US-Hypotheken werden spürbar teurer – kann der Verbraucher das wegstecken?

US-Hypotheken werden spürbar teurer – kann der Verbraucher das wegstecken?

Im Juli war die Stimmung der Konsumenten so gut wie seit sechs Jahren nicht mehr, im August allerdings sackte das Barometer überraschend ab. Fachleute rätseln nun, ob ausgerechnet die langersehnte Erholung am Immobilienmarkt den Amerikanern auf den Magen schlägt. Denn nicht nur die Häuserpreise steigen derzeit, auch die Hypothekenzinsen ziehen an.

"Es mag sein, dass das die Stimmung der Verbraucher ein bisschen dämpft, aber der langfristige Trend zeigt deutlich nach oben", sagt der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ferdinand Fichtner. Dass Preise und auch Zinsen am Immobilienmarkt hochgingen, sei ein stabilisierendes Element und "auch ziemlich gesund", fügt er hinzu. "Denn es wäre niemandem damit geholfen, wenn die Hypothekenzinsen niedrig bleiben würden und wir bald wieder eine neue Immobilienblase hätten."

Banken und Hypothekenfinanzierer setzten darauf, dass die US-Notenbank Fed ihren konjunkturstützenden Kurs zurückfahre und "dieses Mal rechtzeitig gegensteuert", sagt der DIW-Ökonom. Kritiker werfen dem früheren Fed-Chef Alan Greenspan vor, die Leitzinsen Anfang des Jahrtausends zu spät erhöht zu haben. Dies habe die Immobilienblase mitausgelöst, die dann die gesamte Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession stürzte.

Fed uneins – Hypothekenzinsen im Aufwind

Derzeit kauft die Fed jeden Monat für 85 Milliarden Dollar Staats- und Immobilienpapiere und kurbelt damit die Wirtschaft an. Die Notenbanker können sich derzeit aber nicht zu einem klaren Signal durchringen, ob sie schon in diesem Herbst ihre Geldflut eindämmen. Einige Mitglieder plädieren dafür, die Käufe "bald ein wenig" zu drosseln, wie aus den Protokollen der Sitzung von Ende Juli hervorgeht. Andere mahnen zur Geduld beim Herunterfahren der Konjunkturhilfen.

Derweil stiegen die Zinsen für Häuslbauer zuletzt spürbar. Wer sich auf 30 Jahre festlegt, muss derzeit rund 4,4 Prozent zahlen - vor einem Jahr waren es nur 3,6 Prozent. Zinsen für Hypotheken-Kredite mit einer Laufzeit von 15 Jahren kletterten auf 3,4 von 2,9 Prozent. Die Ökonomen der Commerzbank fürchten deshalb aber keinen nennenswerten Rückschlag für den Aufschwung beim Wohnungsbau. "Denn Eigenheime bleiben eine attraktive Geldanlage trotz der höheren Finanzierungskosten, da sich die Häuserpreise inzwischen in einem robusten Aufwärtstrend befinden", betont Bernd Weidensteiner, der die US-Konjunktur für die Commerzbank unter die Lupe nimmt.

Die Preise zogen zuletzt aber so kräftig an, dass sich viele Ausländer von Käufen abschrecken lassen. Branchenexperten und Immobilienmaklern zufolge bleibt die Nachfrage von Amerikanern dennoch stabil. "Die Hypothekenzinsen müssten stärker steigen, um richtigen Schaden beim Verbrauchervertrauen anzurichten", sagt Weidensteiner.

Sparquote noch immer niedrig – gut für den Konsum

Nach Ansicht der Bundesbank legen die Ausgaben der US-Verbraucher weiter ordentlich zu. "Insgesamt haben die Konsumenten die umfangreichen Erhöhungen von Steuern und Abgaben zum Jahresbeginn gut verkraftet", heißt es im jüngsten Monatsbericht. Die Haushalte hätten ihre deutlichen Einkommenszuwächse genutzt, um wieder mehr Geld auf die hohe Kante zu legen. Die Sparquote stieg im Frühjahrsquartal leicht auf 4,5 Prozent. DIW-Fachmann Fichtner hält das für ein immer noch niedriges Niveau. "Das tut dem privaten Konsum gut." Zum Höhepunkt der Finanzkrise lag die Quote im Frühjahr 2009 auf dem 14-Jahres-Hoch von 7,1 Prozent, zuletzt pendelte sie zwischen fünf und sechs Prozent.

Fichtner sieht weitere Signale dafür, dass viele Verbraucher die Rückschläge nach dem Platzen der Immobilienblase und der tiefen Rezession weggesteckt haben. "Die wichtige Botschaft ist, dass die privaten Haushalte ihren Schuldenberg doch ziemlich zurückgefahren haben - insgesamt und im Verhältnis zum Einkommen." Dies werde den Konsum auch in den nächsten Quartalen ankurbeln. Das gilt als immens wichtig, denn rund 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung entfallen auf die Ausgaben der privaten Haushalte.

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