Türkei – "Jedes Mal, wenn Erdogan den Mund aufmacht, geht es wieder los"

Türkei – "Jedes Mal, wenn Erdogan den Mund aufmacht, geht es wieder los"

Nur wegen der Sommerferien und des islamischen Fastenmonats Ramadan seien derzeit kaum Demonstrationen zu beobachten, sagte Gündüz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. "Überall in der Türkei sprechen die Menschen in den sozialen Netzwerken weiter über die Protestbewegung", versicherte er.

Jedes Mal, wenn Regierungschef Recep Tayyip Erdogan "den Mund aufmacht, geht es wieder los".

Gündüz war weltweit bekannt geworden, als er Mitte Juni reglos mit den Händen in den Taschen auf dem zentralen Taksim-Platz in Istanbul stand. Die Augen richtete er auf ein riesiges Porträt des türkischen Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk an einer Hausfassade. Wenige Tage zuvor hatte die türkische Polizei den Platz gewaltsam von regierungskritischen Demonstranten geräumt. Die Bilder von Gündüz' stummem Protest gingen um die Welt.

Vor allem drei politische Projekte Erdogans hätten ihn zu der Aktion bewegt, sagte Gündüz, nämlich dass Erdogan "Frauen ermunterte, drei Kinder zu bekommen, um die Geburtenrate nach oben zu treiben, sein Vorschlag, den Zugang zur Pille danach zu begrenzen, und Beschränkungen für den Alkoholverkauf". Solche Vorhaben griffen die bürgerlichen Freiheiten an, beklagte der 34-jährige Choreograph. Sein Protest habe sich daneben auch gegen türkische Fernsehsender gerichtet, die nicht über die Demonstrationen berichtet hätten.

An weiteren Protestaktionen will Gündüz aber nicht teilnehmen. Seit er als "stehender Mann" bekannt wurde, seien zahlreiche bösartige Gerüchte über ihn verbreitet worden, beklagte er. "Es wurde behauptet, ich sei CIA-Agent, dass ich gegen das Kopftuch sei, dass ich mit einem Mann zusammenlebe, dass ich vom deutschen Konsulat aufgenommen worden sei", berichtete Gündüz. Auch wenn er selbst nicht mehr teilnehmen wolle, hoffe er doch, dass das türkische Volk einen politischen Wandel durchsetzen werde.

In Istanbul und vielen anderen türkischen Städten hatten Teilnehmer von Massendemonstrationen wochenlang gegen Erdogans Regierung protestiert. Die Polizei schritt mit aller Härte gegen sie ein. Mindestens vier Demonstranten und ein Polizist wurden getötet, etwa 8000 weitere Menschen wurden verletzt.

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