Unnötig und selbstherrlich – Erdogans "verrückte" Projekte

Unnötig und selbstherrlich – Erdogans "verrückte" Projekte

Erdogan hat dabei vor allem den Blick auf das 100. Gründungsjubiläum der Türkischen Republik 2023 gerichtet. Seine Gegner sprechen von überstürzten, unnötigen und selbstherrlichen Vorhaben. In türkischen Großstädten haben sich Demonstranten und Polizisten bis weit in die Nacht zum Montag Straßenschlachten geliefert.

Kanal Istanbul: Westlich des europäischen Teils der 15-Millionen-Metropole will Erdogan eine neue Verbindung zwischen dem Marmara-Meer und dem Schwarzen Meer graben lassen. Der Ministerpräsident selbst hat das Vorhaben öffentlich als "verrücktes Projekt" bezeichnet, das die Schifffahrt auf dem Bosporus entlasten solle. Kritiker warnen vor unabsehbaren Folgen für die Umwelt.

Neuer Flughafen: Nördlich von Istanbul will Erdogans Regierung in den kommenden Jahren den mit einer Kapazität von 150 Millionen Passagieren größten Flughafen der Welt aus dem Boden stampfen lassen. Der Transportknoten mit sechs Startbahnen soll die bestehenden beiden Istanbuler Flughäfen ersetzen und die türkische Metropole zu einem Drehkreuz von Weltrang machen.

Olympia-Stadt: Falls Istanbul in diesem Herbst den Zuschlag für die Ausrichtung der Olympischen Spiele im Jahr 2020 erhält, will Erdogan gleich neben dem neuen Flughafen eine ganz neue Stadt mit Stadion und Olympischem Dorf bauen lassen. Bis zu eine Million Bewohner soll das neue Zentrum haben.

Neue Bosporus-Brücke: Vergangene Woche legte Erdogan den Grundstein für die "Yavuz Sultan Selim"-Brücke, die dritte Autobahnbrücke über die Bosporus-Meerenge. Die Brücke ist Teil eines neuen, 414 Kilometer langen Autobahnrings um Istanbul, der den Verkehr entlasten soll. Erdogans Kritiker beklagen, dass Hunderttausende Bäume für die Autobahn gefällt werden müssen.

Camlica-Moschee: Auf dem Ausflugshügel Camlica auf der asiatischen Seite von Istanbul lässt die Regierung derzeit die mit 15.000 Quadratmetern Grundfläche größte Moschee der Türkei Bauen. Auf Erdogans ausdrücklichen Wunsch hin soll das riesige Gotteshaus von überall in Istanbul aus zu sehen sein. Die Opposition spricht von einem Symbol der Islamisierung, vor allem seit ein Minister aus Erdogans Regierung erklärte, die Moschee versinnbildliche die Regierung der islamisch-konservativen AKP.

Gezi-Park: An diesem Projekt entzündeten sich die Unruhen in der vergangenen Woche. Die von Erdogans Regierungspartei AKP gebildete Stadtregierung will auf dem Gelände des Parks ein Kasernengebäude aus dem 18. Jahrhundert wieder errichten lassen, das 1940 abgetragen worden war. In dem neuen Gebäude sollen Cafés, Museen und vielleicht auch ein Einkaufszentrum untergebracht werden. Die Demonstranten argumentieren, damit werde Istanbul eine der letzten Grünflächen in der Innenstadt verlieren.

Taksim-Erneuerung: Dieses Projekt hängt mit dem im Gezi-Park zusammen. Erdogans Regierung hatte schon im November mit dem Bau von Straßentunneln begonnen, mit denen der Verkehr auf dem zentralen Platz von Istanbul unter die Erde verlagert werden soll. Der Platz selbst soll dann den Fußgängern vorbehalten sein. Gegner sprechen von einer Beton-Aktion, die mit niemandem abgesprochen worden sei.

Tarlabasi-Projekt: In dem Istanbuler Stadtviertel Tarlabasi in der Nähe des Taksim-Platzes wohnen derzeit viele Sinti und Roma sowie Kurden und Flüchtlinge in teilweise sehr heruntergekommenen Häusern. Erdogans Regierung will das Viertel modernisieren und verspricht, Tarlabasi zu einem der beliebtesten Stadtviertel von Istanbul überhaupt zu machen. Kritiker wenden aber ein, dass die Wohnungen im neuen Tarlabasi für die derzeitigen Bewohner viel zu teuer würden und die ethnische Vielfalt des Viertels zerstört werde.

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