US-Wahltagebuch: "Aber wisst ihr was? Manchmal muss man kämpfen"

US-Wahltagebuch: "Aber wisst ihr was? Manchmal muss man kämpfen"

Madison, Wisconsin, ist für den Präsidenten ein Heimspiel. „Wenn Sie in Madison wohnen, dann glauben sie, dass alle Obama wählen“, sagt die Taxifahrerin. Vor der Stadtgrenze und draußen am Land ist alles anders.

Neben der Autobahn in Richtung Milwaukee stecken fast ausschließlich Romney/Ryan-Schilder in den Feldern. Auf einem steht: „Ehrlichkeit: Romney & Ryan“, auf einem anderen „Wie läuft es jetzt mit der Hoffnung und Veränderung?“ Die Leute würden glauben, dass mit dem jeweils anderen Kandidaten die Welt untergeht, sagt die Taxifahrerin: „Das ist doch völlig verrückt.“

Warten auf Obama

Ein paar Hartgesottene warten in Madison seit Mitternacht auf Obama. Es ist der letzte Wahlkampftag, in 36 Stunden schon kann der neue Präsident feststehen. Um sieben Uhr werden die Absperrungen zum Capitol Square geöffnet und die Massen strömen auf den Platz. Es hat minus zwei Grad, ein eisiger Wind bläst. Obama kommt um Viertel vor elf.

Dazwischen wird die Menge mit U2 und Florence + The Machine beschallt, Wasserflaschen gehen durch die Reihen, viele fotografieren und betrachten danach den unbeweglichen Upload-Balken auf Facebook, weil das mobile Datennetz überfordert und später überhaupt außer Betrieb ist. Auf den Dächern sind Sicherheitsleute in Position. Ein Mann erzählt, dass er 1964 schon hier war, um Barry Goldwater zu sehen, der im Präsidentschaftswahlkampf gegen Lyndon Johnson antrat. Niemand im Umkreis murrt über die Warterei in der Kälte.

„Er versteht sich sogar mit Boehner!“

Der Goldwater-Zeitzeuge politisiert mit einem pensionierten Polizisten. Die Tea Party, sagt er, sei so Anti-Establishment, dass sie gar nicht merken würden, dass auch bei den Republikanern nur die Eliten die Entscheidungen treffen. Die beiden reden über den Einfluss von Wall Street und Super PACs und dass die Amtsgewalt des Präsidenten nicht zu unterschätzen sei. Der Polizist erzählt, dass Obama hinter den Kulissen so hart arbeiten würde wie kein zweiter. Aber er sei keiner, der damit vor die Öffentlichkeit tritt, um seine Lorbeeren abzuholen. „Er versteht sich sogar mit Boehner!“, so der Polizist über das Verhältnis zum.

Bruce Springsteen wärmt die Menge schließlich für Obama auf. Er singt „No Surrender“, sagt, dass seine Songs von dem Unterschied zwischen amerikanischem Traum und amerikanischer Wirklichkeit handeln würden: „Morgen ist eure Chance, diesen Unterschied zu bestimmen.“ Dann kommt Obama auf die Bühne und die Menge aus 18.000 Leuten tobt.

...unter Freunden

Obama erzählt nichts Neues in Madison. Dass die Arbeit noch nicht getan sei, dass die Nation ohne Mittelklasse keinen Erfolg haben würde. „Noch vier Jahre“ schreit einer, andere stimmen ein. „Ihr habt Grund mir zu glauben, ihr habt gesehen wie ich gekämpft habe. Schaut meine grauen Haare an!“ Wichtiger als neue Inhalte ist für seine Anhänger Begeisterung. Diese mussten sich seit Monaten anhören, wie blutleer ihr Hoffnungspräsident sei; der Community Organizer, der in sich zusammensackte als es ans Regieren ging. Viele scheinen gekommen, um sich den Kick zu holen, dass ihr Präsident noch der Coole ist.

Obama muss in Madison nicht überzeugen. Er versucht wie unter Freunden zu sprechen und seine Seitenhiebe auf Romney wirken weniger bemüht als Begriffe wie „Romnesia“. Er spricht über Überparteilichkeit, aber auch über die Notwendigkeit, für Prinzipen einzutreten: „Aber wisst ihr was? Manchmal muss man kämpfen.“

Nach der Kundgebung ist für kurze Zeit Volksfest in der Innenstadt. Ein Feinkostladen, zwei Blocks vom Veranstaltungsort entfernt, kann sich vor Kunden kaum erwehren. Der Besitzer meint, das könnte er jeden Tag gebrauchen: „Ein Hilfspaket für kleine Unternehmen. Vielen Dank, Obama!

FORMAT-Journalistin Alexandra Riegler begleitet den US-Wahlkampf und berichtet täglich aus den USA.

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