Syrien: Israel flog Luftangriff – Ziel: Waffenlieferung an Hisbollah-Miliz

Syrien: Israel flog Luftangriff – Ziel: Waffenlieferung an Hisbollah-Miliz

Wie der Nachrichtensender CNN am Freitag unter Berufung auf US-Regierungskreise berichtete, fand der Angriff von Israel auf Syrien am Donnerstag oder Freitag statt. US-Präsident Barack Obama schloss indes einen Einsatz von amerikanischen Bodentruppen in Syrien aus und machte einen Militärschlag von weiteren Beweisen für den Einsatz von Chemiewaffen abhängig.

Der syrische Luftraum sei bei dem Einsatz nicht verletzt worden, berichtete CNN. Die israelischen Kampfflugzeuge hätten nämlich Raketen von außerhalb Syriens auf Ziele in dem arabischen Land abgefeuert. Die US-Vertreter gingen nicht davon aus, dass der Angriff einer Chemiewaffenfabrik gegolten habe. Der US-Fernsehsender NBC berichtete unter Berufung auf US-Regierungsvertreter, der Luftangriff habe einer angeblichen Waffenlieferung an die radikal-islamische Hisbollah-Miliz gegolten. Die Luftschläge hätten "Liefersysteme für chemische Waffen" zerstören sollen, hieß es.

Zunächst lag keine Bestätigung für den Bericht vor. Eine Sprecherin des US-Präsidialamtes verwies die Fragen zu dem CNN-Bericht an die israelische Regierung. In Jerusalem lehnte eine Sprecherin des Militärs eine Stellungnahme ab. "Wir kommentieren Berichte dieser Art nicht", sagte sie. Kurz darauf hat Israel den neuerlichen Luftangriff in Syrien aber bestätigt. Die Luftwaffe habe eine Ladung hochmoderner Raketen zum Ziel gehabt, die an die Hisbollah-Miliz im benachbarten Libanon geliefert werden sollten, sagte ein israelischer Offizieller, der anonym bleiben wollte, am Samstag. Es habe sich nicht um chemische Waffen gehandelt.

Der Luftschlag war am Freitag ausgeführt worden, nachdem Premier Benjamin Netanyahu ihn am Donnerstagabend bei einem geheimen Kabinettstreffen angeordnet habe. Die Auslieferung der Waffen an die Hisbollah hätte das Kräfteverhältnis in der Region verändert, begründete die Quelle laut der Zeitung "Times of Israel" den Schlag.

Zuvor hatte ein Vertreter des Verteidigungsministeriums gegenüber CNN betont, dass Israel "alles Erforderliche tun wird, um den Transfer von Waffen aus Syrien zu Terrororganisationen zu unterbinden. Wir haben das bereits getan und werden es wieder tun." Im Jänner hatte Israel einen Konvoi in Syrien unter Beschuss genommen, bei dem es sich um eine Waffenlieferung an die libanesische Hisbollah-Miliz gehandelt haben soll.

Laut CNN liegen der US-Regierung Informationen vor, wonach der Luftangriff vom libanesischen Luftraum aus erfolgte. Die libanesische Armee berichtete am Freitag von Luftraumverletzungen durch israelische Jets. Kampfflugzeuge seien stundenlang über libanesischem Territorium gekreist, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur NNA unter Berufung auf eine Mitteilung des Militärs. Es habe auch Scheinangriffe im Süden des Landes gegeben.

Israel hat in der Vergangenheit klar gestellt, es könne in den Konflikt in Syrien eingreifen, um zu vermeiden, dass gefährliche Waffen in die Hände von militanten Gruppen fallen. Die von Syrien und dem Iran unterstützte Hisbollah hatte im Sommer 2006 einen 34-Tage-Krieg gegen Israel geführt.

USA bereiten Militärintervention vor

Unterdessen bereiten sich auch die USA auf eine Militärintervention in Syrien vor. Nachdem das Pentagon am Donnerstag von Überlegungen berichtet hatte, Regimegegner mit Waffen auszustatten, nahm US-Präsident Barack Obama am Freitag zu einem möglichen Einsatz von Bodentruppen in dem Bürgerkriegsland Stellung.

Als Oberster Befehlshaber schließe er zwar grundsätzlich keine Option aus, derzeit sei eine Truppenentsendung aber nicht vorstellbar, sagte Obama am Rande eines Besuches in Costa Rica. "Ich sehe derzeit kein Szenario, in dem Stiefel auf syrischem Boden, amerikanische Stiefel auf syrischem Boden, nicht nur gut für Amerika, sondern auch gut für Syrien wären."

Sollte sich herausstellen, dass die syrischen Streitkräfte systematisch Chemiewaffen einsetzen, würde dies jedoch alles ändern. Zwar gebe es Hinweise für einen Einsatz von Chemiewaffen, man wisse aber nicht, wo und von wem sie eingesetzt worden seien. Es müssten nun weitere Hinweise gesammelt und den Vereinten Nationen vorgelegt werden, sagte Obama.

Die Kämpfe in Syrien gingen auch am Freitag unvermindert weiter. Der seit März 2011 andauernde Aufstand gegen das Assad-Regime hat nach UNO-Schätzungen mehr als 70 000 Menschen das Leben gekostet.

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