Südafrika zwischen Mandela-Gebeten und Obama-Protesten

Südafrika zwischen Mandela-Gebeten und Obama-Protesten

Barack Obama kommt in ein tief aufgewühltes Land. Denn Südafrika hat sich in diesen Tagen und Wochen verändert. Nelson Mandelas Ringen mit dem Tod bewegt die Südafrikaner aller Schichten, Hautfarben, Völker, Stämme, Religionen. Das Schicksal des Vaters der "Regenbogennation" dominiert Schlagzeilen, Sendungen, Gespräche und Gedanken. "Eine Nation hält den Atem an", titelte etwa die "Cape Times".

Festivals wie das jährliche Knysna Austernfest müssen ihre Programme ändern, wie auch Spitzenpolitiker wie Vizepräsident Kgalema Motlanthe ihre Reisepläne.

"Ich schaue Nachrichten, wann immer ich kann", berichtet Cynthia Mbele aus dem Township Gugulethu bei Kapstadt. "Es wird so traurig, wenn er stirbt, er hat so viel getan für das Land", meint die 24-Jährige. Ihm sei es zu verdanken, "dass ich anders aufwuchs als meine Eltern", sagt die schwarze Südafrikanerin, die zur ersten Generation nach der rassistischen Apartheid-Zeit gehört.

Ein ganzes Land betet

Die Regierungspartei ANC, die als Freiheitsbewegung begann und mit Mandela die weiße Vorherrschaft besiegte, rief in ganzen Land zum Gebet für die Genesung der nationalen Ikone auf. Eine der größeren Andachten war am Freitagabend im Zentrum Kapstadts geplant. ANC-Sprecher Jackson Mthembu kündigte an, in den kommenden Tagen überall öffentliche Gebetsveranstaltungen organisieren zu wollen.

Aber auch die oppositionelle Demokratische Allianz (DA) reklamiert Mandela für sich. Kapstadt, wo die DA dominiert, will ihn ein ganzes Jahr lang zelebrieren. Schon jetzt hängen überall große Banner mit seinem Porträt. "Mandela hat ein besonderes Verhältnis zu Kapstadt", so Bürgermeisterin Patricia de Lille. Schließlich war er hier, meist auf Robben Island, 27 Jahre in Haft. Auch die erste große Rede in Freiheit hielt er 1990 in der Stadt am Tafelberg. Wegen Mandelas Erkrankung hat auch Westkap-Ministerpräsidentin Helen Zille (DA) auf eine Chinareise verzichtet.

Familie Mandelas bereits vor Gericht

Drei Wochen nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus ist das Schicksal Mandelas weiter ungewiss. Familie und Regierung sollen für seinen Tod schon längst Vorbereitungen getroffen haben.

Allerdings liegt sich die Familie vor allem mit Mandla Mandela, einem Enkel des 94-Jährigen, in den Haaren - inzwischen sogar vor Gericht. Es geht um Familiengräber, Verlegung von Toten, auch um das künftige Mandela-Grab. Dabei hat sich der Nationalheld selbst schon lange für ein Grab in seinem Heimatort Qunu entschieden.

Ex-Frau Winnie: Mandelas Gesundheitszustand hat sich stark verbessert

Mandela geht es nach Angaben seiner Ex-Frau Winnie Mandela indes wieder viel besser. Mandelas Gesundheitszustand zeige eine "riesige Verbesserung" gegenüber jenem vor einigen Tagen, sagte Winnie Mandela am Freitag nach einem Besuch am Krankenbett des 94-Jährigen in einem Spital in Pretoria.

"Klinisch geht es ihm aber immer noch schlecht", fügte sie nach Angaben des südafrikanischen Nachrichtenportals News24 hinzu. "Ich bin kein Arzt und kann keine medizinischen Fragen beantworten", sagte sie auf Nachfragen von Journalisten. Auf die Frage, ob US-Präsident Barack Obama, der am Freitagabend in Südafrika erwartet wird, das Krankenbett des Friedensnobelpreisträgers aufsuchen werde, sagte Winnie Mandela: "Wie sollte ich das wissen?"

Obama erwarten Demonstrationen

Mit Sicherheit erwarten Obama in Südafrika aber Demonstrationen. Bereits am Freitag protestierten Hunderte in Pretoria gegen den Präsidentenbesuch. In Johannesburg und Kapstadt hat ein Bündnis linker, gewerkschaftlicher und islamischer Gruppen unter der Parole "Nobama" zu Aktionen aufgerufen. Auch der mächtige Gewerkschaftsverband Cosatu unterstützt den Protest gegen Obama, der von den Gruppen vor allem wegen des Gefangenenlagers Guantanamo, des Drohnenkriegs und seiner Unterstützung für Israel angefeindet wird.

Der Besuch Obamas wird den Ausnahmezustand im Land nur noch verschärfen. Die seriöse "Mail&Guardian" berichtet mit Bezug auf amerikanische Quellen, dass der Begleit- und Sicherheitstross des US-Präsidenten 1.600 Personen umfasse, ebenso eine ganze Flotte von Lastwagen, Geländefahrzeugen, Autos und Hubschraubern. Angesichts der strengen Sicherheitsmaßnahmen sprach ein südafrikanischer Sicherheitsexperte dem Wochenblatt zufolge von einem "logistischen Alptraum" für die Gastgeber.

Ob Obama Mandela am Krankenbett besucht, stand zunächst nicht fest. "Ich brauche keine Foto-Gelegenheit", sagte Obama an Bord der Präsidenten-Maschine Air Force One nach seinem Abflug aus dem Senegal, der ersten Station seiner auf acht Tagen angelegten Afrika-Reise. "Ich will auf keinen Fall in irgendeiner Weise aufdringlich sein, während die Familie sich um Nelson Mandelas Zustand sorgt." Tags zuvor hatte Obama Mandela bereits als einen seiner Helden bezeichnet.

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