Unabhängiges Katalonien wäre wirtschaftlicher Suizid

Unabhängiges Katalonien wäre wirtschaftlicher Suizid

Doch unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise, hoher Arbeitslosigkeit und vor allem der Ablehnung Spaniens, einen neuen und günstigeren Fiskalpakt für Katalonien zu schnüren, haben die separatistischen Forderungen auch innerhalb der Bevölkerung großen Auftrieb erhalten.

Katalonien ist Spaniens wirtschaftsstärkste Region, gleichzeitig aber auch eine der am höchsten verschuldeten Regionen. So versuchen die in Katalonien regierenden Nationalisten den Wählern klar zu machen, dass die Staatskasse nur deshalb leer sei, weil man im Zuge des Finanzausgleichs zu viele Steuern an die spanische Zentralregierung und an die anderen Regionen abführen müsse.

Gegen die Einwände, ein unabhängiges Katalonien könne wirtschaftlich nicht überleben, wehrt sich Mas vehement. Katalonien wäre vom Bruttoinlandsprodukt der EU-Länder an siebter Stelle einzuordnen und Netto-Zahler. 28 Prozent der gesamten spanischen Exporte stamme aus Katalonien, welches 25,5 Prozent aller ausländischen Spanientouristen empfange, unterstreicht Mas regelmäßig im Wahlkampf. Das große Steuerdefizit von 15 Milliarden Euro habe man nur, weil durch den Finanzausgleich zu viele Steuern in ärmere spanische Regionen abfließen würden.

Nuria Bosch vom Wirtschaftsinstitut IEB der Universitat de Barcelona gibt Artur Mas Rückendeckung. Der ungerechte Finanzausgleich sei die Hauptursache für die Wirtschaftskrise in Katalonien. Katalonien sei mit Abstand der größte Nettozahler und zahle jedes Jahr rund 15 Milliarden Euro mehr in den Fonds ein, als es aus Madrid zurückbekomme.

„Spanien lebt auf Kosten der Katalanen, nicht umgekehrt“, stellt sie klar. Laut ihrer Studie würde ein unabhängiges Katalonien durch die Übernahme staatlicher Aufgaben wie in den Bereichen Verteidigung, Renten, diplomatische Vertretungen oder Gesundheitssystem rund 13,3 Milliarden Euro mehr Kosten haben. „Da die Steuereinnahmen allerdings höher wären, ist ein unabhängiges Katalonien aus dieser Sicht absolut realisierbar“, versichert Nuria Bosch.

Katalonien wäre nicht EU-Mitglied

Dabei geht sie allerdings davon aus, dass Katalonien weiterhin in der EU bleibt und es zu keinen Handelsverlusten mit Spanien kommt. Genau darauf könne Katalonien aber nicht spekulieren, meint hingegen Juan Ignacio Sanz vom ESADE-Wirtschaftsinstitut in Barcelona. Brüssel habe bereits bestätigt, dass Katalonien automatisch aus der EU ausscheiden würde.

Kataloniens hoch verschuldeten Banken hätten weder den Schutz der Europäischen Zentralbank, noch Zugang zu den Hilfsfonds und das selbst verschuldete Katalonien könnte kriselnde Banken nicht alleine auffangen. Zudem müsste sich Barcelona auf den internationalen Finanzmärkten mit Zinssätzen von bis zu 10 Prozent finanzieren, was den „finanziellen Suizid“ bedeuten würde, so der Wirtschaftsexperte.

Katalonien, mit 42 Milliarden Euro die am höchsten verschuldete Region Spaniens, müsste zudem ihren Anteil an den spanischen Gesamtschulden von rund 100 Milliarden Euro übernehmen, was einen überlebensfähigen Staat von Beginn an unrealistisch macht.

Was jedoch vor allem die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit Kataloniens zum Einstürzen bringen würde, wäre neben dem Verlust seiner geografischen Lage als wirtschaftliches Eingangstor zu Spanien, der anzunehmende Wegfall großer Absatzmärkte in Spanien, erklärt unterdessen Javier Santoma vom IESE-Wirtschaftsinstitut.

Laut unterschiedlicher Studien könnte der Handelsverkehr mit Spanien aufgrund der anzunehmenden Preiserhöhung katalanischer Produkte um bis zu 20 Prozent und aufgrund von Boykott-Haltungen spanischer Unternehmen um bis zu 74 Prozent zurückgehen.

Im vergangenen Jahr brachte der innerspanische Handel Katalonien Umsätze von 18 Milliarden Euro. Ein Einbruch der Handelsbeziehungen mit Spanien könnte laut Studien der Madrider Complutense-Universität das Bruttoinlandsprodukt Kataloniens um 25 Prozent reduzieren, das Pro-Kopf-Einkommen von 30.000 auf 21.592 Euro senken, Steuereinbußen von 17 Milliarden bedeuten und bis zu eine halbe Million neue Arbeitslose provozieren.

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