Ungarn blutet so stark wie Spanien

Ungarn blutet so stark wie Spanien

In Osteuropa ist Ungarn mit seiner umstrittenen Banken- und Kreditpolitik ein Ausreißer, der die ganze Statistik der Region beeinträchtigt: Vom 3. Quartal 2011 bis zum 2. Quartal 2012 haben die globalen Banken ihr Exposure in Ungarn um 18 Mrd. Dollar (14 Mrd. Euro) reduziert. Das waren 14,2 Prozent des ungarischen BIP.

Zum Vergleich: In Spanien war es in Summe zehnmal soviel, der dort durch die Auslandsbanken erfolgte Kreditabbau um 191 Mrd. Dollar entsprach aber ebenfalls 14,3 Prozent der Wertschöpfung des Landes. Zu diesem Urteil kommt die Erste Group in einer "Deleveraging"-Studie.

Insgesamt zogen Auslandsinvestoren vom 3. Quartal 2011 bis Ende des 2. Quartals 2012 aus Spanien Mittel in Höhe von 26,4 Prozent des BIP ab. In Griechenland waren das 36 Prozent und in Portugal fast 40 Prozent. Dort mussten Zentralbank- und andere öffentliche Gelder die größten Lücken schließen.

Im internationalen Vergleich lief in Osteuropa der länderübergreifende Kreditabbau mit 4 Prozent des BIP moderat. Weil die meisten Länder der Region ihren Bedarf an Außenfinanzierung massiv verringern konnten, sei die Region nun weniger stark von der globalen Abschwächung der Kapitalflüsse betroffen als in der Krise von 2008, betont die Erste. Die schwächeren Kapitalzuflüsse seien kein großes Risiko für die Stabilität der CEE-Region. Hier half auch, dass sich der Netto-Fluss an EU-Geldern in den letzten drei Jahren verdoppelte.

40 Prozent der Abflüsse entfallen auf Ungarn

Für ihre Studie hat die Erste Group die "CEE6" definiert - also Kroatien, Polen, Rumänien, Slowakei, Tschechien und Ungarn. Laut Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) haben ausländische Banken ihre Aktiva in den CEE6 im 2. Quartal 2012 um 8,6 Mrd. Dollar oder 0,8 Prozent des BIP und im Zwölfmonatsvergleich um 45 Mrd. Dollar (4 Prozent vom BIP) reduziert. Nicht weniger als 40 Prozent aller Abflüsse aus der Region seien auf Ungarn entfallen.

Diese 45 Mrd. Euro schienen gering, wenn man wisse, dass Europas Banken unter starkem Druck der Regulierer stünden, so Erste-CEE-Ökonom Juraj Kotian, und vor allem im Vergleich zum Kreditabbau in der Eurozonen-Peripherie - also in den Euro-Krisenländern, wo es um 600 Mrd. Dollar ginge.

Einige Sorgen beschäftigen die Erste-Experten aber doch: Die Struktur des Auslandskapitals habe sich im Osten verändert, was ein potenzielles Risiko sei. Erhöhte Finanzinvestitionen könnten bei einem nächsten Schock - also bei einem globalen Abverkauf - nach hinten losgehen und die Volatilität wieder erhöhen. Das gelte vor allem für Länder, deren Staatsanleihen zu einem hohen Teil von Ausländern gehalten würden. Neben Polen ist das wieder Ungarn.

Öffentlicher Sektor bevorzugt

Sorgen macht der Ersten zudem, dass zur Zeit weniger Auslandskapital über Kredite oder Direktinvestitionen in den Privatsektor im Osten fließt, sondern über Staatsanleihen und EU-Gelder mehr in den öffentlichen Sektor. Das könnte eine Gefahr für das Wirtschaftswachstum bedeuten.

Die "Deleveraging"-Zahlen bis zum heurigen Sommer sind für die Erste-Experten allerdings nicht dramatisch, noch weniger, wenn man auf alle Kapitalströme blicke: So hätten im 2. Quartal heuer Auslandsinvestoren nur 3 Mrd. Euro aus CEE abgezogen, rechnete die Erste vor, um Zentralbankverbindlichkeiten bereinigt sogar nur 1,5 Mrd. Euro oder 0,2 Prozent des BIP. Zum Vergleich: Diese Abflüsse lagen in Portugal bei den erwähnten insgesamt fast 40 Prozent und in Spanien von 26,4 Prozent.

Im Osten glichen starke Zuflüsse aus Finanzinvestitionen von 4,6 Mrd. Euro (0,5 Prozent des BIP) die Kapitalabflüsse aus anderen Investitionen (-7,6 Mrd. Euro oder -0,9 Prozent vom BIP) zu mehr als der Hälfte aus. Zum größten Teil waren das freilich Kapitalflüsse innerhalb des Bankensektors.

Österreichische, deutsche und italienische Banken hätten, jedenfalls nach EZB-Daten - ihre Kreditvergabe an die "CEE5"-Länder (ohne Ungarn) relativ stabil gehalten, heißt es in der Studie. In Ungarn wurden die Positionen gekürzt.

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