Syrien: Kampf um das "Tor" zum Golan – Österreich zieht UNO-Soldaten ab

Syrien: Kampf um das "Tor" zum Golan – Österreich zieht UNO-Soldaten ab

In Syrien hatten die Gefechte zwischen den Rebellen und den Truppen des Präsidenten Bashar al-Assad laut der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte noch angedauert. Daher war zunächst unklar, ob die Aufständischen für längere Zeit die Kontrolle über das sogenannte "Bravo-Gate" am Rand der ehemaligen Stadt Quneitra behalten könnten. In Österreich tagte der Krisenstab des Verteidigungsministeriums, die heimischen Blauhelme sind laut einem Ministeriumssprecher in ihren Bunkern.

Ein israelischer Bauer berichtete von massiven Rauchschwaden über dem Grenzposten. Israelische Krankenwagen brachten Menschen in Sicherheit. Die Rebellen konnten das "Bravo-Gate" letztendlich auch nicht halten, der syrisch kontrollierte Teil des Grenzüberganges von der israelischen zur UNO-kontrollierten Seite der Golanhöhen, fiel wieder in die Hand der syrischen Regierungstruppen. Das bestätigte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Oberst Michel Bauer Donnerstagmittag im Telefonat mit der APA. Der Krisenstab des Ministeriums tagt laut Bauer weiter.

Österreichische Soldaten waren von der Einnahme des "Gate" durch die Rebellen nicht betroffen, dennoch sei ein sogenannter Shelter-Alarm ausgelöst worden, die Blauhelme hätten sich in die Bunker zurückgezogen, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums der APA. Der Krisenstab des Verteidigungsministeriums sei einberufen worden, die Lage werde "minütlich" evaluiert, Verteidigungsminister Gerald Klug (S) habe alle anderen Termine abgesagt.

Kurz darauf berichtete "Krone.at" unter Berufung auf das Verteidigungsministerium, dass Österreich seine UNO-Soldaten von den Golanhöhen abzieht. Dort wollte man den Abzug nicht offiziell bestätigen, verwies aber auf eine Pressekonferenz um 17:00 Uhr. Sowohl laut mehreren Quellen auf "Twitter" als auch inoffiziellen Stellungnahmen ist der Abzug beschlossene Sache. Faymann und Spindelegger bestätigten dann auch den Golan-Abzug.

Durch die Einnahme des Grenzpostens waren die syrischen Rebellen direkt an die Grenze zum von Israel besetzten Teil der Golanhöhen herangerückt - hätten sie ihn gehalten, wäre die dortige UNO-Mission in höchster Gefahr gewesen, hatten sie doch damit die Kontrolle über das Eingangstor in das Einsatzgebiet der Blauhelme, durch das mittlerweile sämtliche Güter- und Truppentransporte erfolgen: Das "Bravo-Gate", das direkt am Rand von Quneitra liegt.

Rotation unmöglich

Die rund 380 österreichischen UNO-Soldaten, die den Großteil der Golantruppen ausmachen, sollten am 11. Juni in einer größeren Rotation zum Teil ausgetauscht werden. Wäre das syrische Gate weiter von den Rebellen gehalten worden, wäre diese Rotation unmöglich.

Im Zuge der Kampfhandlungen sind auch auf israelisch kontrollierter Seite einige Granaten eingeschlagen, darunter beim Logistik-Bataillon der UNO-Truppen im unmittelbar an der Waffenstillstandslinie gelegenen "Camp Ziouani", berichtete Ministeriumssprecher Bauer. Das Camp wird von indischen Blauhelmen betrieben, es halten sich aber auch einige Österreicher dort auf. Laut Bauer waren aber auch sie nicht in unmittelbarer Gefahr, es habe sich bei den Einschlägen auch um keinen gezielten Beschuss gehandelt.

Raketen im Libanon eingeschlagen

Auch im Libanon sind nach Polizeiangaben erstmals Raketen aus Syrien in der Hisbollah-Hochburg Baalbek eingeschlagen. Wie die Sicherheitsbehörden am Donnerstag erklärten, wurden mindestens 18 Geschoße aus dem Nachbarland auf die Stadt in der grenznahen Bekaa-Ebene abgefeuert. Seit die schiitische Hisbollah-Miliz sich vor etwa zwei Wochen zu ihrem Kampfeinsatz an der Seite der Truppen des Regimes von Präsident Bashar al-Assad bekannt hat, mehren sich die Raketenangriffe auf den Libanon.

Al-Kaida-Chef: Syrer sollen Assad stürzen

Der Al-Kaida-Chef Ajman al-Sawahri hat unterdessen die Syrer aufgefordert, sich zu vereinen, um Präsident Baschar al-Assad zu stürzen. Dabei sollten sie Pläne der USA abwehren, einen Satellitenstaat in Syrien zu installieren, der die Sicherheit Israels garantieren solle, sagte er in einer am Donnerstag im Internet verbreiteten Rede. Anlass war der 65. Jahrestag der Gründung Israels im Mai. Der einzige Weg zur Lösung des Palästinenser-Konflikts sei der Heilige Krieg (Dschihad), sagte Al-Sawahri.

Die Echtheit der Aufnahme konnte nicht überprüft werden. Sie erschien auf der Webseite der Mudschahedin al-Ansar, auf der immer wieder Erklärungen von Al-Kaida-Führern verbreitet werden.

Die USA und deren Verbündete wollten das Blut der Syrer sowie ihrer Frauen und Kinder vergießen, um das kriminelle Regime Assads zu stürzen und stattdessen eine ihnen gegenüber loyale Regierung zu installieren, sagte Al-Sawahri. Er forderte die Schaffung eines islamischen Staates auf der Grundlage der Scharia, des islamischen Rechts. Zugleich kritisierte er den Iran für dessen Unterstützung Assads. Der Konflikt in Syrien habe das "hässliche Gesicht Irans enthüllt".

Der schiitische Iran zählt zu den wenigen Verbündeten Assads. Die von ihm gelenkte und finanzierte libanesische Hisbollah (Partei Gottes) kämpft an der Seite der syrischen Armee gegen die Rebellen, die vor allem von den Sunniten getragen werden. Assads Familie gehört zu den Alawiten, die ihre Wurzeln bei den Schiiten haben.

Der einflussreiche sunnitische Geistliche Scheich Jussef al-Karadawi hatte vergangene Woche zu einem Dschihad gegen Assad aufgerufen, nachdem sich die Hisbollah der Armee-Offensive gegen die von Rebellen gehaltene Stadt Kussair angeschlossen hatte. Die Stadt wurde inzwischen von den syrischen Regierungstruppen zurückerobert. Die Lage Kussairs spielte in der Rede Al-Sawahris aber keine Rolle. Das könnte bedeuten, dass sie vor Beginn der Kussair-Offensive vor mehr als zwei Wochen aufgenommen wurde.

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