"Unabhängig recherchierter Journalismus hat seinen Preis"

"Unabhängig recherchierter Journalismus hat seinen Preis"

In der Branche herrscht Unklarheit, wie man sich dieser Entwicklung am besten entgegenstellt. Fieberhaft überprüfen Verlage ihre Online-Strategie und landen am Ende immer wieder bei der Frage, wie trotz der im Netz dominierenden Kostenlos-Kultur Geld verdient werden kann.

Sogenannte Paywalls - Bezahlschranken für Online-Inhalte - sind in Deutschland bislang die große Ausnahme. Mathias Döpfner, Chef des "Bild"- und "Welt"-Herausgebers Axel Springer, wird nicht müde zu betonen, dass mit dieser Entwicklung aufgeräumt werden müsse. "Unabhängig recherchierter Journalismus hat seinen Preis und seinen Wert", sagt Döpfner und lässt darum Taten folgen. Die "Welt" will ab Jahresende ihre Online-Texte gegen Gebühr anbieten, die "Bild" soll im Sommer folgen - in der Hinterhand die Bundesliga-Rechte, die ab der Saison 2013/14 viele treue Online-Besucher anziehen sollen.

Als Vorreiter gibt sich das "Wall Street Journal" (WSJ) in Deutschland. Kelly Leach, beim WSJ-Mutterkonzern Dow Jones für das Europa-Geschäft zuständig, sagt, der Geist, den man selbst gerufen habe, wolle nur sehr widerwillig in die Flasche zurück. Um trotz Paywall neue Kunden zu gewinnen, verzichtet das WSJ bei Großereignissen wie der Wahl in den USA auf die Bezahlschranke, um Werbung zu machen. Wie alle Wettbewerber hält sich das WSJ sehr bedeckt, wenn es um die Höhe der Einnahmen durch die Paywall geht. "Dafür ist es noch zu früh", sagt WSJ-Deutschland-Chefredakteur Knut Engelmann über das erst im Januar gestartete deutsche Angebot. Sicher sei er sich, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Als neuer Marktteilnehmer müsse man von Beginn an Inhalte gegen Entgelt anbieten, um die Fehler anderer nicht zu wiederholen.

Die deutsche Tochter des WSJ geht noch deutlich vorsichtiger mit dem allerorten umworbenen und verwöhnten Online-Leser um als die große Mutter und versteckt derzeit nur wenige Inhalte hinter der Bezahlmauer. D ie s werde sich mit wachsendem Bekanntheitsgrad ändern, versichert Engelmann und äußert wie Döpfner die Hoffnung, dass sich bald mehr Verlage dazu durchringen, für Texte Geld zu verlangen. In Deutschland schauen dabei viele auf Spiegel Online, einen Anbieter mit konstant hohen Besucherzahlen. Dort will man sich zu dem Thema jedoch gar nicht mehr äußern.

"Guardian" fürchtet sinkende Userzahlen

Das WSJ hat seine Bezahlschranke in den USA 1996 eingeführt. "Wenn die Seite vollkommen kostenfrei wäre, hätten wir sicherlich mehr Leser", sagt Leach. Heute kommt das WSJ auf 1,3 Millionen Abos für seine digitalen Angebote. Ein Abonnement kostet rund 20 Euro im Monat. Konkurrent "New York Times" (NYT) stieß deutlich später hinzu - mit einem anderen Modell, wonach monatlich zehn Artikel kostenfrei sind und erst danach ein Abo fällig wird. Ende September bezahlten rund 592.000 Menschen für die digitale Ausgabe. Einige Experten befürchten, die Traditionszeitung habe damit schon die maximale Leserschaft abgeschöpft, die bereit sei, Geld für Online-Journalismus auszugeben. Das Management der Zeitung betont indes: "Wir sehen weiterhin Wachstumspotenzial."

Axel Springer will bei der "Welt" - wie bereits die NZZ aus der Schweiz und der kanadische "Toronto Star" - ein ähnliches Modell wie die NYT aufbauen und die Zahl der frei zu lesenden Inhalte pro Monat begrenzen. "Die Bezahlschranke wird höchstwahrscheinlich zu geringeren Besucherzahlen führen und damit geringeren Werbeeinnahmen", vermutet Berenberg-Analystin Sarah Simon. Zudem müsse beachtet werden, dass in Deutschland weniger Menschen einen Tablet-Computer besäßen als etwa in den USA und Großbritannien und dadurch weniger Erfahrung hätten, Geld für Medien online auszugeben. Das Bezahlfernsehen habe sich in Deutschland ebenfalls nur schwer durchgesetzt. Anbieter Sky Deutschland habe einen sehr langen Atem benötigt und seine Qualität steigern müssen, um Kunden dauerhaft zu überzeugen. Zu bedenken seien zudem die geringen Erfahrungen in Deutschland mit Paywalls und die Schwierigkeiten beim Entwickeln der Technik für die Messung und Aufzeichnung der Besucherströme.

Die britische Tageszeitung "Guardian", mit einer vielfach ausgezeichneten Homepage, verweigert sich deswegen dem Trend zur Bezahlschranke. "Unserer derzeitigen Einschätzung zufolge wäre die Zahl der zahlenden Online-Abonnenten nach Implementierung einer Paywall zu klein, um die Verluste durch die sinkenden Besucherzahlen und geringeren Werbeeinnahmen auszugleichen", sagt der Chef von Guardian Media, Andrew Miller. Vor allem, wenn man berücksichtige, dass der Guardian mit kostenlosen Angeboten wie der "Huffington Post" und BBC konkurriere. Deswegen habe es Priorität, andere digitale Zusatzgeschäfte ausfindig zu machen. Unter anderem ist zuletzt ein Dating-Format für Singles entwickelt worden.

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