Türkei schon lange "Schlupfloch" für Teheran

Türkei schon lange "Schlupfloch" für Teheran

Ein Teil des weitreichenden Korruptionsskandals, der den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan massiv unter Druck setzt, bilden die umstrittenen Gold-Geschäfte der türkischen Halkbank mit dem Iran.

Zahlreichen Angehörigen der politischen Elite des Landes, darunter Ministersöhnen, wird vorgeworfen, einem kriminellen Ring angehört zu haben, der die Bestechung von Politikern organisiert haben soll, unter anderem, um illegale Goldgeschäfte der Halkbank mit dem Iran zu vertuschen.

Möglicherweise ist dies aber nur die Spitze eines Eisberges, denn die Führung in Ankara hat Dubai als Drehscheibe für die Umgehung der westlichen Wirtschaftssanktionen seit 2011 endgültig abgelöst. Seit Jahren steht der Iran wegen seines umstrittenen Atomprogramms unter dem Druck internationaler Sanktionen der Vereinten Nationen sowie der EU, aber vor allem der USA.

Lukrative Handelsbeziehungen mit der Islamischen Republik werden durch die Strafmaßnahmen immer schwieriger. Die meisten iranischen Banken stehen auf sogenannten schwarzen Listen, und wer mit den Iranern wirtschaftlich liebäugelt, bekommt die US-Wut so zu spüren, dass er meist wieder die Finger davon lässt. Letztlich ist es für alle internationalen Geschäfte hemmend, dass der Iran vom Swift-System für Finanztransaktionen abgeschnitten wurde und sämtliche westliche Großbanken keine neuen Geschäfte mehr mit Teheran eingehen.

Warenaustausch mit Iran auf Rekordvolumen

Die Türkei bezog laut dem Energieministerium in Ankara 2011 18 Prozent ihres Erdgases und 51 Prozent ihres Erdöls aus dem Iran. Die Bezahlung erfolgte über Mittelsmänner in bar und mittels Gold, da reguläre Geldtransfers nicht möglich sind. Allen Sanktionen zum Trotz stieg der Warenaustausch zwischen Türkei und Iran 2011 um 50 Prozent auf ein Rekordvolumen von 16 Milliarden Dollar. Das bilaterale Handelsvolumen soll bis 2015 auf 30 Milliarden Dollar erhöht werden.

Da der Westen dem Iran die Tore zur Weltwirtschaft mittels Sanktionen, sowie durch ein EU-weites Öl- und Gasembargo versperrt, gibt sich die Türkei demonstrativ solidarisch mit Teheran, wenngleich auch die Lage in Syrien, wo Teheran dem Regime von Bashar al-Assad weiterhin treu die Stange hält und Ankara die Rebellen unterstützt diesen Spagat nicht gerade einfach machen: "Wir entscheiden selbst mit wem wir Geschäfte machen und mit wem nicht, die Türkei gestaltet ihre Außenpolitik in der Türkei und nicht in Washington", so die Statements von hochrangigen türkischen Politikern in den letzten Monaten.

Auch an der türkisch-iranischen Grenze wird eifrig "transferiert". Drei Faktoren sind bei diesen Vorgängen entscheidend. Zum einen hilft die geografische Beschaffenheit: Die gemeinsame Grenze zwischen dem Iran und der Türkei ist 500 Kilometer lang und in einer einsamen Landschaft gelegen und somit nur sehr schwer zu überwachen. Andererseits erleichtert ein bilaterales Abkommen, wonach keine Visumspflicht besteht, die Durchreise. Letztlich trachtet die türkische Regierung danach, sich mit Teheran gutzustellen und sich in der Region als wichtiger Player zu präsentieren.

Ein Blick auf die drei Grenzübergänge zeigt aber, dass die Masse der Lastwagen und Privatautos, die jeden Tag von einem Land ins andere fahren, die Sanktionen massiv umgehen. Auf rund vier Milliarden Dollar im Jahr soll sich der illegale Handel laut Experten belaufen. Hauptsächlich rollen hierbei Maschinen, verschiedene andere Sachgüter, aber auch Koffer mit Bargeld über die Grenze.

Diese Geldtransfers laufen meist nach demselben Prinzip ab: Der Käufer zahlt die Summe zuzüglich einer Kommission an einen Mittelsmann und schafft das Geld so aus dem Land. Besonders gern lassen die Iraner neuerdings auch türkische Unternehmen als Zwischenhändler für iranische Partnereinkäufe von Maschinen fungieren.

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