins Weiße Haus geebnet.

Obama fehlen nur 27 Wahlmänner, vorausgesetzt, alle demokratisch prognostizierten Bundesstaaten wählen entsprechend. Damit würde ein Sieg in Florida alleine für seine Wiederwahl genügen. Noch nicht aufgegeben haben die Demokraten North Carolina, das 2008 überraschend „blau“ wurde. Dennoch gilt ein Sieg Obamas im Tarheel State als unerwartet. Sollte Obama Florida und Virginia verlieren – beide Bundesstaaten zeigen eine leichte Romney-Tendenz – und auch noch Ohio abgeben, dafür aber Nevada (6), Iowa (6), New Hampshire (2), Colorado (9) und Wisconsin (10) gewinnen, würde sich die Rechnung für den Präsidenten ebenfalls ausgehen. Aus Sicht Romneys wäre ein solches Ergebnis besonders bitter, da er es trotz Sieges in den drei hoch dotierten Swing States nicht ins Weiße Haus schaffen würde.

Letzte Umfragen

Zur derzeit leichten Führung Romneys in Florida und Virginia – wenngleich sich die Medien darüber nicht ganz einig sind –, kommt ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Colorado. Obama liegt nach aktuellen Prognosen in Paul Ryans Heimat Wisconsin vorne, ebenso in Iowa und New Hampshire. In Ohio scheint die im landesweiten Vergleich bessere wirtschaftliche Situation für Obama zu sprechen. Dort ist immerhin knapp die Hälfte der weißen Wähler mit Uni-Abschluss überzeugt, dass die Wirtschaft wieder anzieht.

Diskutiert wurde in den letzten Wochen immer wieder die Möglichkeit, dass Obama zwar einen Sieg nach Wahlmännern erreichen könnte, die Mehrheit der Amerikaner aber trotzdem Romney wählt. Obama müsste dafür in Bundesstaaten, die außerhalb seiner Reichweite liegen, stark verlieren und ebenso in demokratischen Hochburgen nachlassen, so die Einschätzung des zur Times gehörigen Politik-Blogs FiveThirtyEight. Am Ergebnis würde ein „kleiner“ Sieg freilich nichts ändern. Auch George W. Bush hatte bei der Wahl 2000 eine halbe Million weniger Stimmen als sein Herausforderer Al Gore. Doch 217 Wahlmänner genügten bei Bush für den Sieg.

FORMAT-Journalistin Alexandra Riegler begleitet den US-Wahlkampf und berichtet täglich aus den USA.

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