Türkei: Die Leistungsbilanzbombe!

Türkei: Die Leistungsbilanzbombe!

Die Türkei führt deutlich mehr Waren und Güter ein als es exportiert – und ist daher auf ausländisches Kapital angewiesen, um diese Lücke zu füllen. Doch seit die US-Notenbank Fed laut über den Einstieg in den Ausstieg aus der Politik des extrem billigen Geldes nachdenkt, ziehen Investoren Geld aus Schwellenländern wie der Türkei ab.

Die Lira steht bereits seit Monaten unter Druck. Dem Land, in dem sich offener Protest gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan regt, stehen auch wirtschaftlich unruhigere Zeiten bevor.

Das Leistungsbilanzdefizit ist im Juli auf 5,78 Milliarden Dollar angeschwollen. In den ersten sieben Monaten summiert sich der Fehlbetrag bereits auf 42 Milliarden Dollar, acht Milliarden Dollar mehr als im Vorjahr. "Das ist die große Achillesferse des Landes", betont der Schwellenland-Experte Timothy Ash von der Standard Bank. Auch die Bonitätswächter von S&P haben in ihrer jüngsten Warnung diesen Schwachpunkt ins Visier genommen: Die klaffende Lücke in der Leistungsbilanz trage mit dazu bei, dass der Wirtschaftsausblick "besonders unsicher sei".

Das Öl-Problem

Dabei schlägt besonders stark zu Buche, dass das rohstoffarme Land mit einer Bevölkerung von gut 75 Millionen Menschen riesige Mengen Öl importieren muss. Im Sog der Syrien-Krise ist der Preis gestiegen und belastet nun die Handelsbilanz der Türkei noch stärker.

Trotz dieser strukturellen Probleme überraschten die Wachstumsraten zuletzt positiv: Im Frühjahr legte das Bruttoinlandsprodukt zwischen Bosporus und Ostanatolien um 4,4 Prozent zum Vorjahr zu. Das ist eine wirtschaftliche Dynamik, von der beispielsweise Russland nur träumen kann. Das Wachstumsziel von fünf Prozent für 2013 musste die Regierung mittlerweile aber kassieren: Wirtschaftsminister Zafer Caglayan rechnet nur noch mit einem Wert von knapp unter vier Prozent. "Wirtschaftliche Entwicklungen im Ausland" dürften das Wachstum im dritten Quartal schmälern, wenn auch "nicht gravierend", unterstrich der Minister.

Das Land hat eine 900 Kilometer lange Grenze zu Syrien. Die Türkei kann aber zumindest darauf hoffen, dass eine Eskalation des Konflikts im Nachbarland durch eine diplomatische Lösung im Streit um die Giftgasvorräte Syriens gelingt - und damit ein US-Militärschlag unterbleibt. Dennoch richtet die Türkei einen bangen Blick gen Washington. Dort wird die Notenbank nächste Woche entscheiden, ob sie ihre Konjunkturspritzen reduziert. Das könnte der Lira weiter zusetzen. Sie hat seit Mai bereits rund 13 Prozent ihres Außenwerts eingebüßt.

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