Syrien: Russlands Raketen größte Bedrohung seit langem

Syrien: Russlands Raketen größte Bedrohung seit langem

Europa streitet über die Aufrüstung der syrischen Rebellen. Es geht um Granaten, Gewehre, Panzerfäuste - sogar um die Lieferung von Schutzwesten wird gerungen. Der eigentliche "game changer" - die gravierende Verschiebung des militärischen Kräftegleichgewichts im leicht entflammbaren Nahen Osten - wird bislang weitaus weniger beachtet...

Die geplante Aufrüstung Syriens mit modernsten Luft- und Schiffsabwehrraketen aus Russland. Das würde ernsthafte Konsequenzen für die Region haben - vor allem für Israel, aber auch für die Fähigkeit des Westens, glaubhaft einen militärisch gestützten Flankenschutz für die Rebellen zu geben. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu werden die Worte zugeschrieben, die S-300 in syrischer Hand würden aus ganz Israel eine Flugverbotszone machen. Die Luftüberlegenheit aber ist Garant dafür, dass die Nachbarstaaten ihre Armeen nicht gegen Israel in Marsch setzen.

Israel - Politikwechsel von Zurückhaltung und Drohung

Von Anfang an beobachtete die israelische Regierung den Syrien-Konflikt mit großer Sorge: Das von den Umwälzungen des "Arabischen Frühlings" wegen seiner Grenzen zu Ägypten, Jordanien, dem Libanon und eben Syrien besonders betroffene Land vermied lange auch nur den Anschein einer Einmischung. Zu groß schien das Risiko, Machthaber oder Aufständische könnten mit willkommenen Zwischenfällen die Israelfeindlichkeit schüren und so von den eigenen Konflikten ablenken.

So ließ die israelische Armee über lange Zeit Beschuss auf Armeeposten auf den Golan-Höhen an der syrischen Grenze unbeantwortet. Doch an einem ließen Netanjahu und seine für die Sicherheit verantwortlichen Minister nie einen Zweifel: Jedem Versuch, die militärische Dominanz Israels durch Aufrüstung seiner Feinde zu untergraben, wird mit massiver Härte begegnet. So ist es nur konsequent, dass der Nationale Sicherheitsberater Jaakow Amidror nun vor den EU-Botschaftern laut "Haaretz" ankündigte, sein Land werde die Einsatzbereitschaft der Raketen verhindern. Vor ihm warnte Verteidigungsminister Mosche Jaalon: "Ich hoffe, Russland liefert die Raketen nicht. Und wenn sie doch, Gott bewahre, Syrien erreichen sollten, wissen wir, was zu tun ist."

Mindestens drei Mal in diesem Jahr hat Israel diese Haltung mit gezielten Luftschlägen in Syrien unter Beweis gestellt. Nach Darstellung von Geheimdienstmitarbeitern wurden dabei hochtechnische Waffen zerstört, die für die Hisbollah im Libanon bestimmt waren. Israel will erklärtermaßen nicht zulassen, dass chemische Kampfstoffe, "Fatah 110" Raketen mit großer Reichweite und SA-17 Flugabwehrraketen in die Hände der israelfeindlichen Miliz geraten. Die Luftangriffe reihen sich ein in die vielfachen bewaffneten Interventionen gegen die Hamas im Gaza-Streifen, die Zerstörung eines syrischen Atomreaktors und die Drohungen gegen das iranische Atomprogramm.

Die nun nach russischen Angaben bevorstehende - und nach Worten von Syriens Machthaber Baschar al-Assad in Teilen bereits vollzogene - Lieferung von S-300 Luftabwehrraketen stellt die seit langem größte Bedrohung der militärischen Überlegenheit dar. Die S-300 kann Flugzeuge und Raketen in einem 200-Kilometer-Radius abschießen und würde sowohl Angriffe auf Syrien wesentlich riskanter machen als auch offensiv gegen den israelischen Luftraum einsetzbar sein.

Auf dem Spiel steht auch die westliche Hilfe für Rebellen

Die Aufrüstung Syriens durch Moskau ist auch eine Schwächung der westlichen Staaten, die die Gegner Assads unterstützen. Die latente Drohung der USA und anderer Staaten wird unglaubwürdig, sich in den Konflikt etwa bei massivem Einsatz von Chemiewaffen einzumischen. Die Raketen in der Hand Assads schränken schließlich wichtige Optionen ein, etwa die einer Seeblockade. "Dass dies durchaus ein strategisches Ziel der Moskauer Führung ist, zeigen die Worte von Vize-Außenminister Sergej Rjabkow. Er begründete das Festhalten Moskaus an dem Deal mit dem Hinweis, dies werde auch "Heißsporne" von einer Militärintervention gegen den Russland-Verbündeten abhalten.

In Frankreich, einem der Länder, das die Rebellen gerne bewaffnen möchte, ist die Botschaft verstanden worden: Die Raketen "sind ein riesiges Problem für uns. Wenn wir Flugverbotszonen planen und dann gibt es diese Raketen, da ist der Widerspruch ganz offensichtlich", sagte ein ranghoher französischer Regierungsvertreter Reuters dieser Tage.

Russland hat mit seiner Unterstützung Assads gegen den Willen des Westens womöglich die Konsequenzen aus dem Krieg in Libyen gezogen. Auch dort verfolgte Russland eine Politik der Nichteinmischung. Gegen seinen Willen setzten westliche Länder jedoch eine Flugverbotszone durch und leiteten damit letztlich den Sturz von Machthaber Muammar Gaddafi ein.

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