"Spanien wird im Jänner um Hilfe bitten"

"Spanien wird im Jänner um Hilfe bitten"

Ausländische Investoren haben ihr Engagement in spanischen Staatspapieren von 33,5 Prozent der umlaufenden Anleihen im August auf 35,4 Prozent im September aufgestockt.

"Spanien wird im Jänner um Hilfe bitten", erwartet Tanguy Le Saout, Leiter Festverzinsliche Europa bei Pioneer Investments in Dublin. “Je früher sie um Hilfe bitten, desto schneller werden die Schuldenkosten sinken”, fügt er an.

Die zehnjährigen Finanzierungskosten Spaniens liegen bei etwa 5,88 Prozent im Vergleich zu durchschnittlich 4,77 Prozent in den vergangenen fünf Jahren. Im Juli waren sie auf den Rekordwert von 7,75 Prozent geklettert.

Für dieses Jahr hat das Land seinen Finanzierungsbedarf gedeckt. Will Spanien das neue, im September vorgestellte, OMT- Bondkaufprogramm der Europäischen Zentralbank in Anspruch nehmen, um seine Finanzierungskosten zu drücken, muss es als Voraussetzung ein Rettungspaket beantragen und die damit verbundenen Wirtschaftsreformen durchführen.

Die Wut wächst

Ministerpräsident Mariano Rajoy war in der vergangenen Woche mit dem zweiten Generalstreik seit seinem Regierungsantritt konfrontiert. In weniger als einem Jahr hat er fünf Runden an Sparmaßnahmen durchgezogen. Gleichzeitig gerät die Wirtschaft in die Rezession. Der Internationale Währungsfonds sagt für 2013 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent voraus und drängt das Land, Hilfen zu beantragen. Rajoy hat diesen Schritt bislang vermieden und verwies dabei auch auf unklare Bedingungen für die Hilfen.

Investoren verlangen bei zehnjährigen Spanien-Anleihen eine Renditeprämie gegenüber deutschen Bundesanleihen von rund 453 Basispunkten. Das liegt zwar unter dem Rekordaufschlag für die Zeit seit der Euro-Einführung von 650 Basispunkten am 25. Juli, aber über dem letztjährigen Durchschnittswert von 280 Basispunkten. Rajoy sagte am 6. November, er müsse zunächst wissen, wie stark die EZB die spanischen Finanzierungskosten drücken würde, bevor er ein Hilfspaket beantrage.

“Es muss wahrscheinlich eine Ausweitung der Spreads geben, damit Spanien einen Antrag stellt”, sagt Lorenzo Pagani, Leiter europäische Staatsanleihen und Zinsen bei Pacific Investment Management Co. in München. Er glaube nicht, dass die Renditeaufschläge ein Ausmaß wie im Juli erreichen müssten, aber wohl einen Wert irgendwo zwischen dem jetzigen und dem Juli- Stand.

Spanien will sich 207 Milliarden holen

Spanien will im kommenden Jahr mindestens 207 Mrd. Euro am Kapitalmarkt aufnehmen, wie das Haushaltsministerium am 29. September mitteilte. Für 2012 liegt der geplante Finanzierungsbedarf bei 192 Mrd. Euro. Staatssekretär Fernando Jimenez Latorre vom Wirtschaftsministerium wies am 26. Oktober darauf hin, dass der Gesamtbedarf steigen dürfte, da Spanien 2013 die Hilfen für seine klammen Regionen aufstocken werde.

Die Zentralregierung in Madrid hat den Regionalregierungen dieses Jahr mit über 40 Mrd. Euro unter die Arme gegriffen - die meisten der 17 Regionen sind vom Kapitalmarkt ausgeschlossen.

Die Ratingagentur Moody’s warnte im Oktober, die Kreditwürdigkeit Spaniens werde ohne ein Rettungspaket möglicherweise in die “Ramsch“-Kategorie heruntergestuft. Derzeit benotet Moody’s die Spanien-Bonds mit “Baa3”, eine Stufe über “Junk” und mit negativem Ausblick.

Ausländische Investoren haben ihr Engagement in spanischen Staatspapieren von 33,5 Prozent der umlaufenden Anleihen im August auf 35,4 Prozent im September aufgestockt. Das geht aus Daten des Finanzministeriums hervor.

Pioneer hat sein Engagement im Oktober jedoch zurückgeschraubt, nachdem die zehnjährige Rendite auf den niedrigsten Stand seit mehr als sechs Monaten gesunken war. Es bestand Sorge, dass das Land doch nicht sofort um Hilfe ersuchen werde, berichtet Cosimo Marasciulo, Leiter Staatsanleihen und Währungen bei Pioneer in Dublin.

Spanische Staatsanleihen erfüllen mit einem Rating der Güteklasse “Investment grade” von allen drei großen Ratingagenturen noch immer die Kriterien für verschiedene Bond- Indizes, darunter der Barclays Euro Treasury Index, die Markit iBoxx Euro-Area Benchmark Indizes sowie der European Government Bond Index und der World Government Bond Index von Citigroup Inc. Manche Fondsmanager müssen Anleihen verkaufen, die aus den Indizes herausfallen.

Die spanischen Banken besaßen im September 32 Prozent der Staatspapiere ihres Landes, wie aus Daten auf der Internetseite des Finanzministeriums hervorgeht. Das ist beinahe eine Verdoppelung des Anteils im Vergleich zu Ende 2011.

“Spanien drückt die Daumen und hofft, dass der spanische Bankensektor in der Lage sein wird, das Angebot zu absorbieren”, sagt Gianluca Ziglio, Zinsstratege bei der UBS in London. “Es könnte eine Grenze dafür geben.” Ziglio geht davon aus, dass Spanien bis Ende März ein Rettungspaket beantragen wird, da das Angebot auf den Bondauktionen die Nachfrage der Banken übersteigen werde.

Nach Daten von Bloomberg News werden im kommenden Jahr spanische Anleihen im Volumen von 137 Mrd. Euro fällig. Zum Vergleich: in Portugal liegt das Volumen fälliger Anleihen bei 19 Mrd. Euro, in Griechenland bei 22 Mrd. Euro und in Italien bei 284 Mrd. Euro.

“Ein Rettungsantrag wird unvermeidlich sein”, sagt Mark Dowding, Leitender Portfoliomanager für Festverzinsliche bei BlueBay Asset Management in London. “Es ist Wunschdenken, dass Spanien 2013 so weitermachen kann und Investoren die Bonds kaufen, ohne dass es ein Rettungspaket gibt.”

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