Szenen aus Stockholm – "Wir hassen die Polizei"

Szenen aus Stockholm – "Wir hassen die Polizei"

In dem Stockholmer Vorort Husby stinkt es nach Rauch. Ein ausgebrannter Lastwagen steht am Straßenrand, verkohltes Metall liegt auf einem Parkplatz, zersplitterte Fensterscheiben sind notdürftig mit Klebeband zusammengehalten.

Es sind Bilder wie aus einem Straßenkampf, die man vom liberalen Schweden nicht erwartet. Seit Sonntag gehen jede Nacht Jugendliche auf die Straße, zünden Autos und Gebäude an und bewerfen Polizisten und Feuerwehrleute mit Steinen.

Die meist jungen und männlichen Täter sind frustriert, lautet die Erklärung. Sie stammen aus Migrantenkreisen, fühlen sich benachteiligt und haben keine Hoffnung, jemals einen Job, eine Zukunft zu haben. Und sie misstrauen der Polizei, die vor knapp einer Woche einen 69-Jährigen erschossen hat. In Notwehr, wie sie sagt. Der Mann hatte die Einsatzkräfte mit einem Messer bedroht.

"Warum haben sie sechs Schüsse auf ihn abgefeuert", fragt ein Jugendlicher, der mit ein paar anderen auf einer Bank vor einem mit Graffiti übersäten Gebäude sitzt. "Die Polizisten haben Schutzhandschuhe, sie hätten ihm das Messer einfach wegnehmen können." "Wir hassen die Polizei", sagt ein anderer Jugendlicher auf der Bank. Wie seine Freunde will er seinen Namen nicht verraten. "Ich komme aus dem Irak", sagt er kurz, bevor er plötzlich verstummt. Ein Jugendlicher mit einem brasilianischen Fußball-T-Shirt hat sich der Gruppe genähert. Erst als er leicht mit dem Kopf nickt, geht das Gespräch weiter.

"Die Polizei schikaniert uns, tritt uns mit Füßen", klagen sie. Doch keiner will sagen, ob er bei den Unruhen dabei gewesen ist. Die brennenden Autos stören sie nicht, auch wenn es die Autos ihrer Nachbarn sind. "Viele betrügen hier ihre Versicherung", ist einer sicher und widmet sich wieder seinem Terrier. Die anderen spielen mit ihren Handys.

In einem Sportclub in der Nähe bereitet Alikalay aus Somalia einen Fußballwettkampf vor. "Ich habe nie schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht", sagt er. "Ich weiß nicht, wer hinter der Gewalt steckt, aber sie muss gestoppt werden, denn sie trifft Familien und Kinder."

Am Hightec-Standort brennt's

Die Straße hoch verschmilzt Husby mit dem Stadtteil Kista, ein weiterer Vorort mit einem hohen Anteil an Einwanderern, aber auch Standort zahlreicher Hightec-Firmen und Hauptquartier des Telefonriesen Ericsson. Hier ist am Freitagmorgen die Montessori-Schule angezündet worden, rund 100 Schüler im Alter von 5 bis 12 Jahren haben ihre Klassenräume verloren. Auf den ersten Blick sind nur wenige Schäden zu erkennen, doch der Gestank nach Rauch liegt überall in der Luft. Ein provisorischer Zaun umfasst das rote Holzgebäude. Drei Polizeitechniker in weißen Anzügen dokumentieren die verkohlten Reste, die einmal ein Klassenzimmer waren.

Die zehnjährige Emilia und ihre Freunde Jasmine, Dennis, Benjamin and Amir sind entsetzt. "Wir sind wirklich wütend, dass alle unsere Schulbücher und Arbeiten zerstört sind", sagen sie. "Erst gestern haben wir eine ganze Reihe von Aufsätzen abgegeben, jetzt ist alles weg. Und der Fisch im Aquarium ist tot." Wenigstens hat jemand die drei Schildkröten gerettet.

Emilias Mutter, Asa Tellhammar, ist traurig. Sie lebt seit mehr als 20 Jahren in Husby und versteht die Gewaltausbrüche nicht. "Autos kann man ersetzen", sagt sie, "aber Schulen.... ich verstehe nicht, was hier vor sich geht."

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