Spanien: Warum eine Bad Bank nicht funktioniert

Spanien: Warum eine Bad Bank nicht funktioniert

Während die Institute auf der Eigenkapitalseite schnell entlastet werden, nimmt sich die vom Steuerzahler finanzierte Abwicklungsbank 15 Jahre Zeit, die unliebsamen Vermögenswerte abzubauen. Das Gesamtvolumen könnte sich auf bis zu 90 Milliarden Euro belaufen.

Doch im Moment deutet wenig darauf hin, dass der Plan aufgeht. Denn für einen Großteil der Portfolios gibt es schlichtweg keine Käufer, nicht mal zu Schnäppchenpreisen, für die sonst Hedgefonds und Finanzinvestoren gerne bieten. Am Ende droht die "Bad Bank" auf den Ladenhütern sitzenzubleiben, warnen Experten.

Das liegt an dem bunten Potpourri, das ab Ende November in der Abwicklungsanstalt lagern soll: Für kollabierte Finanzierungen fände sich womöglich noch ein Käufer, wenn dahinter einigermaßen gut vermietete Häuser, Läden oder Hotels stünden. Doch im Falle Spaniens, das neben Irland den größten Immobilien-Crash in Europa erlebte, sieht die Welt anders aus: Hier reihen sich vielerorts Bauruinen aneinander - Zeugen des Baubooms, der bis zur Finanzkrise 2007/08 andauerte und dann ein jähes Ende nahm. Investoren, die bei diesen Portfolios zugreifen, müssten noch jede Menge Geld zusätzlich hineinpumpen - entweder um die Gebäude fertigzustellen oder um sie komplett abzureißen, damit das Grundstück neu bebaut werden kann. Doch in einem Land, das in der Rezession steckt, wagt das kaum jemand.

Die Beratungshäuser Jones Lang LaSalle (JLL) und CBRE schätzen deshalb, dass sich 60 bis 65 Prozent der "Bad Bank"-Bestände nicht verkaufen lassen, zumindest nicht auf absehbare Zeit. "In den vergangenen fünf Jahren konnte man den Preis für Land schlichtweg nicht mehr beziffern", erklärt Rafael Powley, der für JLL in Madrid arbeitet und für die Nachrichtenagentur Reuters die Portfolios der Abwicklungsanstalt analysiert hat. Zehn Prozent der Gesamtbestände entfallen demnach auf Gewerbeimmobilien "mittlerer bis schlechter Qualität". Der große Rest sind Wohnungen und Häuser, viele davon im Südosten Spaniens, wo der Bauboom besonders exzessiv war.

Rosinenpicker

Investoren geben unumwunden zu, dass sie sich nur die Rosinen herauspicken werden. Das Investmenthaus Cordea Savills zum Beispiel würde bei Geschäften und Büros in Madrid und Barcelona zugreifen - wenn sie vermietet sind. "Die einzig wertvollen Immobilien in Spanien sind solche, die Einnahmen generieren", sagt Cordea-Chef Justin O'Connor. Die Immobilienexperten von JP Morgan Asset Management werden noch deutlicher: "Baugrund und halbfertige Gebäude sind im Moment preislich das Gleiche", sagt Manager Joe Valente. "Baugrund ist wahrscheinlich sogar noch wertvoller, da hat man keine Abrisskosten." Auch JP Morgan hält nach Gewerbeimmobilien in den Großstädten Ausschau. Opportunistische Finanzinvestoren wie Lone Star, Cerberus und Apollo wiederum werden als Interessenten für große Wohnanlagen in Touristenregionen wie Alicante und Malaga gehandelt, die wegen ihrer Flughafennähe noch halbwegs ordentliche Mieteinnahmen versprechen.

Die spanische Notenbank, die ihre "Bad Bank"-Pläne am Montag offiziell vorgestellt hatte, will sich zu den kritischen Prognosen der Beratungshäuser nicht äußern. Sie geht davon aus, dass zunächst nur 60 Milliarden Euro in der Abwicklungsbank lagern - und dass sich mit dem Weiterverkauf der Kredite und Portfolien am Ende sogar noch kleine Gewinne für den Steuerzahler einstreichen lassen. Schließlich übernimmt die "Bad Bank" die Vermögenswerte von den Banken ja mit Abschlägen zwischen 40 und 80 Prozent. Die "Bad Bank" ist eine Voraussetzung dafür, dass Spanien für seine angeschlagenen Banken bis zu 100 Milliarden Euro von der Europäischen Union (EU) erhält. Spätestens Anfang Dezember sollen die ersten EU-Mittel fließen.

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