"Tag des Zorns" in Ägypten: Es gibt wieder Tote...

"Tag des Zorns" in Ägypten: Es gibt wieder Tote...

Nach den Freitagsgebeten kam es in Ägypten zu den befürchteten Zusammenstößen zwischen Muslimbrüdern und Sicherheitskräften. In anderen Städten des nordafrikanischen Landes kamen bei Demonstrationen für den abgesetzten Präsidenten Mohamed Mursi mindestens 20 Menschen ums Leben. Viele wurden verletzt.

In der Hauptstadt setzten die Sicherheitskräfte Tränengas gegen Tausende von Demonstranten ein. Die Muslimbrüder riefen derweil zu weiteren Demonstrationen auf. Für eine Woche solle es täglich landesweit Proteste geben, erklären die Islamisten.

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel will angesichts der Ausschreitungen die Beziehungen zur ägyptischen Übergangsregierung überdenken. Ähnlich äußerte sich EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. Sowohl die vom Militär gestützte Übergangsregierung als auch die islamistischen Muslimbrüder ignorierten alle internationalen Appelle, eine Konfrontation zu vermeiden. Kurz nach Beginn der Ausschreitungen forderten Merkel und der französische Präsident Francois Hollande in einer gemeinsamen Stellungnahme einen sofortigen Stopp der Gewalt. Die Muslimbrüder hatten den Freitag zu einem " Tag des Zorns " erklärt, nachdem am Mittwoch bei der Räumung zweier Protestlager in Kairo nach Angaben des Gesundheitsministeriums 578 Menschen ums Leben gekommen waren. Die Muslimbrüder gehen aber von Tausenden Toten aus.

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Live-Bilder aus Ägypten finden Sie hier: http://www.n24.de/n24/Mediathek/Live
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In Kairo setzte die Polizei nach Augenzeugenberichten Schusswaffen ein. Augenzeugen berichteten, Demonstranten hätten Brandsätze auf eine Polizeiwache geworfen. Die Armee baute mit Stacheldraht gesicherte Kontrollposten im Stadtgebiet auf. Wichtige Straßen wurden mit gepanzerten Fahrzeugen abgeriegelt. Zudem zogen Soldaten vor wichtigen staatlichen Einrichtungen auf. Am Donnerstag waren Verwaltungsgebäude angesteckt worden und ausgebrannt. Das Innenministerium warnte, die Polizei werde mit scharfer Munition öffentliche Einrichtungen verteidigen. Zusammenstöße wurden auch aus der zweitgrößten ägyptischen Stadt Alexandria gemeldet.

Die Muslimbrüder zeigten sich unbeeindruckt. "Nach den Räumungen, Verhaftungen und Morden, die wir zurzeit erleben, kochen die Emotionen zu hoch, um sie noch lenken zu können", sagte ihr Sprecher Gehad al-Haddad. Trotz Trauer und Schmerz über die Toten sei der Wille jetzt noch größer, dem Militär Einhalt zu gebieten. Die Muslimbrüder verlangen den Rücktritt von Armeechef Abdel Fattah al-Sissi und die Wiedereinsetzung Mursis.

Merkel und Hollande kündigten an, die EU-Außenminister sollten in der kommende Woche über die Zusammenarbeit mit Ägypten beraten. Die Bundesregierung werde ihre Beziehungen zu dem Land überprüfen, erklärte die Kanzlerin. Deutschland stoppt zudem Geld für die Entwicklungshilfe. "Ein bereits vorgesehenes Kooperationsprogramm von 25 Millionen Euro im Bereich Klima- und Umweltschutz wird vorerst auf Eis gelegt, eine Neuzusage wird es nicht geben", erklärte Ressortchef Dirk Niebel. EU-Außenbeauftragte Ashton bat die europäischen Regierungen, über "angemessene Maßnahmen" als Antwort auf die Gewalt in Ägypten zu beraten.

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel erklärte, die USA würden mit dem ägyptischen Militär weiter zusammenarbeiten. Er forderte jedoch von den Machthabern, auf Gewalt zu verzichten, die Versammlungsfreiheit zu respektieren und den Dialog zu suchen. Die ägyptische Regierung hatte die Kritik von US-Präsident Barack Obama am Vorgehen der Sicherheitskräfte zurückgewiesen. Sie stütze sich nicht auf Fakten und werde gewaltbereite Gruppen ermuntern, hieß es in einer Erklärung.

Reisewarnungen

Weltweit wurde vor einer Ausweitung der Krise gewarnt. Der UN-Sicherheitsrat forderte nach einer Dringlichkeitssitzung ein Ende der Gewalt. Das Auswärtige Amt verschärfte seine Reisehinweise und rief dazu auf, auf Reisen in das nordafrikanische Land zu verzichten. Touristikkonzerne sagten ihre Reisen bis Mitte September ab.

Saudisches Königshaus solidarisiert sich mit ägyptischem Militär

Der saudi-arabische König Abdullah stellte sich in einer Fernseh-Ansprache auf die Seite der Machthaber in Kairo. Saudi-Arabien halte den Kampf gegen "Terrorismus, Kriminalität und Aufruhr" für gerechtfertigt, sagte der Monarch.

In mehreren Staaten der arabischen Welt gab es Demonstrationen gegen das ägyptische Militär. In der türkischen Hauptstadt Ankara versammelten sich etwa 3000 Menschen vor einer Moschee, zelebrierten ein Totengedenken und zogen anschließend zu den Botschaften Ägyptens sowie der USA.

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