Überflieger vom Bosporus: Türkei bleibt auf Wachstumskurs

Überflieger vom Bosporus: Türkei bleibt auf Wachstumskurs

Während Südeuropa unter der Finanz-und Wirtschaftskrise leidet, geben sich ausländische Manager und Politiker am Bosporus und in den Wirtschaftszentren Anatoliens die Klinke in die Hand.

Die Arbeitslosigkeit ist nach Angaben des Statistikamtes im vergangenen Jahr auf 9,8 Prozent gesunken. Selbst die Jugendarbeitslosigkeit liegt demnach mit 19,8 Prozent deutlich unter dem Wert in den meisten EU-Staaten.

"Man trifft hier auf ein selbstbewusstes Land", sagte der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil, der in der vergangenen Woche mit einer Unternehmerdelegation in der Türkei unterwegs war. Die Türkei habe sich in den vergangenen 15 Jahren stark verändert. Erhebliche Chancen sieht er nun für die deutsche Energiebranche, beim Ausbau der Infrastruktur und in der Luft- und Raumfahrt. "Man trifft jetzt hier auf Partner, mit denen man, auch was Technologie und Hochtechnologie angeht, auf Augenhöhe sprechen kann", meinte Zeil.

Zum Jahreswechsel hat die Zahl ausländischer Firmen in der Türkei erstmals 30.000 überstiegen, teilt das türkische Wirtschaftsministerium mit. Dabei war das Umfeld schwierig. Die EU-Staaten als wichtigste Handelspartner gehen durch schwere Turbulenzen. Im Nachbarland Syrien tobt weiter ein Bürgerkrieg, der Warenlieferungen auf dem Landweg in die arabische Welt erschwert. Der Iran als angrenzender, wichtiger Energielieferant unterliegt im Atomstreit internationalen Finanz- und Wirtschaftssanktionen.

"Die Menschen sind die treibende Kraft"

So hat auch die türkische Wirtschaft einen Dämpfer mitbekommen. Sie ist 2012 nach Angaben der Regierung nur etwa 2,5 Prozent gewachsen, nach 8,5 Prozent im Vorjahr (2010: 9,2 Prozent). Für das laufende Jahr haben internationale Institutionen ein Wachstum zwischen 3,5 und 4,6 Prozent prognostiziert. Allerdings machen sich Experten weiterhin Sorgen wegen des hohen Leistungsbilanzdefizits. Die Importe der Türkei sind deutlich höher als die Exporte - vor allem wegen der Abhängigkeit von Energielieferungen aus dem Ausland.

"Wir haben in den letzten zehn Jahren keine gigantischen Gasfelder oder Ölvorkommen entdeckt. Unsere Menschen, vor allem die Geschäftsleute, sind die treibende Kraft unseres wirtschaftlichen Wachstums", sagte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu vor wenigen Tagen.

Das Ziel, bis zum 100. Jahrestag der Türkischen Republik im Jahr 2023 unter die zehn größten Wirtschaftsnationen der Welt vorzustoßen, könne die Türkei nur erreichen, wenn sie ihren geografischen Horizont erweitere, sagte er. In den vergangenen Jahren sind Visabeschränkungen mit 64 Ländern aufgehoben worden. Um die Tore zur Welt weiter zu öffnen, unterstützt Ankara das Transportwesen.

Beispiel Turkish Airlines: Innerhalb von zehn Jahren hat die halbstaatliche Gesellschaft die Zahl ihrer Passagiere fast vervierfacht. Für das laufende Jahr werden 46 Millionen Fluggäste angestrebt. Bis 2020 soll sich die Zahl noch mal verdoppeln, auf dann 90 Millionen. Binnen weniger Jahre soll auf der europäischen Seite Istanbuls an der Küste des Schwarzen Meeres ein dritter Flughafen als neues Drehkreuz aus dem Boden gestampft werden.

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